Die Kiwi-Frucht fühlt sich auch in Wuppertal wohl

Erfolgreiche Ernte : Die Kiwi-Frucht fühlt sich auch in Wuppertal wohl

Harald Thomé hat in seinem Garten 25 Kilo geerntet. Mit dem Anbau haben auch andere Erfolg.

. Die „chinesische Stachelbeere“ oder auch Kiwifrucht genannt, verbinden wohl die meisten mit Neuseeland, von wo sie in großen Mengen nach Deutschland exportiert wird. Doch einige Exemplare fühlen sich auch in Wuppertal wohl. Wie wohl zeigten jüngst Fotos des Sozial-Referenten Harald Thomé. In seinem Garten am Loher Bahnhof blickte er in diesem November nach dem ersten Frost auf eine erfolgreiche Kiwi-Ernte. Der 56-Jährige fotografierte mehrere Körbe voll mit den behaarten Früchten und ist voll des Lobes: „Es ist eine sehr robuste Pflanze, und die Früchte schmecken sehr gut.“ Rund 20 bis 25 Kilo erntete er nach dem ersten Frost. Und, weil er diese nicht allein essen mochte, verschenkte er sie großzügig. Seine Frau ist allergisch gegen Kiwis und hat daher nur am Anblick ihre Freude.

Die Früchte müssen in der Wohnung nachreifen

Dass die Pflanzen sich in Wuppertal wohlfühlen, bestätigt auch Kleingärtnerin Christine Radojewski (63). In der Kleingartenanlage Oststadt zieht sie selbst die „Aguta“-Kiwi, die auch als Kiwibeere bekannt ist. Diese sind kleiner als die aus dem Supermarkt bekannten Kiwifrüchte. „Bei uns in Wuppertal wachsen alle Beeren gut und in diesem Sommer war es so warm, da haben auch die Deliciosa-Kiwis sicherlich gut getragen“, sagt sie. Der Hagel im Frühjahr hat allerdings ihren Pflanzen die Blätter zerschlagen und so schwer geschädigt.

Kiwis sind Kletterpflanzen, das bestätigt auch Kiwi-Besitzer Harry aus Barmen. Er fürchtet, bald von Kiwi-Fans aus der ganzen Stadt besucht zu werden, denn er erntete schon 2017 mehr als 900 Früchte auf und an einem Flachdachgebäude. In diesem Jahr hat er die Ernte sogar mit zum Flohmarkt genommen. Die Kletterpflanze wächst so rasch, dass auch Harald Thomé sagt: „Ich muss sie schneiden, sonst würde sie mir alles zuwuchern.“ Bisher überspannen die Blätter, die an solche eines Haselnussstrauchs erinnern, schon eine Fläche von etwa zehn Quadratmetern an der Fassade. Ganz reif werden Kiwis im Tal aber nicht an der Pflanze. Alle drei Kiwi-Besitzer bestätigen: Man erntet sie unreif und lässt sie einige Tage in der Wohnung nachreifen.

Der heiße Sommer brachte auch sonst allerlei Kurioses in Wuppertaler Gärten. So beobachtete Christiane Rieger Taubenschwänzchen, Schmetterlinge die an kleine Kolibris erinnern. Solche Tiere seien sehr selten in Wuppertal, sagt sie.

Kommerziell werden Kiwis im Rheinland nicht angebaut. Das bestätigt Peter Muß, Geschäftsführer des Provinzialverband Rheinland, in dem die Obstbauern organisiert sind. Ihm ist nur der Betrieb von Peter Marseille in Leichlingen bekannt, von wo aus die grünfleischigen Früchte verkauft werden. Doch von dort heißt es, dass der – ursprünglich für den Privatbedarf – gestartete Kiwianbau in diesem Jahr kaum noch Früchte einbrachte. Einige fachliche Erklärungen gibt Peter Muß den Hobbygärtnern: Kiwis sind in der Regel „zweihäusig“, sodass es Pflanzen gibt, deren Blüten nur männliche Geschlechtsorgane ausbilden, während die weiblichen Pflanzen Früchte tragen. Bei Kiwis könne man also für die Befruchtung im Frühling nicht auf den Nachbarn hoffen, weil die Pflanzen nicht so verbreitet sind, wie etwa Äpfel. Harald Thomé hat sich darüber informiert und sich für eine Zwitterpflanze entschieden, bei denen er sich keine Sorgen um die Bestäubung machen muss.

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