Spurensuche in den Barmer Anlagen

Spurensuche in den Barmer Anlagen

Der Barmer Verschönerungsverein lädt zur historischen Exkursion. Volker Staab nimmt Besucher immer wieder mit auf Entdeckungstour.

Barmen. Wenn Volker Staab mit seinem Hund in den Barmer Anlagen spazieren geht, dann stößt er immer wieder auf Relikte aus der Historie der Stadt. „Nach starken Regengüssen sind die Wege hier an einigen Stellen 10 bis 20 Zentimeter tief ausgeschwemmt“, erzählt der 52-Jährige, der beim Barmer Verschönerungsverein Mitglied des Arbeitskreises „Toelleturm“ ist. Auf den Wegen findet er dann unter anderem verbogene Löffel und Gabeln aus Aluminium, verrostete Schrauben oder Ziegelsteine von alten Häusern.

Grund für die ungewöhnlichen Funde ist die Tatsache, dass auf den Wegen in den Barmer Anlagen während des Zweiten Weltkriegs der Schutt von zerbombten und ausgebrannten Häusern ausgebracht wurde. „Man erkennt das an dem dunklen Boden - weil die Häuser verbrannt waren, ist der Boden hier so dunkel“, sagt Staab und zeigt auf eine Stelle auf dem Höhenweg nahe dem Toelleturm. Eine ganze Kiste mit Relikten vornehmlich aus dieser Zeit hat Staab mittlerweile gesammelt, die er in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren in dem ehemaligen Bauschutt entdeckt hat.

Die Fundstücke sind so umfangreich und interessant, dass er sie jetzt auch in den Mittelpunkt einer Führung stellt. Auf der in diesem Monat erstmals angebotenen Exkursion präsentiert Staab den Teilnehmern seine Fundstücke und erzählt kurze Anekdoten dazu. Zudem zeigt er ihnen Bodendenkmäler aus geschichtlichen Epochen, die noch etwas weiter zurückliegen als der Zweite Weltkrieg.

Vom Toelleturm aus macht er sich auf die gut eineinhalbstündige Führung - in seiner Kiste führt er die Fundstücke mit, die er an verschiedenen Stationen entlang des Weges präsentiert. Überdies hat er eine Folien-Sammlung und historische Dokumente dabei, mit denen er vor allem die Bodendenkmäler den Mitwanderern vorstellt. Eine Station führt zu einem Teilstück der mittelalterlichen Landwehrlinie Hatzfeld-Beyenburg, ein Erdwall, der einmal die Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg gebildet hatte.

Hier stand früher eine Hecke aus Weiß- und Rotdorn sowie Buchenhecken. „Man vermutet, dass das als Verteidigungsbollwerk gedient hatte“, sagt er. Das Bollwerk gehe auf die Zeit von Karl dem Großen - etwa um 800 nach Christus - zurück und sei bis zu der Zeit Napoleons und der französischen Expansion nach Deutschland - um 1800 - weitgehend erhalten geblieben.

Heutzutage ist die etwa 3,50 Meter breite und einen halben Meter hohe Landwehr nur noch von Fachleuten zu erkennen, ihr Entstehungsdatum liegt im Dunkeln. „Wann die Landwehr errichtet wurde, kann heute nicht mehr datiert werden“, sagt Staab. Bei der Bergischen Landwehr handelt es sich vermutlich um eines der längsten Bollwerke dieser Art - sie reichte von Duisburg im Norden bis zur Sieg im Süden. Seit 1990 ist das Teilstück in den Barmer Anlagen als Bodendenkmal der Stadt Wuppertal registriert.

Nicht weit von der Landwehrlinie - nahe der Lönsstraße - finden sich zwei Hohlwege, auf denen Anfang des 19. Jahrhunderts Kohletransporte nach Ronsdorf, Remscheid und Solingen unterwegs waren. „Die wurden mit Pferden transportiert“, so Staab. Die Kohle stammte aus dem damaligen Revier in Sprockhövel und wurde für die Industriebetriebe in den Nachbarstädten benötigt. Laut einem Dokument von 1826 wurden an einem Wintertag 10 000 Scheffel Kohlen befördert - ein Scheffel waren 50 bis 75 Kilogramm.

Etwa zehn Führungen bietet der 52-Jährige über den Barmer Verschönerungsverein pro Jahr an. Die Saison geht von Ostern bis Oktober. Derzeit sucht der Verein „Türmer“, die sonn- und feiertags am Toelleturm ehrenamtlich Dienst tun. Von 11 bis 17 Uhr ist der Turm geöffnet: Der Besuch ist gratis, um eine Spende wird gebeten.

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