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Stadt Wuppertal prüft Kalkstein-Mauer am Döppersberg

Naturmaterial : Stadt hat Zweifel an der Haltbarkeit der Mauer am Döppersberg

Verwaltung räumt Mängel ein und bereitet sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit Baufirmen vor.

Die Stadt Wuppertal lässt die Natursteinmauer am Döppersberg untersuchen. Nach ersten Ergebnissen eines von der Stadt beauftragten Gutachters weisen die verbauten Kalksteine eine verkürzte Lebensdauer auf, was zu juristischen Auseinandersetzungen mit Planern und Baufirma führen könnte. Rund drei Millionen Euro (2,5 Millionen Euro Herstellungskosten plus Mehrwertsteuer) hatte die Mauer am Döppersberg gekostet.

In der Planungs- und Baubegleitkommission erklärte Martina Langer, Projektleitung Döppersberg, dass die Mauer im Ein- bis Zwei-Wochenrhythmus überprüft werde. „Es ist keine Gefahr im Verzug und es besteht kein akuter Handlungsbedarf, sondern es geht um die Haltbarkeit der Steine“, sagte Langer. Die Haltbarkeit sei mit 50 Jahren angegeben, ein Gutachter habe jetzt auf eine verkürzte Lebensdauer hingewiesen. Man hoffe, den Fall bis März klären zu können. Der Mangel sei bei der Arge, dem Zusammenschluss der am Döppersberg im Hochbau tätigen Unternehmen, angezeigt.

Die WZ brachte mit Steinmetz Lange den Stein ins Rollen

Die Westdeutsche Zeitung hatte Ende August 2019 den Stein ins Rollen gebracht, als sie mit Thomas Lange, Besitzer eines Steinbruchs in Sprockhövel, die Natursteinmauer in Augenschein nahm. Lange übte massive Kritik an Material und Arbeitsweise. „Jura-Kalksteine sind nur bedingt widerstandsfähig gegen Frost-Tau-Wetter“, sagte der Naturstein-Fachmann. Der Stein sei zudem falsch gesägt worden, dadurch würden die Lager nach oben zeigen und Wasser könne eindringen und den „Stein sprengen“. Auch fehle eine Mauerabdeckung, so Lange.

Die Stadt nahm die Hinweise ernst. Baudezernent Frank Meyer entgegnete in der Kommissionsitzung der FDP, die bereits vor zwei Jahren kritisch nachgefragt hatte: „Wir waren damals überzeugt, dass wir eine ausreichende Expertise durch einen uns bekannten Gutachter der Arge und ein TÜV-Gutachten haben.“ Nach dem Hinweis von Thomas Lange sei man hellhörig geworden. Sollte sich herausstellen, dass es sich um einen schwerwiegenden Fehler handelt, werde die Stadt vor Ablauf der Gewährleistungsfrist ihr Recht geltend machen. Es sei aber nicht damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren ein Gerüst am Döppersberg stehe. Meyer sieht vielmehr eine juristische Auseinandersetzung auf die Stadt zukommen.

Am Ende der Verhandlungen könnte ein Schadenersatz für die Stadt stehen. Mit dem Geld müsse die Rücklage für eine spätere Sanierung geschaffen werden. Auch eine technische Verbesserung durch die Arge wäre laut Meyer möglich. Gegenüber der Stadt werden im Gesamtprojekt Döppersberg ebenfalls Forderungen erhoben. Insgesamt belaufen sich diese von der Stadt abgelehnten Forderungen inklusive möglicher Verfahrenskosten auf eine Summe von rund 25,8 Millionen Euro.

Martina Lange weist ausdrücklich darauf hin, dass keine Gefahr für Passanten bestehe. Einzelne Steine würden speziell auf Veränderungen überprüft. Die Beschädigungen an den zwischen den Steinen gespannten Drähten seien Folgen von Vandalismus. „Alle Erkenntnisse die uns bisher vorliegen sind vorläufige Ergebnisse eines Gutachtens“, so die Projektleiterin. Die erste Mangelanzeige bezüglich der Mauer habe die Stadt bereits 2018 bei der Arge gestellt.

 Der Mauer sagte Experte Thomas Lange im August beim Ortstermin mit WZ-Reporter Daniel Neukirchen eine düstere Zukunft voraus. Sie werde sich im Laufe der Jahre nicht an die Farbe der Sandsteinfassade des Bahnhofsgebäudes angleichen, sondern die Steine würden grau, weil der Kalkstein nicht säureresistent sei.

Von vielen Wuppertalern wurde die Mauer schon während ihres aufwendigen Baus aus optischen Gründen abgelehnt. Die Behinderung der Sichtachsen zum historischen Bahnhofsgebäudes war einer der Kritikpunkte. Einen Rückbau der Mauer lehnte die Stadtverwaltung ab. Zum einen, weil das Urheberrecht vorsieht, dass der Bauherr das Werk eines Architekten nicht „entstellen darf“. Wobei das Urheberrecht auf die Nachkommen des Architekten übergeht.

Die Umsetzung des Projektes Döppersberg geht auf das Wettbewerbsergebnis zur Neugestaltung aus dem Jahre 2004 zurück. Der 1. Preisträger war das Büro JSWD aus Köln, von dem sich die Stadt auf juristischem Wege getrennt hat.

Außerdem hatte die Stadt berechnet, dass allein der Rückbau der Mauer mindestens 1,2 Millionen Euro kosten würde.