Staatsanwaltschaft ermittelt nach Schwebebahn-Unfall

Absturz einer Stromschiene : Staatsanwaltschaft ermittelt nach Schwebebahn-Unfall

Nach dem Absturz einer 350 Meter langen Stromschiene vom Schwebebahngerüst besteht der Verdacht einer fahrlässigen Gefährdung des Bahnverkehrs. Die Wuppertaler Schwebebahn fällt wohl für Wochen aus.

350 Meter lang ist die Stromschiene, die am Sonntag vom Schwebebahngerüst auf ein wartendes Auto gefallen ist und damit die Schwebebahn bis auf Weiteres stillgelegt hat. Damit ist die Schiene mehr als doppelt so lang wie zunächst geschätzt. Bei den Stadtwerken wird jetzt untersucht, was dazu geführt hat: „Die ganze Mannschaft ist auf der Suche nach der Ursache“, sagt Holger Stephan, Sprecher der Stadtwerke (WSW). Auch die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen – wegen des Anfangsverdachts einer fahrlässigen Gefährdung des Bahnverkehrs.

Gegen 12.30 Uhr am Sonntag hatte ein Schwebebahnfahrer an die Leitstelle eine lockere Stromschiene gemeldet. Daraufhin wurden alle weiteren Fahrten gestoppt, die darunter liegende Straße wurde jedoch nicht gesperrt. Gerüstbauer rückten zur Haltestelle Zoo aus, doch sie kamen zu spät: Das mehrere Zentimeter dicke und tonnenschwere Kabel war schon herabgestürzt – in die Wupper und quer über die Brücke Siegfriedstraße von der B7 zum Zooviertel. Ein Autofahrer (34) hatte großes Glück: Sein Cabrio stand an der roten Ampel direkt unter der Schwebebahn. Das Kabel knallte auf das Heck, die nur mit einem Stoffdach geschlossene Fahrerkabine und damit der Fahrer blieben unversehrt. Wolf-Tilman Baumert von der Wuppertaler Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Es waren Zentimeter, die eine Tragödie verhindert haben.

Einen ähnlichen Unfall gab es schon vor fünf Jahren

Das Stromkabel verläuft unterhalb der Schiene, ist mit Isolatoren am Gerüst befestigt. Die Schwebebahnwagen haben Stromabnehmer auf dem Dach, die mit Federn von unten gegen die Kabel gedrückt werden und so den Strom abzapfen. Das Kabel besteht auf der Strecke aus mehreren Abschnitten. Die beschädigten Stücke müssen erneuert werden. Über die Ursache könne man noch nichts sagen, sagt Stadtwerke-Sprecher Stephan. Eine Verbindung zu den neuen Wagen sieht er nicht: „Wir fahren nicht mit mehr Bahnen und wir fahren nicht schneller.“ Auch zu Regressansprüchen könne man noch nichts sagen. Wie lange die Ursachensuche dauert, sei nicht abzusehen, von „mehreren Wochen“ ist die Rede. In dieser Zeit fahren Ersatzbusse.

Einen ähnlichen Unfall mit einem Stromkabel hatte es am 17. Oktober 2013 gegeben – unglücklicherweise genau auf einem Streckenabschnitt, der direkt über die B7 führt. Damals wurden mehrere Autos beschädigt und mehrere Menschen verletzt. 76 Passagiere saßen in zwölf Metern Höhe in einem Waggon der Schwebebahn fest. In diesem Fall war ein Stromabnehmer schuld an dem Kabelabriss. Er war nach der routinemäßigen Hauptuntersuchung nicht richtig justiert worden. Und als es zu Schwierigkeiten mit dem Kabel kam, hatte er sich nicht wie vorgesehen gelöst, sondern das Kabel abgerissen. „Seitdem haben die Stromabnehmer eine Sollbruchstelle“, betont Holger Stephan. Seinerzeit war das wichtigste Verkehrsmittel Wuppertals und Wahrzeichen des Bergischen Landes sechs Wochen lang nicht gefahren.

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