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So wird das Thema Politik an Wuppertaler Schulen behandelt

Kommunalwahl : „Es ist manchmal eine Mammutaufgabe“

Lehrer Silvio Geßner über das Thema Kommunalpolitik an Schulen.

In NRW haben wir Schüler, die ab 16 Jahren wählen dürfen. Wir haben an den Schulen auch ein neues Fach „Wirken von Politik“. Trotzdem wissen die jungen Menschen nicht so richtig, wen sie wählen sollen und wie das alles funktioniert. Warum ist das so und was kann man unternehmen, um die jungen Wähler besser vorzubereiten?

Silvio Geßner, Lehrer an der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule: Das Fach ist zum neuen Schuljahr an den Gesamtschulen implementiert worden, aber eigentlich ist es nicht neu. Es gibt es schon lange unter dem Namen Sozialwissenschaften oder Gesellschaftslehre. Da wird Politik unterrichtet und Erdkunde und auch Wirtschaft. Der Lehrplan gibt uns vor, was wir unterrichten müssen. Natürlich versuchen wir, auf die aktuellen Dinge einzugehen. Gerade jetzt auf die Kommunalpolitik. Wir hatten eine Gesprächsrunde zwischen den OB-Kandidaten und den Schülern. Es ist wichtig, dass wir über den Lehrplan hinwegschauen. Das dürfen und sollen wir auch, um Politik für die jungen Menschen greifbar zu machen. Die Schule ist dafür verantwortlich, dass sie merken: Politik kann auch Spaß machen.

Wie politisch sind junge Menschen denn heute? Wie offen für politische Informationen?

Geßner: Die jungen Menschen haben wunderbare Ideen, ihre Stadt, ihr soziales Umfeld gestalten zu wollen. Aber sie haben einfach keine Lobby und fühlen sich manchmal allein gelassen. Dadurch fehlt ihnen dann die Motivation, etwas zu tun. Da würde ich mir von der Politik mehr wünschen. Die Politik sollte in die Schulen gehen und die jungen Menschen ansprechen. Es gibt zwar Engagierte, die im Jugendrat sind, aber wir könnten noch mehr davon gebrauchen.

Sie sind Lehrer an der Else Lasker-Schüler-Gesamtschule. Leider ist Ihre Schule in einem desolaten Zustand. Kommen die Schüler auf Sie zu, um Ihnen Missstände mitzuteilen? Gibt es ein Bewusstsein bei den Schülern, dass sie wissen, da ist jemand zuständig für unsere Belange?

Geßner: Die kommen zu uns. Wir haben eine Demonstration durchgeführt – und das war nicht die Idee der Lehrer. Das war die Idee der Schülervertretung, eine Demonstration für eine komplette Sanierung unserer Schule, und diesen Vorschlag haben wir aufgegriffen und gemeinsam mit den Schülern geplant. Die Schüler wollen unbedingt. Die sehen die Missstände zum Beispiel auf den Toiletten und in den veralteten Räumen. Die Schüler möchten unbedingt etwas verändern. Die Frage ist jedoch, inwieweit wir voran kommen. Jetzt merken die Schüler, dass sie zwar demonstriert haben, aber so richtig weiter gekommen sind wir immer noch nicht. Das erzeugt Verdrossenheit auch der Politik gegenüber.

Wie viele Lehrer an Ihrer Schule sind politisch aktiv und tragen diese Informationen in das Schulleben hinein?

Geßner: Wir sind weit über 130 Kollegen und ich kann nicht sagen, wer inwieweit politisch aktiv ist. Aber gerade im Fach Sozialwissenschaften möchten die Lehrer und Lehrerinnen Politik greifbar gestalten. Wir müssen allerdings aufpassen und dürfen nicht werben, aber das wollen wir auch gar nicht. Jeder soll seine eigene Meinung haben. Wir haben ein starkes Kollegium. Sie wollen die jungen Menschen ermutigen, wählen zu gehen. Es ist manchmal eine Mammutaufgabe, aber wir versuchen es.

(Das Gespräch führte Lothar Leuschen)