Solinger kritisieren Gerhard Finckh

Solinger kritisieren Gerhard Finckh

Diskussionen in den Nachbarstädtenüber den ersten Workshop der Kulturkooperative.

Remscheid ist arm, Solingen grau und Wuppertal arrogant. Beim ersten Workshop der geplanten Kulturkooperative Bergischer Kulturraum wurden beim Abklopfen der Gemeinsamkeiten erst einmal klischeehaft Unterschiede herausgeschält. Das war jedenfalls der Eindruck einiger Remscheider Politiker. Während im Wuppertaler Kulturausschuss der Workshop nur am Rande vorkam, wurde in den Nachbarstädten ausführlicher diskutiert. Und im Solinger Kulturausschuss gab es scharfe Kritik an Von der Heydt-Direktor Gerhard Finckh..

Foto: Andreas Fischer, Roland Keusch

Die Kooperative geht auf eine Initiative der drei Oberbürgermeister in Wuppertal, Remscheid und Solingen zurück. Sie soll einen gemeinsamen Auftritt der Kulturschaffenden und Kulturorte ermöglichen. Ziele: mehr Besucher, gemeinsame Identität im Bergischen, zentrales Einwerben von Fördermitteln.

Bei der Auftaktveranstaltung im Solinger Klingenmuseum ging es Ende Januar um „Geschichte und Museen“. 30 Protagonisten aus Museen, Begegnungsstätten und Archiven der drei Metropolen näherten sich unter Moderation des Essener Kulturexperten Oliver Scheytt vorsichtig an.

Im Remscheider Kulturausschuss kritisierte Grünenpolitikerin Beatrice Schlieper: „Ich habe mich selten bei einem Seminar so unwillkommen gefühlt.“ Die Politik sei wohl nur „widerwillig ins Boot geholt worden“, der „Respekt habe gefehlt. Ihrem CDU-Kollegen Ottmar Gebhardt fehlte die „Aufbruchstimmung“.

Und Philipp Wallutat von der FDP fragte sich, wie aus der Stoffsammlung beim Workshop Gemeinsamkeiten definiert werden können. Nur Inge Brenning (SPD) gab sich nach dem Austausch als Einzige optimistisch, dass das Ziel, eine gemeinsame kulturelle Haltung zu finden, erreicht werden kann.

Uwe Busch, Direktor des Röntgen-Museums in Remscheid, sah nach dem Auftakt noch kein „gemeinsames Narrativ für das Bergische Land“. Beatrice Schlieper hatte aus der Diskussion mitgenommen, dass „die Museumsleute nicht viel über die Museen in ihren Nachbarstädten wissen“.

Futterneid zwischen den Museen gebe es zwar nicht, aber Sven Wiertz (SPD), der noch als Kämmerer die Veranstaltung besuchte, räumte ein: „In den Museen liegen wechselseitig keine Broschüren der anderen aus.“ Er nannte aber als positives Beispiel, dass das Wuppertaler Von der Heydt-Museum unbürokratisch geholfen habe, als die Sammlung des Remscheider Malers Johann Peter Hasenclever zwischengelagert werden musste.

Über den Direktor des Von der Heydt-Museums, Gerhard Finckh war im Solinger Kulturausschuss viel Negatives zu hören. Die Politiker warfen ihm zumindest Arroganz vor. Gerhard Finckh hatte erklärt: An der geplanten Kooperative im Bergischen Land werde sein Haus nicht teilnehmen. Sein Museum sei international, nicht regional (die WZ berichtete). So blieb er auch dem Workshop fern.

Vor allem Helga Bisier, Grünen-Sprecherin im Solinger Kulturausschuss, griff ihn scharf an. Seine Haltung sei völlig falsch, dass er glaube, „die kleinen Museen würden dem Von der Heydt-Museum bei einer möglichen Zusammenarbeit schaden“. Es sei der fatale Eindruck entstanden, Wuppertal brauche die anderen nicht. Das wertete der Ausschussvorsitzende Jörg Becker (Linke) als „ungeheuerlich arrogant“. Selbst Kulturdezernentin Dagmar Becker (Grüne) erklärte, sein Verhalten sei „nicht konstruktiv, nicht zielführend“. Es gehe doch erst einmal darum, die gemeinsamen Ziele im Detail zu entwickeln.

Klaus Hartmann von der BfS gab sich doppelt resigniert. Finckh zeige, dass er überhaupt kein Interesse an der Zusammenarbeit — auf welchem Niveau auch immer — habe. Zugleich berichtete er aus dem Workshop, es warte noch viel Arbeit, von echter Kooperation sei nicht die Rede gewesen.

Oliver Scheytt hatte sich nach dem Workshop zuversichtlich geäußert, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Eine erste Ausrichtung der künftigen Arbeit im Städtedreieck soll sich an der gemeinsamen Geschichte der Industriekultur orientieren. Drei weitere Workshops sind in diesem Jahr geplant. Neben „Bühne“ und „kulturelle Bildung“ ist dies „Musik und Festival“, der für den 10. April terminiert ist. Das ursprünglich für den Sommer angekündigte Handlungskonzept im Kulturraum Bergisch Land wird wohl erst später fertig. Oliver Scheytt geht nach dem ersten Treffen davon aus, dass es wohl Herbst 2018 werden wird.

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