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Stadtname: Zwei Experten, zwei Meinungen

Stadtname: Zwei Experten, zwei Meinungen

Der Wert eines schmückenden Zusatznamens für Wuppertal wird kontrovers diskutiert.

Wuppertal. Es gibt Städte in Nordrhein-Westfalen, die sich schmückende Beinamen zugelegt haben, um auf den Ortseingangsschildern Eigenwerbung zu betreiben. Die Stadt Wuppertal hat bisher darauf verzichtet. Professor Tobias Langner von der Bergischen Unversität hält das für einen Fehler. Christian Boros, Medienunternehmer und Gründer der Agentur Boros, rät hingegen von Zusatznamen für die Stadt Wuppertal grundsätzlich ab.

Christian Boros (Archivfoto: Uwe Schinkel)

Die FDP-Ratsfraktion hatte gefordert, Wuppertal den Beinamen Schwebebahnstadt zu geben. Zahlreiche WZ-Leser haben eigene Vorschläge gemacht. Das Spektrum der Ideen reicht von Wissensstadt und Universitätsstadt bis Tuffistadt.

Tobias Langner (Bild 1), Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Bergischen Universität, hält die Wahl eines Zusatznamens für überfällig. Langner erforscht unter anderem die Macht von Markennamen. Er weiß, welche Wirkung starke Marken auf das Kaufverhalten der Kunden haben.

„Namenszusätze können ein wirkungsvolles Instrument sein, um das Image einer Stadt positiv anzureichern“, sagt Langner. Damit dies funktioniere, müssten die Zusätze positive und relevante Assoziationen vermitteln. „Dies ist für mich bei dem Zusatz ,Universitätsstadt’ absolut gegeben: Wer möchte nicht gerne seine Kinder in einer Stadt großziehen, in der Wissen und Denken zu Hause sind?

Oder sein Unternehmen dort betreiben, wo Forschungstransfers und eine Vielzahl junger, wissbegieriger Menschen als potenzielle Arbeitnehmer das Wirtschaften beflügeln können?“ Natürlich gebe es viele Universitätsstädte in Deutschland. Für die meisten Städte bleibe es eine Illusion, einen Namenszusatz zu finden, den keine andere Stadt für sich reklamieren könne.

Christian Boros (Bild 2) warnt, den Begriff Wuppertal zu verwässern. „Der Stadtname Wuppertal hat so viele unterschiedliche Konnotationen, da braucht man keine Krücken und Prothesen, um zu helfen. Wenn man selbstbewusst ist, und Wuppertal kann das sein, sollte man auf Eigenattribution verzichten. Reduktion ist immer die feinere Art. Außerdem warne ich vor Selbstbegrenzung. Ein Diamant funkelt, weil er viele Facetten hat. Lasst uns weiter funkeln.“