Hilfsaktion Solidaritätsverkauf für kranken und insolventen Wuppertaler Künstler

Wuppertal · Mit der Aktion soll Ismail Çoban geholfen werden.

 Ismail Çoban mit einigen seiner Kunstwerke.

Ismail Çoban mit einigen seiner Kunstwerke.

Foto: Ismail Çoban

Er ist ein anerkannter Künstler und gesellschaftspolitisch engagierter Mitbürger, der sich um die Annäherung der Kulturen kümmert. Ismail Çoban, der 1945 in der Türkei geboren wurde, 1969 nach Deutschland kam, seit 1987 in Cronenberg lebt. Nun steht er vor dem finanziellen Ruin. Sein Freund Hakki Sönmez organisiert deshalb einen Solidaritätsverkauf seiner Kunst. Am 29. und 30. Juni in der Werkstatt, die er selbst erbaut hat und die ihm nun nicht mehr gehört.

Als Çoban 1969 im oberfränkischen Selb ein Praktikum als Siebdrucker aufnahm, hatte er bereits eine berufliche Karriere hinter sich. Die führte ihn über eine Schneiderlehre in Istanbul sowie einer Ausbildung zum Volksschullehrer ins Studium der angewandten Werkkunst. Der 24-Jährige verließ sein Heimatland, weil er an der 68er Protestbewegung in der Türkei als Fotograf und Journalist aktiv beteiligt war. 1969 kam er nach Wuppertal, um dort sein Studium an der Werkkunstschule fortzusetzen. Arbeitete nach dem Studium in einer Maschinenfabrik in Sonnborn, um leben zu können. 1971 bereits legte er das Examen ab, begann als freischaffender Bildhauer, Maler und Grafiker zu arbeiten. Seine erste Ausstellung kam 1973.

In seiner Kunst erzählt Çoban Mythen und Geschichten der Türkei, beschäftigt sich mit den Themen Begegnung und Verständigung. Eine Reihe von aneinandergedrängten Köpfen, Gesichtern, eng beieinander stehende Personen, Arme, die sich um andere legen. Leicht vergrößerte und damit betonte Hände mit langen Fingern tauchen immer wieder auf. In Bildern wie Skulpturen. Seine oft großformatigen Gemälde malt er mit kräftigen Farben. Hinzu kommen Radierungen, die seit den 70er Jahren entstanden sind. Er fertigt kleine Studien in hellen zarten Farben, die berühren, Schrift und Farbe, in der Gesichter schemenhaft zu erkennen sind. Begegnung und Verständigung sind Themen in Kunst und Leben. 2006 gründete er die Ismail Çoban-Stiftung, die sich um den Austausch und die Verständigung von Menschen verschiedener Herkunft kümmert und insbesondere junge Künstler fördert.

Einige Tausend Kunstwerke warten auf Interessenten

Der deutsch-türkische Künstler bestritt viele Ausstellungen, die ihn und seine Kunst bis nach Zürich brachten. In Cronenberg ließ er sich nieder, baute nach eigenen Entwürfen auf zwei Grundstücken ein Einfamilienhaus sowie Ausstellungs- und Ateliergebäude. Ein Anwesen, in das er 2,7 Millionen DM investierte, sich verschuldete, erzählt sein Freund Hakki Sönmez, der Çoban Ende der 1970er Jahre im türkisch-deutschen Club der VHS kennengelernt hatte. Ein Anwesen, das Ende April zwangsversteigert und für 370 000 Euro verkauft wurde. In der Pandemie hatte Ismail Çoban nicht mehr genug Kunst verkaufen können, war überdies schwer krank geworden. Ist dies bis heute. Die Einnahmen reichten nicht zur Bedienung der Kredite, die Unterstützung eines Landsmanns war nicht von Dauer. Die Gläubiger forderten ihr Geld. Der erzielte Erlös reicht gerade einmal, um schuldenfrei zu sein. In zwei Monaten müssen er und seine Frau das Haus verlassen haben, die drei erwachsenen Kinder sind schon früher ausgezogen. Sönmez will helfen, sucht nach einer Wohnung, die angemietet werden kann, nach Lagerräumen – und packt an beim Leeren des Hauses, beim Verkauf der Kunst.

Einige Tausend Kunstwerke warten auf Interessenten. Die Suche nach einer Ausstellungsmöglichkeit war bislang nicht von Erfolg gekrönt. Die Versteigerung Ende Juni (jeweils ab 10 Uhr, Taunusweg 9) soll helfen. Gesund macht sie Ismail Çoban nicht.