Brauhaus feiert 20. Geburtstag

Die Gastronomie war einst eine Badeanstalt. Der Betrieb hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert.

Barmen. Bier gab es schon bei der Eröffnung der Badeanstalt in Barmen. Zur Eröffnung des Volksbades am 19. Juli 1882 wurden Tische ins Wasser gelassen, an denen die Barmer Honoratoren in geringelten Badeanzügen Platz nahmen. Schwimmende Kellner servierten belegte Brote und Bier. Richard Hubinger erzählt die Geschichte mit einem Schmunzeln. Denn der Geschäftsführer des Wuppertaler Brauhauses ist teilweise stark angefeindet worden, als die Barmer Badeanstalt zu einem Gastronomiebetrieb umgewandelt wurde.

Dabei wurde die Badeanstalt geschlossen, weil sich das öffentliche Schwimmbad finanziell nicht mehr trug. Es hatte seine Funktion als Badeanstalt bereits nach dem Zweiten Weltkrieg verloren. Damals wurden Wohnungen und Provathäuser mit Bädern ausgestattet. Im preußischen Reich galt die Barmer Badeanstalt als fortschrittlich: das Wasser wurde regelmäßig gewechselt. „Man schwamm also nicht die ganze Zeit in derselben Brühe“, sagt Hubinger. In die Badeanstalt ging man damals für die körperliche Hygiene.

Nachdem das Schwimmbad 1993 geschlossen wurde, suchte die Stadt zusammen mit einer Findungskommission eine neue Nutzung für das Gebäude, das immer mehr verwahrloste. Die Lösung kam aus Lüdenscheid: Dort war 1994 ein Volksbad zu einem Brauhaus umgewandelt worden.

„Das war schon ein Wagnis ein Haus in der Größenordnung in Barmen zu betreiben“, sagt Hubinger. Aber der Erfolg des Brauhauses sei gerade um die Jahrtausendwende überwältigend gewesen. „Da haben Sie wochentags keinen Platz mehr bekommen“, erinnert sich Hubinger, der die Geschäfte des Brauhauses seit 2002 führt.

Als eine der größten Veränderungen nennt er das Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes im Jahr 2007. „Das hatte katastrophale Auswirkungen“, sagt Hubinger. Im Innenraum stand immer eine riesige Theke, um die sich die Biertrinker und Raucher in mehreren Reihen scharrten. Als man nicht mehr rauchen durfte, verschwanden sowohl die Raucher als auch die Biertrinker. Die Theke, das Kernstück des Brauhauses, stand plötzlich verwaist im Raum. „Es sah plötzlich so aus, als sei nichts los“, sagt Hubinger. Die Theke wurde zurückgebaut und Platz für Veranstaltungen geschaffen.

Auch das Gästeverhalten hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren verändert: Die Selbstbedienung im Biergarten — ein typisches Element in bayerischen Biergärten — ist komplett zurückgegangen. „Die Gäste wollten lieber bedient werden“, sagt Hubinger. Das sei mittlerweile leichter geworden, denn die Gäste hätten sich an größere Gläser wie ein Halbes oder ein Maß gewöhnt. Geschmacklich sind die Kunden des Brauhaus bei Bier experimentierfreudiger geworden. Wurde vor einigen Jahren nur Pils, Helles und Dunkles getrunken, können sich die Brauer heute austoben und den Gäste Rotes, Weizenbier, Maibock, Sommer- oder Winterbier anbieten.

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