Spielabsage: Polizei rechnet mit bis zu 300 gewaltbereiten Fans

Spielabsage: Polizei rechnet mit bis zu 300 gewaltbereiten Fans

Die Polizei rechnet mit 300 gewaltbereiten Fans.

Wuppertal. Am frühen Mittwochabend stand es fest: Das Auswärtsspiel des Wuppertaler SV gegen Germania Ratingen wird verlegt. Damit beginnt die Meisterschaft für die Oberliga-Elf des WSV erst am Sonntag, 4. August, gegen den FC Kray im Stadion am Zoo. Dort hat man Erfahrung mit größerem Zuschauerandrang. Die Ratinger dagegen kapitulierten vor den erwarteten Fanmassen aus Wuppertal und den Sicherheitsauflagen der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ (ZIS) der Polizei.

Wie berichtet, geht die Polizei davon aus, dass mindestens 1000 Zuschauer den WSV bei seinem ersten Meisterschaftsspiel nach der Ära Friedhelm Runge unterstützen wollten. Der Haken: Die ZIS schätzt, dass bis zu 300 gewaltbereite Problemfans den WSV begleiten könnten. Sicherheitsstufe 4 wurde daher für das Spiel ausgerufen. Das bedeutet unter anderem Kontrollen am Einlass, getrennte Fanblocks und -eingänge.

Schon an diesem Montag war damit die Austragung des Spiels im Ratinger Stadion vom Tisch. Laut Ratingen-Vorstand Jens Stieghorst wünschte die Polizei die Verlegung des Spiels in die Christopeit-Arena in Velbert. Dort gab es am Mittwoch ein mehrstündiges Gespräch mit dem WSV, der SSVg Velbert, Germania Ratingen und der Polizei. Ergebnis: 70 Ordner hätte die Germania für den Kick organisieren müssen. Rund um das Stadion hätten Parkverbotszonen eingerichtet werden müssen — bis am Donnerstag, 14 Uhr.

Für die Ratinger war das nicht zu stemmen: „Selbst die regionalliga-erfahrenen Vertreter der SSVg Velbert benötigen für die Vorbereitung eines solchen Spiels im Regelfall zwei Wochen“, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Germania-Vorstandes.

Ist ein Teil der WSV-Fans zu gefährlich für Fünftliga-Fußball? „Von Seiten der Polizei wurde mehrfach betont, dass dieses Spiel quasi der Test für das Wuppertaler Fanverhalten bei Auswärtsspielen in der Oberliga sei“, sagt Germania-Vorstand Jens Stieghorst. Prompt ging der zuständige Fußballverband Niederrhein am Donnerstag auf Konfrontationskurs zu den Ordnungshütern: „Wir möchten wissen, was die ZIS zu tun gedenkt, damit die Spiele gegen den WSV in Zukunft ohne solche Auflagen über die Bühne gehen können“, heißt es in einer Erklärung. Der Verband fürchtet, dass viele „kleine“ Vereine ihr Heimrecht abtreten werden. Man selbst habe keine Handhabe gegen „dieses Rowdytum einiger weniger Fans“, heißt es in der Erklärung. Und: „Hier ist klar die Polizei gefragt.“

Beim WSV war am Donnerstag die Enttäuschung über die Absage groß: „Wir haben bis zum Schluss jede Hilfe angeboten“, sagt Aufsichtsrat Thomas Richter, der unter anderem ganz pragmatisch versucht hatte, Parkverbotsschilder zu organisieren. Dass andere Vereine Angst vor einem Gastspiel des WSV haben, kann er nicht bestätigen: „Ich habe von unserem nächsten Auswärtsgegner SV Hönnepel-Niedermörmter gehört, dass man sich auf uns freut.“ Ähnliche Rückmeldungen habe es auch aus Hilden gegeben.

Richter zur WZ: „Wir wollen Fußballfeste erleben und müssen auch mal eine Niederlage betrauern — friedlich. Das ist mit unseren Fans möglich.“ Wegen der Sicherheitsfragen bei künftigen Auswärtsspielen sei man im Dialog mit den betroffenen Oberliga-Vereinen und der Polizei.

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