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Denkmal des Monatsin Wuppertal: Viel mehr als nur ein Fenster

Bergischer Geschichtsverein : Denkmal des Monats: Viel mehr als nur ein Fenster

Für den Monat Mai hat sich der Bergische Geschichtsverein dem Glaskünstler Jochem Poensgen und seinen Werken gewidmet.

„Denkmäler sind Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht.“ So heißt es ziemlich nüchtern im Denkmalschutzgesetz des Landes NRW. Während man sich bei einer Sache (zum Beispiel Gebäude) und Mehrheiten von Sachen (Gebäudeensemble) schnell etwas vorstellen kann, wird es bei „Teile von Sachen“ schon schwieriger. Wie geht man beispielsweise mit einem Bauwerk um, von dem nur noch die historische Fassade erhalten ist? Jedoch bezieht sich die Formulierung auch auf einzelne Bereiche inner- und außerhalb der Gebäude, weshalb von einem „Schutzumfang“ gesprochen wird. Steht beispielsweise der historisch angelegte Garten eines Wohnhauses auch unter Denkmalschutz? In der sakralen Architektur wird ein Bestandteil der Denkmäler leider nach wie vor sehr stiefmütterlich behandelt: die Glasmalerei.

Werke in Wuppertal - und im Victoria & Albert Museum

Jedoch sind nicht nur Glasmalereien relevant in ikonografischer Hinsicht (zum Beispiel biblische Szenen), sondern es ist laut Johann Thorn Prikker die Kunst, „mit der Sonne selbst zu malen.“ Alles was im Innenraum betrachtet wird, wird erst durch Licht sichtbar. Somit sind die Fenster die zentrale Stelle, die über die Atmosphäre und Wirkung der einzelnen Komponenten (Bauform, Altar, Orgel, usw.) entscheiden.

Ein international bekannter Glaskünstler ist Jochem Poensgen (*1931, Düsseldorf). Nach seinem abgebrochenen Studium an der Werkkunstschule in Wuppertal hatte Poensgen zahlreiche internationale Aufträge und Lehrtätigkeiten, eine seiner bekanntesten Kompositionen (aus 1975) befindet sich heute im Victoria & Albert Museum in London. Poensgen wurde auch drei Mal in Wuppertaler Kirchen tätig (1963-1966 St. Mariä Empfängnis in Vohwinkel, 1966-1970 St. Johann Baptist in Barmen und 1989 Herz Jesu in Unterbarmen).

14 Fenster in St. Johann Baptist stammen von Poensgen

St. Johann Baptist ist eine historistische Hallenkirche (1888-1890), die Bauleitung hatte Gerhard August Fischer inne, der ebenfalls für die Wiedererrichtung von Schloss Burg maßgeblich verantwortlich war. Die dreischiffige Kirche besitzt ein Gewölbe, das von Säulen getragen wird. Nach St. Antonius ist sie die zweite katholische Kirche in Barmen. Der „Verein zur Erbauung einer katholischen Kirche in Ober-Barmen“ (Gründung 1883), hatte zuvor zahlreiche Spenden und Stiftungen gesammelt.

St. Johann Baptist ist seit 1993 ein Denkmal. Insgesamt finden sich in der Kirche 19 Fenster, darunter 14 von Jochem Poensgen, vornehmlich in den Seitenschiffen, zwei im Chor und ein Rosettenfenster auf der Orgelempore. Die informell-abstrakten Glasmalereien wurden in das bestehende Maßwerk (zwei-, drei- oder vier Nonnenkopffensterbahnen mit Abschlüssen von Drei- oder Vierpässen oder sog. Fischblasen) integriert.

Als Material wurde Antikglas, Blei und Schwarzlot (Farbe) verwendet, wie bei mittelalterlichen Fenstern. Die Gestaltung ist abstrakt und wird größtenteils durch das nicht symmetrische Bleirutennetz gebildet, wobei einzeln gefärbte Scheiben die Darstellung akzentuieren und zur Lichtbrechung beitragen.

Wuppertal hat eine bedeutende und beachtliche Zahl an Glasmalereien vorzuweisen. Jedoch wurde diese bisher in der Forschung nicht systematisch bearbeitet. Kriegsbedingt sind viele historische Fenster zerstört worden, so dass es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem regelrechten „Fensterboom“ kam. Die Sanierung und Restaurierung dieser Fenster werden die Denkmalpflege in den nächsten Jahren beschäftigen und weitere Fragestellungen aufwerfen.