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Stadt und Verein wollen Taubenhaus am Wuppertaler Döppersberg

Kot verdreckt die Bahnsteige : Stadt und Verein wollen Taubenhaus am Döppersberg

Auf dem Dach der Bahndirektion könnte das Gebilde aufgestellt werden. Dafür müsste die Stadt aber erst einmal Mieter sein.

Wer am Wuppertaler Hauptbahnhof auf dem Gleis auf seinen Zug wartet, ist meist nicht alleine. Das gilt nicht nur für andere Mitreisende, sondern vor allem für die vielen Tauben, die diesen Bereich bevölkern und die reichlich Schmutz hinterlassen. „Die Taubenproblematik an Gleis 2/3 des Wuppertaler Hauptbahnhofs ist uns bekannt. Leider zentriert sich der Befall vor allem auf diesen Bereich, da der Lebensraum der Tauben durch verschiedene Vergrämungsmaßnahmen am Busbahnhof, in der Personenunterführung sowie an Gleis 1 und Gleis 4/5 eingeschränkt wurde. Wir sind mehr als bemüht, die Problematik zu beseitigen. Für Herbst 2020 sind Vergrämungsmaßnahmen an Gleis 2/3 geplant“, sagt eine Bahnsprecherin auf WZ-Anfrage.

Die Mitarbeiter vor Ort hätten das Thema im Fokus und würden gezielt durch zusätzliche Reinigungsmaßnahmen auf die Verschmutzungen durch die Tauben reagieren. „Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die Tiere immer wieder von Kunden am Bahnsteig gefüttert werden. Unser Servicepersonal vor Ort achtet hierauf verstärkt und geht im konkreten Fall auf die Fahrgäste zu“, erklärt die Bahn in ihrer Stellungnahme.

Die Tauben nur zu vergrämen, davon hält die Vorsitzende des Fördervereins Stadttauben Wuppertal, Petra-Renate Laskowski nicht sehr viel: „Wenn Tauben durch Spikes vergrämt werden, müssen sie sich andere freie Plätze suchen, an denen sie sich aufhalten und Futter finden können. So treten sie dann dort in deutlich höherer Zahl auf, als wenn sie sich gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilen könnten. Es kommt zur Hotspotbildung wie am Hauptbahnhof auf den Gleisen inklusive der damit einhergehenden Verschmutzung. Auch die Tatsache, dass dort Decken erneuert worden sind, in denen Tauben genistet haben, hat dazu geführt, dass jetzt mehr der Tiere auf dem Gleis zu sehen sind.“ Mittlerweile würden die Tauben trotz der Spikes brüten, in dem sie auf Kotbergen ihre Nester bauen und dort brüten. „Das führt zu fürchterlichen Verletzungen der Küken.“

Die ideale Lösung sei, wie vom Rat der Stadt bereits beschlossen, ein Taubenhaus auf der ehemaligen Bundesbahndirektion zu bauen. „Das würde mit Sicherheit die Situation verbessern und man könnte dort die Eier der Tauben austauschen und so ihre Zahl regulieren. Wichtig ist, dass das Taubenhaus möglichst hoch liegt und den richtigen Einflugwinkel hat. Nur dann bleiben die Tauben in dem Haus, sie wollen immer nach oben. Deshalb sind die Taubenhäuser auf der Citykirche und auf dem Elberfelder Rathaus auch so ein großer Erfolg. Seit 2012 haben wir 18 500 Eier ausgetauscht und 30 Tonnen Taubendreck entsorgt, der nicht auf den Straßen und Plätzen gelandet ist.“

Verein fordert, dass die Bahn an den Kosten beteiligt wird

Das sieht man bei der Stadt genauso: „Die Stadt würde es befürworten, wenn es einen Standort am Hauptbahnhof gäbe. Es gibt das Bestreben, dass die ehemalige Bundesbahndirektion zum Verwaltungsstandort wird. Dann könnten wir in Eigenregie dort ein Taubenhaus einrichten. Dieses wäre positiv für das Tierwohl, da die Tauben nicht nur gefüttert, sondern auch medizinische versorgt werden. Auch die Kosten für die Vergrämung und die Reinigung würden dann entfallen. Bislang ist am Döppersberg auch eine Falknerin im Einsatz, die mit ihren Raubvögeln die Tauben vertreibt. Das ist auf den Gleisen natürlich nicht möglich. Dass die Aufenthaltsqualität im neu gestalteten Bereich erhalten bleibt, ist uns wichtig“, sagt Martina Eckermann vom Presseamt.

Insgesamt gibt es in Wuppertal derzeit vier Taubenhäuser. Mehr wären durchaus erwünscht. „Es gibt allerdings ein großes Problem, das zunächst gelöst werden muss. Alleine durch Ehrenamtler wie unsere Vereinsmitglieder lässt sich die schwere Arbeit in den Taubenhäusern nicht bewältigen. Die älteren Mitglieder, die die Zeit hätten, können diese Arbeit nicht mehr leisten und die jüngeren Berufstätigen stehen nicht zu den Zeiten zur Verfügung, an denen sie gebraucht werden. Das gilt zum Beispiel für die regelmäßige morgendliche Fütterung“, sagt Laskowski.

Es gäbe zwar die Helfer, die das Jobcenter in einem Qualifizierungsprojekt schickt. „Das Konzept funktioniert aber nicht gut, da einfach zu wenige Helfer zur Verfügung stehen. Wir haben jetzt beim Taubenhaus auf dem Rathaus Elberfeld ein großes Problem, da wird dort massiv unterbesetzt sind. Es gibt aber Gespräche mit der Gebäudewirtschaft, die sehr von dem Projekt überzeugt ist und die versucht, uns jetzt in der Notsituation Hilfe zukommen zu lassen. Unter diesen schwierigen Bedingungen sind aber weitere Taubenhäuser in Wuppertal derzeit aus unserer Sicht utopisch. Die Personalsituation muss sich da deutlich verbessern. Man sollte die Nutznießer der Taubenhäuser wie die Deutsche Bahn oder die Einzelhändler finanziell am Projekt beteiligen“, fordert Laskowski.