Stadt will Heimplätze stufenweise ausbauen

Stadt will Heimplätze stufenweise ausbauen

Stadt will um 130 neue Plätze schaffen. 6,5 Millionen Euro könnten damit jährlich in Wuppertal bleiben. Viele Kinder werden derzeit in anderen Städten untergebracht.

Wuppertal. Die Stadt will ihre stationären Heimplätze ausbauen. Der Grund: Mit dem neuen Kinderschutzparagrafen (8a SGB VIII) aus 2005, der Einrichtungen und Dienste wie Kitas, Schulen und Verbände zunehmend eingebunden hat, ist die Zahl der stationären Unterbringungen angestiegen (Entwicklung siehe Infobox unten). „Bei uns kommen mehr Meldungen an“, sagt Jugendamtsleiter Dieter Verst. „Die Unterbringungen in Heimen und Pflegefamilien sind zuletzt im Jahr 2011 deutlich angestiegen.“

Außerdem stellt das Jugendamt zunehmend fest, dass die ambulanten Hilfen in den Familien nicht immer zum gewünschten Erfolg führen. „Es gibt immer Fälle, wo ein Heim der beste Weg ist“, sagt Verst.

Derzeit werden jährlich mehr als 500 Wuppertaler Kinder und Jugendliche in Heimen oder Wohngruppen untergebracht. Die Zahl liegt etwa auf dem Niveau von 1993/1994, war jedoch zwischenzeitlich zurückgegangen. Doch im Tal stehen lediglich 278 Heimplätze zur Verfügung. Die Wuppertaler Einrichtungen sind im Durchschnitt zu 95 Prozent ausgelastet. Außerhalb der Stadt, etwa in Solingen oder Aprath, werden über 320 Plätze belegt, davon aber nur 95 im direkten Umfeld Wuppertals.

Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht der Verwaltung ein stufenweiser Ausbau der stationären Plätze um knapp 50 Prozent, das heißt um circa 130 weitere Plätze, sinnvoll. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die betroffenen Kinder und Jugendlichen können ihr soziales Umfeld in der Nähe von Elternhaus und Schule behalten. „Außerdem könnten wir die Inhalte der Angebote mitbestimmen. Wir würden das mit den Trägern vor Ort einfach besser steuern “, sagt Jugendamtsleiter Dieter Verst.

Auch der wirtschaftliche Nutzen für die Stadt ist bedeutsam: Rund 6,5 Millionen Euro würden damit jährlich in Wuppertal bleiben, statt in andere Kommunen abzufließen. Neue Arbeitsplätze könnten entstehen, nach Versts Schätzung 100 bis 130.

Mit der aktuellen Beschlussvorlage aus dem Jugendhilfeausschuss können die freien Träger nun in die konkrete Planung für den Ausbau gehen und gegebenenfalls Immobilien mieten oder kaufen. Planungssicherheit ist wichtig, denn Heimplätze sind teuer: Ein Heimplatz kostet pro Jahr etwa 50.000 Euro. Die Investitionen müssen die Träger selbst übernehmen. Die Betriebskosten werden mit einem festen Tagessatz komplett über die Stadt refinanziert. Es handelt sich um eine Pflichtaufgabe der Kommune.

Laut Jugendamtsleiter Dieter Verst liegen bereits Anträge für den Ausbau von 44 Plätzen vor, unter anderem vom Kinderhaus St. Michael, dem Verein Sozialtherapeutische Kinder- und Jugendhilfe (SKJ) oder der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Insgesamt schätzt Verst, dass der Ausbau der Plätze rund drei Jahre lang dauern wird. Wurden früher größere Einheiten geplant, geht es heute um kleinere Wohngruppen für fünf bis zehn Jugendliche.

Das Angebot für Jungen soll größer ausfallen als das für Mädchen. Für sie stehen deutlich mehr Plätze in Wuppertal zur Verfügung.