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Circus Casselly: „Bei uns lernen Kinder fürs Leben“

Circus Casselly: „Bei uns lernen Kinder fürs Leben“

Seit 27 Jahren kommt die Familie mit ihrem Mitmachzirkus auf den Carnaper Platz.

Sedansberg. Der vierjährige Luis dreht bereits Saltos wie ein Großer. So gehört es sich eben für einen Zirkusjungen in der achten Generation — ein echter Casselly. Sein Vater Antonio Casselly (31) hatte als dreijähriger Steppke seinen ersten Auftritt in der Manege. „Ich habe zusammen mit meinem Bruder eine Clownsnummer gemacht“, erinnert sich der Artist zurück.

Foto: Anna Schwartz

Heute verhilft er in den Sommerferien 150 Wuppertaler Kindern pro Woche zu diesem einzigartigen Gefühl, zum ersten Mal im Rampenlicht zu stehen. Seit 27 Jahren schlägt der Circus Casselly auf dem Carnaper Platz sein Zelt auf und macht aus Jungen und Mädchen Artisten, Clowns, Tierdresseure, Seiltänzer, Zauberer und sogar Feuerspucker.

Fünf Tage üben die Nachwuchskünstler ihre Nummern — am sechsten Tag folgt dann der Auftritt. Der große Auftritt. Ins Casselly-Zelt passen fast 1000 Besucher. „Das ist am Ende voll. Mit Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden“, berichtet Projektorganisatorin Sandra Rüggeberg.

Ein wohlwollendes Publikum — aber die Cassellys möchte keine „Kinder-Show“ abliefern. „Wir holen aus den Kindern das Maximum heraus“, sagt Antonio Casselly. Die Eltern seien in der Regel absolut verblüfft, wenn sie ihre Tochter in neun Meter Höhe am Trapez erleben oder der schüchterne Sohn als Clown ein ganzes Zirkuszelt voller Menschen unterhält. „Es geht uns nicht nur um diese eine Show am Wochenende“, macht Antonio Casselly deutlich. „Bei uns lernen die Kinder etwas fürs Leben.“

Irmgard Stinzendörfer verfolgt seit 18 Jahren als Mit-Organisatorin den magischen Wandel der Kinder. Sie berichtet: „Die Kinder wachsen über sich hinaus.“ Dabei gebe es niemanden, der nichts kann — manche haben ihr Talent nur eben noch nicht entdeckt.

Genau mit diesen verschütteten Talenten befasst sich Antonio Casselly besonders gerne. Es packe seinen Ehrgeiz, diesen Kindern zu zeigen, was sie können, sie anzutreiben. „Manchmal haben die Kinder Angst und sagen ,Ich schaffe das nicht.’“ Dann antworte der erfahrene Zirkuskünstler: „Natürlich kannst du das noch nicht. Deshalb üben wir das zusammen.“ Es seien die schönsten Moment, wenn ein Kind am Ende des Tages etwas neues gelernt hat. „Das gibt Selbstvertrauen“, sagt Casselly.

Drei Wochen, 450 Kinder, dann ziehen die Cassellys weiter. Die Bühne gehört bis auf einen einzigen traditionellen Sponsorenabend für die Stadtwerke nur noch den Kindern. Dabei hat die Zirkusfamilie eigentlich selbst einiges vorzuführen

Jonny Casselly, Antonios Vater, wuchs mit neun Geschwistern im Zirkus auf. Seinen Platz fand er schließlich mit seinem eigenen „Circus Jonny Casselly“. den er heute mit seinen sieben Kindern und insgesamt 18 Familienmitgliedern betreibt.

Vor 30 Jahren zeigten in dem gelb-blauen Zelt noch ausschließlich die Zirkusprofis ihr Können. „In einer Nummer holten wir ein Kind aus dem Publikum in die Manege und ließen es Teller jonglieren oder ähnliches“, weiß der junge Casselly. Einmal saßen Jugendarbeiter im Publikum und fanden die Idee super. Aus diesem Zuspruch entwickelte sich das Sommerprojekt, das drei Jahre später in Wuppertal seine Erfolgsgeschichte startete. Mittlerweile ist die Ausbildung von Kindern das Hauptgeschäft der Zirkusleute. Neben den festen Projekten in Wuppertal, Bottrop und Remscheid steuern die Darsteller Schulen an. Bis vor zehn Jahren traten die Cassellys zusätzlich zu der Sonderaktion noch mit ihrer eigenen Show auf, doch dafür sei die Zeit jetzt nicht mehr da.

Das neue Modell sei auch finanziell einfach verlässlicher, sagt Antonio Casselly. „Wir wissen jetzt schon, dass wir für die nächsten drei Jahren gebucht sind“, verrät er.

Die Nachfrage scheint ungebrochen. Irmgard Stinzendörfer berichtet davon, dass die Karten für die Sommeraktion in der Regel innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft sind. Sie lächelt: „Die Eltern campen wirklich nachts vor den Vorverkaufsstellen, damit sie auch sicher eine Karte ergattern.“