Bürgerverein Laaken: Das Zauberwort heißt Eigenregie

Bürgerverein Laaken: Das Zauberwort heißt Eigenregie

Bürgerverein blickt auf 60-jähriges Bestehen zurück — und auf viele Änderungen im Stadtteil.

Laaken. Der Gemeindesaal der katholischen Kirche in Eschensiepen ist vollbesetzt. Gerade ist die Versammlung des Bürgervereins zu Ende gegangen. Für die rund 80 Teilnehmer schließt sich aber noch eine Feier an: 60 Jahre Bürgerverein Laaken-Eschensiepen. Dieter Szewczyk justiert zu diesem Zewck den Projektor für den Vortrag über die Ortsgeschichte, während aus dem Hinterraum der Duft von guter Hausmannskost in die Nase dringt: Es geht familiär und gemütlich zu. Das passt zu dem kleinen Bezirk.

Erste, urkundliche Erwähnung fand der Ort, der zunächst nur aus den beiden Hofschaften Laaken und Eschensiepen bestand, im Jahre 1597. An Bedeutung gewann er mit den Hammerwerken, die den Ruhrstahl zur Weiterverarbeitung vergüteten. Mit der Industrialisierung zog es wegen des sauberen Wassers den Textilbetrieb „Schlieper und Baum“, dessen Gelände heute von Vorwerk genutzt wird, nach Eschensiepen.

Aus dieser Zeit stammt auch der Laaker Teich, der den Anwohnern mittlerweile als Biotop ans Herz gewachsen und dessen Bedrohung immer Anlass für Proteste ist. Die Zukunft sei auch jetzt noch ungewiss, aber insofern die Möglichkeit bestünde, würde der Verein den Teich gerne zur Erhaltung pachten, sagt der Vereinsvorsitzende Ernst Benecke.

„Alleingelassen von der Stadt Wuppertal“, erzählt Dieter Szewczyk, gründete sich der Bürgerverein im Jahr 1952 mit dem Ziel, die zerstörte Infrastruktur wieder herzustellen und Gemeinschaft und Interessen der Ortschaft auch gegenüber der Großstadt Wuppertal zu vertreten. In Eigenregie entstanden Spielplatz und Haltestellenhäuschen, aber auch die Einstellung, dass „in Not etwas gemeinsam zu erreichen ist“, kommentiert Brunhilde Bein. Denn hier würde Gemeinschaft noch gelebt: Senioren erhalten zum Geburtstag einen Blumenstrauß, es finden Wanderungen statt, gesonderte Seniorenfahrten und ein Sommerfest. Neben dem Fackelzug erfreut sich der Martinszug großer Beliebtheit. „Es handelt sich um eine ,Generationengemeinschaft’“, resümiert Kassiererin Brunhilde Bein. Die Einwohnerzahl mag sinken, die Nachbarschaft und das soziale Engagement aber bleiben, auch nach 60 Jahren.

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