Hitzeaktionsplan Stadt Wuppertal soll Kälteorte für die heißen Tage benennen

Wuppertal · Ein Entwurf für den Hitzeaktionsplan liegt bald den Gremien vor – Politiker fordern mehr Trinkwasserspender

Trinkwasserbrunnen sind Teil des Hitzeaktionsplans.

Trinkwasserbrunnen sind Teil des Hitzeaktionsplans.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Der Entwurf eines Hitzeaktionsplans der Stadt befindet sich vor dem Abschluss und soll bald den politischen Gremien vorgestellt werden. Das teilt die Stadt auf Nachfrage der WZ mit. In der aktuellen Sitzung des Umweltausschusses hatte die SPD-Fraktion beantragt, die Verwaltung möge bis zur nächsten Sitzung im September einen Sachstand einbringen, da die Erstellung ursprünglich bis September 2023 vorgesehen war.

Wie Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler betont, habe die Verwaltung den Hitzeaktionsplan erarbeitet. Beteiligt sind neben der Koordinierungsstelle Klimaschutz auch zwei externe Büros. Dabei seien besonders die Themen berücksichtigt worden, die die Bürger bei ihrer Beteiligung am Aktionsplan einbrachten. Hierfür hatten über 700 Menschen sowohl online als auch bei einem Termin im Juni 2023 in der Pauluskirche ihre Ideen benannt. „Das Land hatte den Förderzeitraum verlängert, sodass die Verwaltung Zeit für eine sorgfältige Erarbeitung hatte“.

Derzeit werde eine Drucksache erstellt, die dann in die zuständigen Gremien gehe. Der Aktionsplan soll die Bürger in Wuppertal besser auf Hitzewellen vorbereiten und gesundheitlichen Folgen vorbeugen. Dazu gehört unter anderem ein Hitzeportal im Internet als Informationsquelle, das Verhaltensregeln und Hitzewarnungen, einen Online-Kurs der Johanniter sowie die Standorte von Refill-Stationen enthält. Dabei handelt es sich um Institutionen oder Geschäfte, in denen Passanten kostenlos Leitungswasser abfüllen können. Mit elf Standorten, darunter den Kundencentern der Stadtwerke in Elberfeld und Barmen, dem Nachbarschaftsheim Wuppertal am Ostersbaum sowie an der Müllverbrennungsanlage der AWG auf Korzert, sind diese noch sehr spärlich verteilt.

Als großen Makel sieht die Lokalpolitik separate Trinkwasserspender, die es bisher nur auf dem Gutenbergplatz am Arrenberg sowie auf dem Wichlinghauser Markt gibt. „Ich brauche ein Netz von Hunderten öffentlichen Zugängen zu Trinkwasser“, fordert Andreas Bialas (SPD), Bezirksbürgermeister von Langerfeld-Beyenburg. „Wenn man in südlichen Ländern ist, findet man bis zu 1000 Wasserstellen in der Stadt, um einer Dehydrierung vorzubeugen. Dafür muss es auch hier Orte geben“, sagt er. „Das kann etwa an Schwimmbädern oder an Schulen sein.“

Grünen-Politiker Ulrich-Timmo Christenn, Vorsitzender des Umweltausschusses, sieht dies ähnlich: „Dass es bislang nur zwei Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet gibt, ist untragbar. Hier tut sich die Stadtverwaltung schwer“, was vor allem mit der Hygiene und den laufenden Kosten in Verbindung stehe. „Da erwarte ich mehr Mut.“ Ihm fehle zudem die Verpflichtung, „dass wir Kälteorte auszeichnen, an denen man sich an heißen Tagen über eine längere Zeit aufhalten kann. Das können Kirchengebäude sein, vor allem aber geht es um Räume, die in Stadtteilen schnell und auch für ältere Menschen problemlos erreichbar sind – zum Beispiel Nachbarschaftstreffs oder gekühlte Gemeinschaftsräume in Pflege-Einrichtungen“.

Bürger bräuchten einen Plan, „auf dem sie sehen, wo sie besonders heiße Orte meiden sollen. „Ich brauche eine technische Unterstützung, die Warnungen ausspricht, wann ich mich besser wo nicht aufhalte“, ergänzt Andreas Bialas. „Es gibt zwar die Nina-Warn-App, die aber erst bei extremen Wetterlagen zum Tragen kommt“, sagt Christenn. Ein Baustein ist das Projekt „Gesundes Tal“ des Wuppertaler Kompetenzzentrums Smart City. Hier soll eine App Daten von Bürgern sammeln, um lokale Vorhersagen treffen zu können. Dazu sei jedoch die Bereitschaft der Bürger nötig, hieß es Anfang des Jahres bei der Vorstellung des Projektes.

Eine andere Auffassung hat Beate Petersen: „Prävention ist viel wichtiger als die Anpassung an Klimafolgen“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende der Bergischen Bürger-Energiegenossenschaft in Wuppertal. „Das sieht man zum Beispiel an den Solarmodulen, mit denen Anwohner Strom vom eigenen Balkon oder von der Garage ernten können.“ Die Genossenschaft vermittelte bisher mehrere hundert Steckersolargeräte an Haushalte im Bergischen, um so Teil der notwendigen Energiewende zu werden.

Fassaden für mehr Grün in der Stadt nutzen

„Überhaupt nicht mehr akzeptabel“ sei eine weitere Versiegelung von Flächen. „Es muss die Möglichkeit bestehen, dass Regenwasser versickern kann, kombiniert mit viel mehr Grün, wofür auch Fassaden genutzt werden müssen.“ Der Effekt werde besonders deutlich, „wenn man bei Hitze durch die Innenstadt läuft, in der sich kaum ein Baum befindet, dafür aber verdichtete Gehwegplatten. Da fühlen Sie sich, als hätte jemand den Fön eingeschaltet. Im Wald dagegen sind die Verhältnisse anders – und diese Effekte müssen wir nutzen“, so Petersen, die auch dem Wuppertaler Klimabeirat angehört.

Es reiche nicht aus, „immer weitere Papiere auf der Konzeptebene zu beschließen, sondern wir müssen in die Umsetzung zu kommen“.