Springmann-Prozess: Enkel spricht von glücklicher Kindheit in Ronsdorf

Springmann-Prozess: Enkel spricht von glücklicher Kindheit in Ronsdorf

Am 27. Tag im Springmannprozess sagte erstmals der Enkel aus. Dann nahm die Verteidigung die Ermittlungsleiterin in die Zange.

Viele Fragen stellten die Verteidiger am Montag, dem 27. Verhandlungstag, im Prozess um die Springmannmorde an die Leiterin der Ermittlungen. Es ging ihnen vor allem darum, wie es zu dem Verdacht gegen den Enkel (26) der Opfer und seinen Geschäftspartner (45) kam und ob auch andere Verdächtige ausreichend überprüft wurden. Weil die Beamtin mehrfach sagte, Details könne sie ohne neue Einarbeitung in die Akten nicht erklären, blieben die Anwälte unzufrieden zurück.

Zuvor hatte der angeklagte Enkel zum ersten Mal im Prozess selbst gesprochen. Auf mehreren Din A4-Seiten hatte er handschriftlich eine Zusammenfassung seines bisherigen Lebens vorbereitet. Das Verlesen musste er mehrere Male unterbrechen, weil ihm die Tränen kamen. Er berichtete, dass ihm seine Großeltern — das ermordete Unternehmerpaar Christa und Enno Springmann — sehr wichtig waren.

Bei ihnen habe er viel Zeit verbracht, zum Beispiel als in seiner Grundschulzeit seine Eltern ein Restaurant führten und er nachmittags zu den Großeltern ging. Die Großmutter habe streng über seine Hausaufgaben gewacht, der Großvater ihm Schwimmen im eigenen Schwimmbad beigebracht. Der Großvater sei später sein Vertrauter gewesen: Mit ihm habe er über seine erste Liebe gesprochen. „Ich hatte wirklich eine glückliche Kindheit in diesem Haus.“

Zwei Mal sei er nicht versetzt worden, worüber seine Großeltern zwar enttäuscht waren, ihn aber auch motivierten, weiterzumachen. Das Studienfach Maschinenbau habe er gewählt, weil sein Vater ihm davon vorgeschwärmt habe. Aber schnell habe er gemerkt, dass es ihm nicht liegt. Der Versuch, sich stattdessen für Fahrzeugtechnik in Esslingen einzuschreiben, sei gescheitert. Seine Interessen lägen auch eher im Geschäftlichen. Sein Großvater habe ihm wachsende Aufgaben bei der Verwaltung der Familien-Immobilien übergeben.

Zu den Tatvorwürfen äußerte sich der Enkel noch nicht, das soll erst an einem oder mehreren weiteren Prozesstagen geschehen. Wie schnell, darüber gab es einen Disput zwischen Gericht und Verteidigung. Der Vorsitzende Richter erklärte, sie hätten nicht mehr viel Programm, daher sollte die Aussage zügig kommen. Die Verteidigung erklärte, dass diese Zeit brauche.

Als Zeugin war auch die Kommissarin geladen, die die Mordkommission leitete. Die Anwälte beider Angeklagten fragten, wie sich die Verdachtsmomente jeweils entwickelten. Sie sagte, sie hätten den Geschäftspartner des Enkels nach Entdeckung seiner DNA auf dem Kissen in Enno Springmanns Zimmer als Beschuldigter betrachtet.

Der Enkel galt bereits wenige Tage nach Auffinden der Toten als Beschuldigter. Mehrere Verdachtsmomente hätten dazu geführt, so die Zeugin: seine Anwesenheit am Tatort am Sonntag, seine Fahrt über die Autobahn ohne Ziel, das mögliche Motiv sowie die Mail, nach der Enno Springmann vorhatte, an dem Sonntag den Konflikt über die fällige Schenkungssteuer zu klären.

Die Verteidiger hakten nach, ob dieser Verdacht und der gegen andere Verdächtige ausreichend gegeneinander abgewogen wurden. Die Zeugin versicherte, auch andere Verdächtige, darunter der Sohn des Unternehmerpaars, seien immer wieder überprüft worden: „Es reichte nie für einen Anfangsverdacht.“

Warum Enno Springmann als Hauptopfer gelte, fragten die Verteidiger, warum das Auto des Enkels erst vier Wochen nach der Tat untersucht wurde, ob die DNA des 45-Jährigen auch gelegt worden sein könnte und ob andere Personen mit dem Mord beauftragt worden sein könnten — immerhin seien am Schal, mit dem Christa Springmann erdrosselt wurde, und am Kissen im Zimmer Enno Springmanns DNA-Spuren gefunden worden, die niemandem zugeordnet werden können. „Wir wollten einseitige Ermittlungen beweisen“, erklärte Verteidiger Klaus Bernsmann.

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