Stadt Wuppertal kann 240 Stellen nicht besetzen

Personalmangel : Stadt Wuppertal kann 240 Stellen nicht besetzen

Das Rathaus ist verglichen mit der freien Wirtschaft zu unattraktiv. Für mehr als 200 Stellen finden sich keine Mitarbeiter.

Bei der Stadt sind aktuell und perspektivisch rund 238 Vollzeitstellen unbesetzt. Bei knapp 4000 Stellen in der Verwaltung – ohne stadteigenen Betriebe wie Gebäudemanagement und Altenheime. Das sind rund sechs Prozent aller Stellen. Eine Steigerung um 17 Stellen gegenüber dem vergangenen Jahr. Für dieses Phänomen gibt es im wesentlichen zwei Gründe: Die Altersstruktur der Verwaltung und die fehlenden Fachkräfte. Einbezogen sind der aktuelle bedarf wie der für bereits geplante Stellen.

Aktuell melden viele Bereiche Bedarf, vor allem aber einer: Allein knapp 110 dieser aktuell und perspektivisch freien Stellen sind im Bereich Kindertageseinrichtungen gemeldet, weil es der Stadt massiv an Erzieherinnen und Erziehern fehlt. Das macht sich auch dadurch bemerkbar, dass die Stadt trotz des Neubaus von Tageseinrichtungen diese nicht vollständig in Betrieb nehmen kann. Zuletzt hat die Stadt Kindertagesstätten an der Rudolfstraße, der Kleestraße und der Staubenthaler Straße eröffnet, aber jeweils nur zwei von sechs geplanten Gruppen belegen können. Auch die neue Kita an der Hatzfelder Straße wird im September mit lediglich zwei Gruppen starten müssen. Weitere geplante Kitas an der Bromberger Straße, der Dahler Straße, der Baumstraße, der Ahrstraße müssen ebenfalls noch mit Personal besetzt werden.

Die 110 Stellen bezögen sich aber in Teilen auf den Planungsbedarf in den kommenden zwei bis drei Jahren, betont der Stadtbetriebsleiter für Tageseinrichtungen, Michael Neumann. Er erklärt, dass gegenwärtig 15 Stellen im laufenden Betrieb fehlten. Für die nicht betriebenen Gruppen fehlten zudem 22 Erzieherinnen und Erzieher. Die zu 110 fehlenden Mitarbeiter fehlten für die in Planung und Bau befindlichen Einrichtungen. Bis zur Inbetriebnahme würden die soweit möglich besetzt. „In 2019 wurden ca. 65 Erzieherinnen und Erzieher eingestellt, zusätzlich 19 Auszubildende für die praxisintegrierte Ausbildung (PIA), sowie 26 Berufspraktikantenen – diese werden voraussichtlich im nächsten Jahr ihre Ausbildung beenden. Darüber hinaus finden weiterhin fast wöchentlich Auswahlverfahren für weitere Bewerberinnen und Bewerber statt“, unterstreicht er die Bemühungen der Stadt.

Auch Stellen in der Informations-Technologie (IT) sowie bei Bau- und Verkehrsbehörden können immer wieder nicht besetzt werden – wo die Stadt mit der freien Wirtschaft konkurriert. Personaldezernent Johannes Slawig (CDU) sagt aber, dort seien viel weniger Stellen offen als zuletzt – was der eigenen Ausbildung zu verdanken sei. Aktuell werden dennoch Stellen in der IT gesucht, weil die Stadt im Zuge der Förderung als Digitale Modellkommune für jeden Geschäftsbereich einen Projektmitarbeiter sucht, wie Stadtsprecherin Martina Eckermann erklärt.

Die neuen Auszubildenden auf der Rathaustreppe. Foto: Antje Zeis-Loi

Die Nachfrage des Rathauses nach Arbeitskräften wird künftig nicht geringer werden. Durch den demografische Wandel scheiden mehr Beschäftigte aus dem Dienst aus als nachrücken. Für Slawig ist das das „größte Problem für die Stadt“. Die Zahlen belegen das. Der Altersschnitt in der Stadtverwaltung lag 2018 bei 47,77 Jahren, zwei Jahre zuvor war es 46,87 Jahre. Die Mitarbeiter werden also älter, ohne das Jüngere in gleicher Zahl nachkommen.

Das wird sich besonders drastisch auswirken, wenn die starken Jahrgänge in Rente gehen. Die Stadt geht im Jahresbericht 2018 für Personal- und Organisationsentwicklung von 977 Mitarbeitern aus, die zwischen 2018 und 2027 geplant ihre Stellen verlassen.

Reduzierung der Mitarbeiter aufgrund des Stärkungspakts

Bisher hat die Stadt wegen der finanziellen Vorgaben aus dem Stärkungspakt mit dem Land die Anzahl der Mitarbeiter reduziert. Durch den demografischen Wandel verlassen aber mehr Mitarbeiter die Verwaltung als laut Sparvorgabe nötig wären. Deswegen muss Wuppertal auf externe Bewerber setzen und auf Ausbildung.

Allein am Freitag haben 24 Auszubildende ihren Dienst angetreten, Anfang September starten weitere 24 Beamtenanwärter bei der Stadt und weitere rund 50 Auszubildende bei der Feuerwehr, wie Alexander Engelhard, Leiter Aus- und Fortbildung bei der Stadt, aufzählt. Die Stadt besinnt sich darauf, die eigenen Mitarbeiter auszubilden – auch weil es schwieriger ist, den Bedarf über externe Bewerber zu decken. Die Anzahl der Ausbildungsplätze ist seit 2010 (6) bis 2018 (63) kontinuierlich gesteigert worden.

Mit der Ausbildung der eigenen Kräfte allein werde man aber den demografischen Wandel nicht auffangen können, sagt Engelhard. Auch weil es eben an Kapazitäten bei Ausbildern fehle. „Die sind knapp“. Auch wenn man „bedarfsgerecht“ ausbilde, bleibe man eigentlich unter dem, was nötig sei, um den Bedarf zu decken. Slawig räumt ein, dass die fehlenden Stellen lediglich zu zwei Drittellen mit eigenen Leuten besetzt werden können.

Um für die Zukunft qualifizierte Mitarbeiter und Lehrlinge zu gewinnen, hat die Stadt verschiedene Strategien. Einerseits die Stärkung der eigenen Ausbildung – auch von Erziehern. Seit 2017 gibt es eine Kooperation mit der Berufsschule Kohlstraße für die Praxisintegrierte Ausbildung (Pia). Anderseits soll die Stadt als attraktiver Arbeitgeber dargestellt werden – mit Imagefilmen, einer frischeren Internetseite und Teilnahmen am Recruiting-Tag der Uni. Gleichzeitig soll die fortschreitende Digitalisierung helfen, Arbeitsprozesse zu verschlanken.

Anmerkung: Der Text wurde nach einer Stellungnahme von Michael Neumann, Leiter des Stadtbetriebs Tageseinrichtungen, am 19. August um dessen Aussagen ergänzt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung