Wupperputz: Stadt ist stolz auf ihre Ehrenamtler

Wupperputz : Stadt ist stolz auf ihre Ehrenamtler

Die Beteiligung am Wupperputz ist so groß wie nie. Und auch sonst sind die Wuppertaler aktiv.

Endlich Samstag – das bedeutet ausschlafen, ganz in Ruhe frühstücken und dann von der anstrengenden Woche erholen. Oder? Nicht für 2340 Jungen und Mädchen, Männer und Frauen. Sie alle opfern ihren freien Samstag, um den Müll anderer Leute einzusammeln. Für den Wupperputz haben sich so viele Teilnehmer wie noch nie angemeldet. „Wir sind begeistert“, sagt Stadtsprecherin Kathrin Petersen und bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf den Wupperputz, sondern auf das ehrenamtliche Engagement der Wuppertaler ganz allgemein. Denn: Rund 100 000 Menschen sind in Wuppertal nach Schätzungen der Stadt das ganze Jahr über ehrenamtlich im Einsatz. Das heißt, jeder Vierte über 14 Jahren engagiert sich in seiner Freizeit und ohne Geld dafür zu bekommen für andere Menschen, für die Umwelt – eben für Wuppertal.

Wie viel Geld die Stadt durch den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Bürger einspart, das vermag Kathrin Petersen aus dem Stehgreif nicht einzuschätzen. „Durch Aktionen wie den Wupperputz zum Beispiel gar nichts“, sagt sie. Die Reinigung der Wupper und der Uferbereiche könne die Stadt ohne zusätzliche Ausgaben auch anderweitig leisten. „Darum geht es an diesem Tag aber auch gar nicht“, betont sie. Der Wupperputz sei vielmehr eine Aktion, die viele Wuppertaler näher zusammenbringe und dabei auch noch deren Bindung zur eigenen Stadt stärke. „Letztlich möchten wir durch solche Aktionen das Bewusstsein der Wuppertaler für Umweltschutz vor der Haustür schärfen.“ Denn, so Kathrin Petersen weiter, am besten wäre natürlich, wenn ein Wupperputz irgendwann gar nicht mehr nötig sei, weil niemand seinen Müll am oder im Fluss entsorge.

Vielfältiger Einsatz
über das ganze Jahr

Grundsätzlich sei die Stadt „sehr stolz“ auf die vielen Ehrenamtler, die sich täglich für ein gutes Miteinander und für ein schöneres Wuppertal einsetzen, sagt Kathrin Petersen. Angefangen beim Zoo-Verein, der neue Gehege finanziert, bis hin zu Verschönerungsvereine, die Parks und Grünanlagen pflegen, sei das Engagement in der Stadt auch besonders vielfältig. „Neben den großen und bekannten gibt es hier auch so viele kleinere Engagements, die alle einen großen Beitrag für das Gemeinwesen bedeuten“, lobt die Stadtsprecherin.

Einer, der sich selbst seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, ist Tobias Schlüpner. Als Wupperpate betreut er einen Abschnitt des Flusses ehrenamtlich. „Einmal in der Woche gehe ich das Sonnborner Ufer ab, sammle Müll ein und schaue nach Verunreinigungen, toten Tieren und anderen Auffälligkeiten.“ Wieso er seine Freizeit dafür opfert? Da muss Schlüpner nicht lange überlegen. „Meine Eltern haben mir umweltbewusstes Denken beigebracht, ich möchte das nun an meinen Sohn weitergeben und ihm ein Vorbild sein.“ Zudem liebe er seine Heimat so sehr, dass er gern seinen Beitrag leiste, um sie zu erhalten und schöner zu machen. Klar, dass Schlüpner auch beim Wupperputz mit dabei ist.

Auch Aktive der DLRG helfen mit, die Wupper und deren Ufer von Müll zu befreien. Ohne Ehrenamt würde vieles nicht funktionieren, ist Sprecher André Köther überzeugt. Im Hinblick auf Umweltschutz, aber auch in vielen anderen Bereichen. „Wir von der DLRG leisten beispielsweise einen Großteil der Schwimmausbildung in Deutschland ehrenamtlich“, erklärt Köther. „Wenn man sich mal ansieht, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen können, wird schnell deutlich, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Es werde aber immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich in Vereinen engagieren möchten, beobachtet André Köther. Mit Ganztagsschule und Stress im Job bleibe oft schlicht keine Zeit mehr. Zudem würden sich immer weniger Leute langfristig verpflichten wollen.

Um Kindern schon möglichst früh die Wichtigkeit von Ehrenamt nahe zu bringen, beteiligt sich auch die Herder-Schule am Wupperputz. „Wir möchten in der Schule natürlich auch Werte vermitteln“, erklärt Britta Norpoth. Dazu zähle ein umweltbewusstes Denken sowie soziale Verantwortung. Einmal im Jahr absolvieren die Kinder der privaten Schule einen Sozialtag, engagieren sich einen Tag lang in einem Unternehmen oder an anderer Stelle und spenden ihren Lohn.

Auch in den Stadtteilen sammeln Ehrenamtliche am Samstag Müll, in Cronenberg sind beispielsweise die Aktiven des Küllenhahner Bürgervereins unterwegs. „Wir setzen uns gern ein, um unseren Stadtteil zu verschönern und mit Leben zu füllen“, erklärt Michael Ludwig. Und das nicht nur beim Frühjahrsputz, sondern das ganze Jahr über. „Die Stadt kann nicht alles allein leisten, da packen wir gern mit an.“

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