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Stadt Wuppertal: Das Engelshaus wird rechtzeitig zum Geburtstag fertig

Stadt versichert : Das Engelshaus wird rechtzeitig zum Geburtstag fertig

Die Innenarbeiten des Gebäudes und der Rohbau des abgespeckten Ankerzentrums werden rechtzeitig fertig, versichern die Verantwortlichen.

22 Jahre lang leitet Hans-Uwe Flunkert nun schon das Gebäudemanagement der Stadt (GMW). Und ebenso lange begleite ihn das Thema „Engelshaus“, sagt er. Umso größer sei seine Freude, kurz vor seinem Ruhestand das Projekt noch beenden zu können. Am 28. November, wenn sich Friedrich Engels’ Geburtstag zum 200. Mal jährt, soll das restaurierte Gebäude wieder eröffnet werden. Soll der Rohbau des Verbindungsbaus zur Kannegießerschen Fabrik, der für den vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg existentiell ist, fertiggestellt sein. Allen Skeptikern und Hindernissen zum Trotz werde der Zeitplan eingehalten. Versichert er.

Die Vorarbeiten waren zeitaufwendig, was nicht nur Finanzierungsfragen, sondern auch dem Denkmalschutz und der Bauforschung geschuldet war. Letztere legte fest, dass das mehrfach umgebaute großbürgerliche Fachwerkwohnhaus des bergischen Spätbarock in den Zustand nach seinem ersten großen Umbau um 1800 versetzt werden sollte. Seit Ende 2019 ist die Schiefer-Fassade des Gebäudes am Engelsgarten weitgehend restauriert, einige Fensterläden fehlen noch, sie werden  in der Farbe „Bergisch Grün“ gestrichen, die Haustür wird auswärts aufgearbeitet.

Regenrückhaltebecken
ist unter der Erde

Im ersten Ober- und im Erdgeschoss sind die Öffnungen zum Verbindungsbau in die Mauern eingelassen. Die Arbeiten zur aktuellen, abgespeckten Version des ehemaligen  sogenannten Ankerpunkts, sind ausgeschrieben. Das an die 80 Kubikmeter fassende Regenrückhaltebecken wurde in den Boden gebracht, nun folgen die Entwässerungskanäle. Auch wenn überirdisch also noch nichts zu sehen ist, gibt es Gedankenspiele über ein Richtfest am 1. November.

Hochbetrieb herrscht dagegen im Inneren des Engelshauses, wo von oben nach unten gearbeitet werde, erklärt Projektleiterin Stefanie Hentrich. Die Architektin kennt das Haus wie ihre Westentasche, schätzt seine gute Bausubstanz, auch wenn seine schiefen Wände und immensen Höhenunterschiede immer wieder herausfordern. Knapp 790 Quadratmeter Grundfläche,  Wand- und Deckenflächen und Böden werden hergerichet, die alten, Vertikalschiebe-Sprossenfenster und schweren Original-Türen repariert. Bei den Böden zum Beispiel kommen auf die Originaldielen zunächst die technischen Installationen, darauf eine die Höhenunterschiede ausgleichende Schüttung, Verlegeplatten und schließlich Parkett (in den Ausstellungsbereichen) oder Teppichboden (in den Büroräumen).

Besondere Attraktion wird das sogenannte Tapetenzimmer, dessen gut erhaltene Landschafts- und Stuckmalereien an den Wänden mittlerweile gereinigt, dessen Stuckdecken freigelegt wurden. In den höheren Etagen werden gerade die Deckenbalken gestrichen. Umfangreiche Brandschutzmaßnahmen sind in einem eigenen Konzept festgelegt. Fast fertig ist der steinerne Gewölbekeller, der gereinigt und abgestrahlt wurde, nun mit umlaufenden Heizkörpern vor Feuchtigkeit bewahrt werden soll. Die anderen Stockwerke sollen über Gasthermen geheizt werden.

Um die Nutzung des Hauses kümmert sich Lars Bluma. Der Leiter des Historischen Zentrums hat ein dreiteiliges Ausstellungskonzept erarbeitet, das nach dem Sommer realisiert werden soll. Gezeigt werden soll erstens die Baugeschichte des Hauses, zweitens die bürgerliche Wohnkultur (in einem Musikzimmer und dem Tapetenzimmer)  sowie drittens eine Ausstellung über Engels und seine Familie. Dabei werden Teile der Großen Ausstellung „Ein Gespenst geht um in Europa“ verwendet, die derzeit in der Kunsthalle Barmen gezeigt wird.

Bluma denkt an eine elegante und dezente Präsentation mit multimedialen Anteilen, etwa bei den Briefen von Engels, „um einen Eindruck der Briefkultur von damals zu vermitteln“. Im Haus sollen verteilte Sichtfenster Bau-Details hervorheben, in einem Informationszimmer die nackten Wände sowie ein Film Auskunft über seine verschiedenen Epochen geben.

Dreiteiliges Ausstellungskonzept wird nach dem Sommer realisiert

Bis zum Herbst muss deshalb der Innenausbau fertig sein, damit Bluma seine Pläne rechtzeitig vor dem runden Geburtstag des berühmten Barmers Sohns umsetzen kann. Der geplante  Umzug des Historischen Zentrums in die beiden oberen Stockwerke dagegen folgt später, „wenn alles fertig ist“.