Projekt : Wohnen und Arbeiten in alter Textilfabrik

Das Krefelder Unternehmen Renaissance investiert an der Gewerbeschulstraße.

Bis vor ein Monaten produzierte noch die Bandweberei „D. Lohsträter GmbH“ an der Gewerbeschulstraße 74-78. Mit den letzten abgearbeiteten Aufträgen endete die Nutzung dort: Die Maschinen wurden abgebaut, die Fabrik leergeräumt. Doch bald schon soll neues Leben in den Komplex einkehren. Die Krefelder „renaissance Immobilien und Beteiligungen AG“ hat ihn erworben und will ihn umgestalten. Das Ziel: Wohnen und Arbeiten in der alten Textilfabrik mit einer Gesamtfläche von 8700 Quadratmetern. Der Investor will mehrere Millionen investieren. 2019 sollen die Arbeiten beginnen.

Wohnungen, Ateliers, spezielle Wohnateliers für Künstler und Büros für Startups stellt sich der neue Eigentümer vor. Außerdem plant er ein nicht-kommerzielles Nachbarschafts-Café als Treffpunkt. Parkplätze werden direkt auf dem Gelände geschaffen.

„Das ist ein schönes Konzept“, freut sich Reiner Rhefus vom Historischen Zentrum, der sich intensiv mit den alten Fabrikgebäuden in Wuppertal beschäftigt hat. Der Bau an der Gewerbeschulstraße, der in drei Abschnitten (1890, 1900 und 1954) entstand, sei einer der markantesten in diesem  Bereich. „Die ganze Ecke ist eigentlich interessant. Wir haben hier eine große Dichte von alten Fabriken“, so Rhefus. Wenn jetzt eine revitalisiert werde, „kann ich mich darüber natürlich nur freuen“.

2019 sollen die
Arbeiten beginnen

Wenn alte Gewerbeimmobilien eine neue Nutzung bekommen sollen, werde man das von Seiten der Stadt grundsätzlich positiv begleiten, sagt Jochen Braun, Leiter des Ressorts Bauen. Es sei wichtig, solche Gebäude zu erhalten. Allerdings müsse man beachten, dass eine Umnutzung in manchen Fällen planungsrechtlich nicht einfach sei.

Barmen ist für Naja-Luisa Smolla, Chief Marketing Officer/CMO bei der Renaissance AG, die das Wuppertaler Büro leitet und selbst Wuppertalerin ist, sehr spannend: „Wir befinden uns hier an einem historischen Ort. Barmen hat vor etwas über 200 Jahren die Stadtrechte erhalten, historisch ist es aber schon über 1000 Jahre alt und hat einfach wunderschöne Ecken.“

Der Standort und die Produktionsflächen haben eine bewegte Geschichte und lange Tradition. Angefangen hat alles mit dem Textilwerk „Kaiser & Dicke“ (später kurz „kadi“). Das war am 2. Juli 1869 von Peter Kaiser und Friedrich Wilhelm Dicke an der Saarbrücker Straße in Barmen gegründet worden. Kaiser und Dicke, betont Rhefus, seien wichtige Namen in Barmen gewesen. Friedrich Wilhelm Dicke stiftete zum Beispiel gemeinsam mit  Peter Adolph Rudolph Ibach die Dicke-Ibach-Treppe in den Barmer Anlagen. Als „Fabrik in Litzen, Kordeln und Agrements“ war „Kaiser & Dicke“ in den 1870er Jahren erstmals in den Barmer Adressbüchern erwähnt worden. Später zog sie an die Gewerbeschulstraße um.

Die Renaissance AG war unter anderem im Stadtarchiv auf der Suche nach Informationen und hat dazu einiges gefunden. „Kaiser & Dicke“ war demnach sehr erfolgreich und erhielt  im Jahr 1900 die begehrte Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris für die hervorragende Qualität der Erzeugnisse. An diese Historie erinnert auch noch das alte Firmenschild am Gebäude.

1924 war dann Arthur Lohsträter als Teilhaber in die Firma eingetreten, später wurde er Alleininhaber. 1963 übernahm sein ältester Sohn Günther Lohsträter die alleinige Geschäftsführung. 1976 endete schließlich die Handelstätigkeit von „Kaiser & Dicke“, die D. Lohsträter GmbH wurde neu gegründet.

Ausschlaggebend für den Kauf des Fabrikkomplexes war laut Christian Baierl, Vorstand des Krefelder Immobilienunternehmens, zunächst die Begeisterung für die Architektur und die Historie des Gebäudes sowie die verborgenen Möglichkeiten. Er verspricht: „An die Renovierung gehen wir mit viel Sachverstand und Stilverlangen heran.“

Die Wuppertaler haben am „Tag des offenen Denkmals“ am 9. September von 11 bis 15 Uhr die Gelegenheit, die Fabrik noch vor den Umbaumaßnahmen zu besichtigen.