„Stadt Wuppertal lässt Ehrengräber verkommen“

Gedenken : Bezirksbürgermeister: „Stadt Wuppertal lässt Ehrengräber verkommen“

Die Politiker der Bezirksvertretung Barmen fordern von der Stadt mehr Geld für das Gedenken.

Die Stadt Wuppertal hat 41 Wuppertaler Persönlichkeiten mit einem Ehrengrab belohnt. Das bedeutet: Für Persönlichkeiten wie den Naturwissenschaftler Johann Carl Fuhlrott oder den Schriftsteller Otto Hausmann, aber auch den Grabstätten der Familien Engels und von der Heydt, übernimmt die Stadt die Grabpflege an insgesamt 220 Grabstellen auf zwölf Friedhöfen. Die Zahl ergibt sich aus der hohen Quote von großen Familiengrabstätten mit Ehrenpersönlichkeiten. Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke kritisiert jetzt allerdings, dass die Verwaltung ihre durch eine Satzung auferlegte Aufgabe de facto ignoriere. „Die Stadt lässt die Ehrengräber verkommen“, kritisiert der CDU-Politiker.

Durch den Kontakt zum Bergischen Geschichtsverein wurde Lücke auf den desolaten Zustand des Grabes von Johann Viktor Bredt auf dem Friedhof Hugostraße aufmerksam. Lücke schilderte das Bild, was ihm zu Augen kam: „Das Grab war von einem Wacholderstrauch überwuchert. Die Grabplatte war nicht mehr zu entziffern.“ So würden auch die sieben anderen Ehrengräber in Barmen aussehen, so Lücke. Er gibt sich darüber entrüstet: „Nehmen wir den Fall Bredt. Das ist neben den Vorwerks und den Engels die bedeutendste Familie der Barmer Geschichte.“

Im Fall Bredt handelte der Bezirksbürgermeister mit Unterstützung von helfenden Händen in diesem Jahr und versetzte das Grab wieder in einen vorzeigbaren Zustand. Ein Steinmetz kümmerte sich ehrenamtlich um die Platte und der evangelische Friedhofsverband spendete neue Pflanzen. Lücke macht deutlich: „Das können wir jetzt aber nicht für die restlichen Gräber auch noch machen.“ In einem Schreiben von Oberbürgermeister Andreas Mucke sei angeregt worden, dass die BVen ihre freien Mittel für die Pflege der Gräber zur Verfügung stellen. Doch da will sich Lücke weigern – bis es vielleicht irgendwann nicht mehr anders geht. „Das ist eine Aufgabe der Stadt.“

Bezirksbürgermeister spricht
von 26 100 Euro Sanierungsstau

Das sieht die Verwaltung auf Anfrage der WZ offiziell gar nicht anders. Sven Arens aus dem Grünflächenamt erläutert: „Seitens der Stadt werden für die Grabstätten die Grabpflege, notwendige Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten und die Verlängerung der Nutzungsrechte organisiert, durchgeführt und bezahlt.“ Wie viel Geld die Stadt Wuppertal dafür im Jahr investiert, diese WZ-Anfrage blieb vom Grünflächenamt unbeantwortet.

Mit dem Zustand der Gräber sind die Barmer Politiker trotz Maßnahmen der Stadt nicht einverstanden. Der Sanierungsstau bei den Ehrengräbern sei nicht unerheblich, sagt Lücke. Allein in Barmen, das geht aus Zahlen hervor, die dem Bezirksbürgermeister vorliegen, müssten 6200 Euro aufgebracht werden, um die Ehrengräber zu restaurieren. Im ganzen Stadtgebiet belaufe sich die Summe auf 26 100 Euro. Dieses Geld soll die Stadt nun in die Hand nehmen, wenn es nach dem Willen der Bezirksvertretung Barmen geht. In einem gemeinsamen Antrag fordern alle Mitglieder des Gremiums, dass die Stadt das erforderliche Geld in die Sanierung der Gräber steckt, die für Lücke Denkmäler der Stadt sind. Die Politiker wollen zudem, dass die Möglichkeit für neue Ehrengräber geprüft wird.

Im Hinterkopf haben die Barmer da Willibrord Lauer. „Er galt als heimlicher Bürgermeister Barmens und war maßgeblich am Ausbau des Werths beteiligt“, sagt Lücke über den einstigen Drogisten. Seine Stiftung sorgt noch heute alljährlich dafür, dass Senioren in Altenheimen zu Weihnachten mit Geschenken versorgt werden.

Mit dem Anliegen, Lauer ein Ehrengrab zu bescheren, ist Bezirksbürgermeister Lücke schon einmal gescheitert. Die Stadt habe ihm geschrieben, dass Herr Lauer wohl ein „bemerkenswerter Bürger“ der Stadt sei, aber aus Kostengründen gar keine Ehrengräber mehr ausgezeichnet werden.

Stadtsprecherin Martina Eckermann dementiert, dass die Stadt neue Ehrengräber kategorisch ausschließt. Das Aufnahmeverfahren laufe über die „Kommission für eine Kultur des Erinnerns“, in der sie selbst Mitglied ist. Eingehende Anträge werden zunächst durch das Historische Zentrum geprüft. Allerdings: Seit vielen Jahren hat sich die Liste der Ehrengräber nicht mehr erweitert.