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Stadt Wuppertal prüft Tunnel auf der Nordbahntrasse auf Herz und Niere

Wuppertal : Tunnel auf Herz und Nieren geprüft

Im Auftrag der Stadt nahm ein Ingenieurbüro die Bauwerke auf der Nordbahntrasse unter die Lupe. Ergebnis: Alles in Ordnung.

Wer auf der Nordbahntrasse kürzlich in den Tunneln unterwegs war, mag sich gewundert haben. Ein Hubwagen war dort zu sehen und zwei Herren waren mit ihm im Einsatz. Unter anderem klopften sie am Rott die Tunneldecken ab. „Bauwerksprüfung“ verkündete ein Aufsteller vor dem Bauwerk. Eine Pflichtaufgabe der Stadt, für die sie das Ingenieurbüro von Stefan Ballast und Ingo Beuker engagiert hat. „Dies ist die letzte Prüfung vor dem Ablauf der Gewährleistung“, erklären die beiden Nordhorner, für die es nicht der erste Einsatz in Wuppertal war.

Eine Woche waren sie diesmal vor Ort. „Hier ist einiges los auf der Trasse“, beobachten sie aus ihrem Wagen den regen Betrieb auf der ehemaligen Bahnstrecke, an der sie unter anderen schon die alten Unterführungen am Bahnhof Wichlinghausen in der Vergangenheit kontrolliert hatten. Neben dem Rotter Tunnel nahmen sie diesmal die anderen Tunnel der Trasse wie Schee oder Dorp unter die Lupe, suchten nach Rissen oder Hohlräumen. Das Abklopfen diene dazu, zu überprüfen, wo möglicherweise Beton abplatzt. Findet sich eine Stelle, wird der Bereich freigelegt und geschaut, ob zum Beispiel das Eisengitter rostet.

Gecheckt würden aber auch die Beleuchtung in den Tunneln sowie die Portale an beiden Seiten, erläutern Ballast und Beuker. Das Ergebnis sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Alles in Ordnung. „Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen“, sagen die beiden Experten. Zu „neu“ sind die Tunnel, die schließlich erst vor ein paar Jahren für den Betrieb auf der Nordbahntrasse saniert wurden.

Stadt: Prüfungen vom Aufwand her mit Baustellen vergleichbar

Für die Stadt eine gute, aber erwartete Nachricht. „Es zeigt auch, dass unsere Art der Sanierung erfolgreich war“, sagt Thorsten Warning. Das Thema Betonverschalung der Tunnel hatte lange für Diskussionen gesorgt, zum Beispiel mit der Wuppertalbewegung.

Die Prüfungen seien vergleichbar mit der Tüv-Prüfung beim Auto, erklärt Warning. Alles sechs Jahre ist eine Hauptuntersuchung fällig. Dann werde „handnah an jedes Bauwerk gegangen“, erklärt er. Dazu gibt es noch nach drei Jahren eine Zwischenprüfung, die nicht ganz so intensiv ausfällt. Zudem können die Prüfer noch Sonderprüfungen vorgeben. Vor allem dann, wenn der Zustand des Bauwerks nicht mehr gut ist. Zusätzliche Prüfungen sorgen aber noch einmal für höhere Kosten. 2000 bis 2500 Euro kostet die Überprüfung einer Brücke. Wenn die über die Wupper führt, kann es schnell das Doppelte werden. Ist die Deutsche Bahn involviert auch mal das Dreifache. Der Aufwand sei ähnlich groß, so Warning, als wenn die Stadt eine Baustelle einrichtet. Absprachen müssen getroffen werden, Geräte zur Verfügung gestellt werden, im Anschluss Berichte geschrieben werden.

Und natürlich müsse die Stadt im Zweifel auch handeln, denn passiert etwas, muss sie haften. „Wir sichern uns ab“, erklären die beiden Ingenieure aus Nordhorn. Jeder Schaden wird akribisch festgehalten und weitergegeben. Nicht immer läuft es so glatt, wie bei der jetzigen Prüfung, weiß auch Warning. Die Brücke Remlingrade wurde zum Beispiel mal direkt gesperrt. Sie ist mittlerweile durch einen Neubau ersetzt worden.

Die Nordhorner hatten solch einen Fall bei ihren Prüfungen in Wuppertal noch nicht. Insgesamt falle die Stadt nicht groß ab gegenüber anderen Kommunen. Die Probleme, dass zu wenig Geld für die Sanierungen vorhanden sei, haben viele. „Wir würden gerne noch mehr tun, als nur zu gucken“, betont auch Warning, dass die Mittel beschränkt sind.

Dass zumindest die Bauwerke an und auf der Trasse keinen Grund zur Klage lassen, nimmt natürlich auch die Wuppertalbewegung zufrieden zur Kenntnis. „Uns ist auch noch nie etwas anderes zu Ohren gekommen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Lutz Eßrich. Aktuell ist der Verein bekanntlich mit dem Umbau der Schwarzbachtrasse beschäftigt. Für den Wichlinghauser Tunnel habe man sich aber für eine andere Lösung als die Betonverschalung entschieden. Die Decke dort wird abgehängt. Nach fünf Jahren, vor dem Ablauf der Gewährleistung, muss dann auch die Wuppertalbewegung die erste Prüfung in Auftrag geben.