Spendet China ein Engels-Denkmal für Wuppertal?

Spendet China ein Engels-Denkmal für Wuppertal?

Der chinesische Staat will Wuppertal ein Denkmal von Friedrich Engels schenken — als Symbol der immer engeren Beziehungen.

Wuppertal. Alles begann mit einem Geburtstagsbesuch: Am 28. November 2010 wäre der Sozialist Friedrich Engels 190 Jahre alt geworden. Ohne großes Protokoll nahm ein hochrangiger Staatsgast diesen Tag zum Anlass, Engels’ Geburtsstadt Barmen zu besuchen: Ma Kai, Generalsekretär des Staatsrats der Volksrepublik China.

Mit kleinem Gefolge ließ sich der Politiker von Eberhard Illner, dem Leiter des Historischen Zentrums der Stadt Wuppertal, das Engelshaus zeigen, in dem der Weggefährte von Karl Marx im frühen 19. Jahrhundert aufwuchs.

Was Ma Kai dort erläutert bekam, beeindruckte ihn offenbar. Denn kurz nach dem Besuch offerierte er der Stadt Wuppertal mittels der chinesischen Botschaft in Bonn nicht nur umfangreiche Unterstützung bei touristischen Projekten. Mehr noch: Die Volksrepublik China will der Stadt Wuppertal ein Denkmal von Friedrich Engels schenken.

Die Stadtspitze zeigt sich offen für dieses Geschenk. „Das ganze ist hochinteressant für Wuppertal“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig (CDU). Zwar stehe das ganze Projekt noch komplett am Anfang.

Doch geplant ist bereits, dass das Denkmal im Umfeld des heutigen Engelshauses in Barmen stehen könnte, und zwar eventuell an der Stelle, wo Engels’ im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Geburtshaus stand. Wie das Denkmal aussehen könnte, ist noch offen. Doch für Slawig steht fest: „Es wird nichts in Wuppertal aufgestellt, dessen Inhalt und Gestaltung nicht mit den zuständigen Gremien der Stadt abgestimmt ist.“

Im Klartext: Ein ideologisch-verherrlichendes sozialistisches Monument soll es auf keinen Fall geben.

Doch das ist laut Illner auch nicht zu befürchten: Mit Zeng Chenggang, dem Vorsitzenden der chinesischen Skulpturenkommission, stünde auf chinesischer Seite ein hochrangiger Bildhauer bereit, der für eine Umsetzung des Denkmals nach höchsten internationalen Standards sorgen könnte. Auch das Auswärtige Amt hätte nichts gegen das Projekt — dessen hat sich die Stadt Wuppertal bereits versichert.

Entschieden ist über das Denkmal bislang noch nichts. Für die Stadt steht eher der andere Aspekte von Ma Kais Offerte im Vordergrund: Unterstützung in touristischen Fragen.

Als Geburtsstadt von Friedrich Engels ist Wuppertal eine der größten Attraktionen für chinesische Besucher in Deutschland. Doch das Engelshaus und die dazugehörige Ausstellung sind stark überarbeitungsbedürftig — auch in Bezug auf Souvenirverkauf und Marketing. Bei letzterem sind chinesische Beratung und chinesisches Geld der klammen Stadt herzlich willkommen.

Und Wuppertals Unternehmer hätten sowieso nichts gegen mehr Gäste aus Fernost einzuwenden: Sie sehen das Interesse an Engels als Anker für verbesserte Geschäftskontakte mit dem weltgrößten Absatzmarkt.

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