St. Antonius in Wuppertal: Der Klang war muffig und dumpf

Kirche : St. Antonius: „Der Klang war ganz muffig und dumpf“

Zweimal im Jahr kommt ein Experte, um die 3500 Pfeifen der Orgel in der Barmer Kirche zu reinigen.

3500 Orgelpfeifen hat die Orgel der Katholischen Kirche St. Antonius in Barmen, die 1973 von der Bonner Firma Klais gebaut wurde. Und die alle werden derzeit gereinigt. „Die Orgel war extrem verrußt“, erklärt Orgelbaumeister Christoph Kleemann. Der Experte der Firma Klais kommt zweimal im Jahr nach Wuppertal, um die Zungenpfeifen vor den Hochfesten zu stimmen. Denn diese ändern ihre Tonhöhe je nach Außentemperatur, werden also im Sommer höher und im Winter tiefer. Durch Heraufziehen oder Herunterschlagen der Zungen kann der Orgel-Intonateur die einzelnen Pfeiffen wieder aufeinander abstimmen, damit die Akkorde rein erklingen.

Erst 2002 war die
Orgel gereinigt worden

Bei dieser Tätigkeit war Kleemann aufgefallen, dass das Instrument nicht mehr den gewohnten Glanz hat: „Der Klang war ganz muffig und dumpf.“ Eigentlich war die Orgel erst 2002 gereinigt worden, und in den meisten Kirchen reicht das für rund 30 Jahre; doch die Katholiken von St. Antonius zünden gerne Kerzen an. Rechts und links direkt unter der Orgel befinden sich die Plätze für die Kerzen. „Da brennen stündlich 40 Kerzen auf jeder Seite, im Extremfall bis zu 160 Kerzen“, erzählt Christoph Kleemann. „Und wir haben viele Gottesdienste – alleine sieben Sonntagsmessen“, fügt Kantor Stefan Starnberger hinzu. Dabei wollen viele Menschen mit Kerzen an ihre verstorbenen Angehörigen erinnern oder eine Kerze als Dank oder zur Unterstützung einer Bitte anzünden.

Rund 80 000 Euro kostet die Reinigung der Orgel, die gemeinsam vom Erzbistum, Zuschüssen und der Gemeinde St. Antonius getragen wird. Jede einzelne der 3500 Orgelpfeifen muss Christoph Kleemann gemeinsam mit seinem Azubi ausbauen, mit einem Spezialgerät aussaugen, abwischen und anschließend wieder einbauen. Manchmal muss er dann auch noch nachjustieren, falls die Pfeife nicht ganz gerade steht. Nach der Reinigung probiert er erst einmal durch Anblasen mit dem Mund – ähnlich wie bei einer Blockflöte – ob sie nun gut klingt. „Jetzt sprechen wieder alle Pfeifen locker an“, freut sich der Orgelbaumeister.

Verbindung zwischen Orgel und Windlade hat gewackelt

Diese Woche kümmert er sich um die Traktur, also die Verbindung zwischen den Tasten der Orgel und der Windlade. „Die hat ein bisschen gewackelt“, war dem Kantor aufgefallen. Kleemann hat sie ausgebaut und reinigt und überarbeitet sie nun in seiner Werkstatt in Bonn. Deshalb muss diese Woche im Gottesdienst der Ibach-Flügel die Kirchenlieder begleiten. Ansonsten hat der Orgelbauer immer darauf geachtet, dass zumindest ein Teil der Register für die Gottesdienste zur Verfügung stand. Der Organist musste dann jeweils zu Beginn erst einmal ausprobieren, welche Töne er heute spielen darf.

Denn diese drittgrößte Orgel in Wuppertal – nach der Stadthalle und der Immanuelskirche – hat neben dem Hauptwerk und dem Pedalwerk noch ein Schwellwerk und ein Rückpositiv. Spätestens bis zum zweiten Advent, so verspricht Christoph Kleemann, sollen wieder alle Register in St. Antonius erklingen – wahrscheinlich sogar noch früher. Und dann wartet mit den Feiertagen wieder ein volles Programm auf die Orgel.

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