Sorge vor Schaden für Pina Bausch Zentrum

Sorge vor Schaden für Pina Bausch Zentrum

Die Debatte um eine fristlose Kündigung Adolphe Binders hat auch Berlin erreicht.

Durch das Wuppertaler Kulturleben geht ein Erdbeben. Die vergiftete Arbeitsatmosphäre im Tanztheater Pina Bausch, die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Intendantin Adolphe Binder und ihren Führungsstil, die drohende Kündigung nach nur einer Spielzeit, die eigentlich den Aufbruch in die Zukunft bringen sollte, beschäftigten am Donnerstag den zuständigen Beirat, seither die Kulturschaffenden und -interessierten in der Stadt und ganz Deutschland.

So auch in Berlin, ohne dessen finanzielle Unterstützung das Pina Bausch Zentrum nicht an den Start gehen kann. „Ich kann nicht beurteilen, was geschehen ist, die Vorwürfe müssen von den zuständigen Gremien beurteilt und aufgeklärt werden“, erklärte SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien, Helge Lindh, der sich für die vor einer Woche gewährten 2,2 Millionen Euro für Planungsmittel des Zentrums stark gemacht hatte, gegenüber der WZ. Die aktuelle Entwicklung dürfe keinen negativen Einfluss auf die Errichtung des Zentrums in Wuppertal haben. Das Tanztheater brauche eine stabile Führung: „Die Personaldebatte darf nicht auf Kosten des Pina Bausch Zentrums laufen.“

Derweil versuchte Kulturdezernent Matthias Nocke zu beruhigen: „Die Irritationen in Berlin sind weitgehend ausgeräumt. Wir halten sowohl mit dem Tanztheater als auch mit dem Pina Bausch Zentrum Kurs“, sagte er der WZ.

Die FAZ erneuerte ihre Kritik an den Uraufführungen „Seit sie“ und „Neues Stück II“, verknüpfte sie mit der an der fehlenden Planung der Spielzeit 18/19: Wer schlechte Choreographen engagiere, schade der Kunst, wer gar keine engagiere, schade der Institution, für die zu arbeiten eine Intendantin bezahlt werde. Das beides im Wuppertaler Tanztheater, das Pina Bausch mit ganzer Hingabe berühmt gemachte habe, sei ein Skandal.

Im Deutschlandfunk eröffnete Tanzkritikerin Wiebke Hüster indirekt die Diskussion um die Nachfolge Binders, indem sie für die Zukunft vor allem die Bewahrung des Erbes von Pina Bausch und die Wahl einer Führungspersönlichkeit forderte, die deren Theaterrevolution in die Zukunft führen könne und nachhaltig mache.

Nächste Woche tagt erneut der Beirat zur Causa Binder. mws

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