Kultur „Eine großartige Idee“: So war der WZ-Leser-Tag im Von der Heydt-Museum Wuppertal

Wuppertal · Der WZ-Tag zur Picasso/Beckmann-Ausstellung im Von der Heydt-Museum lockt 300 Besucherinnen und Besucher an.

Auch Gabriele und Manfred Markus aus Wuppertal nutzten die Gelegenheit zu einem Ausstellungsbesuch.

Auch Gabriele und Manfred Markus aus Wuppertal nutzten die Gelegenheit zu einem Ausstellungsbesuch.

Foto: JA/Andreas Fischer

Die Weihnachtsvorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen, der deprimierende Dauerregen laden nicht gerade zu einem Spaziergang ein, da bietet der WZ-Tag im Von der Heydt-Museum eine angenehme, dazu kostenfreie Abwechslung. Und es waren am Samstag schon morgens um 10 Uhr viele Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, die noch die Gelegenheit wahrnehmen wollten, sich „Mensch-Mythos-Welt“, die Ausstellung der beiden Zeitgenossen Pablo Picasso (1881-1973) und Max Beckmann (1884-1950) vor deren Ende am 7. Januar 2024 anzusehen.

Nur selten betraten die Kunstsinnigen am vergangenen Samstag mit ihrem Museumsbesuch staunend Neuland, während für die meisten in den elf Räumen im zweiten Obergeschoss die Einladung der WZ eine willkommene Gelegenheit war, sich mal wieder von den Werken der Künstler inspirieren und den grauen Alltag vergessen zu lassen. So wie das Solinger Ehepaar Dagmar und Ulrich Lang, die eigens für die Ausstellung nach Wuppertal gefahren waren und sich vor allem von den unterschiedlichen Weltbildern Picassos und Beckmanns beeindruckt zeigten.

Beide „Giganten der Kunst“, wie sie in der ausliegenden Sonderveröffentlichung der WZ genannt wurden, hatten zwar beide Weltkriege miterlebt, galten auch als glühende Antifaschisten, doch gerade das Elend, das der Erste Weltkrieg heraufbeschworen hatte, schlug sich nur in Beckmanns Werken nieder. Dementsprechend waren auch die Reaktionen des Publikums. „Beckmann zieht einen runter“, so Ingrid Fach, die nach eigenen Angaben keine der Veranstaltungen des Von der Heydt-Museums versäumt. „Beide Künstler gegenüber zu stellen, war eine großartige Idee“, lobte sie die stellvertretende Museumsdirektorin Antja Birthälmer, die sich mit dieser Ausstellung verabschiedet hat.

„Entweder gefällt einem ein Bild oder eben nicht“, sagte Franka Dott, die ihre Mutter Ursula Jungbluth ins Museum begleitet hatte, und fügte hinzu: „Das hier ist nicht unbedingt mein Geschmack.“ Dennoch war es für sie eine faustdicke Überraschung, dass Picasso, den sie bisher nur mit Abstraktem in Verbindung gebracht hat, auch großartige Bilder aus der Realität geschaffen hat, so wie das lebensfrohe „Familie mit Meeresufer“ oder den „Mann mit Pelerine“. Ein krasser Gegensatz zu „Gitarre, Flasche, Obstschale“, die nur dank Picassos Titel identifiziert werden können.

Den Altersdurchschnitt in den Sälen senkten Charlotte (19) und Josefa Zinke (15). „Unsere Mutter nimmt uns regelmäßig mit ins Museum“, berichteten die beiden jungen Damen, und bei Charlotte, die Anthropologie und Kultur studiert, haben die Besuche ins Reich der schönen Künste Spuren hinterlassen. Sie standen vor Beckmanns „Ringerpaar“, das mit einer Markierung auf dem Boden vor hautnahem Kontakt geschützt war. „Das wurde auf Wunsch des Verleihers, des Museums Sprengel in Hannover, angebracht“, erfuhren wir von der Saalaufsicht.

Helga Krabs weiß die Leistungen des Von der Heydt-Museums zu schätzen, gehört aber nicht zu den regelmäßigen Besucherinnen. „Aber Highlights wie beispielsweise die Monet-Ausstellung lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Und heute habe ich mich über das WZ-Angebot zum Museumstag gefreut.“ Ähnlich sahen es auch Gabriele und Manfred Markus, die sich an Monets Farben-Festival begeistert hatten, was übrigens schon rund 14 Jahre her ist. Ihnen gefällt vor allem die Gegenüberstellung der Werke von Beckmann und Picasso, die sich, so ist überliefert, nie gesehen haben.

Cornelia Weitzel und ihr Begleiter gehören zu den bekennenden Kunstliebhabern und sind in den Museen in Essen, Dortmund, Düsseldorf und hier in Wuppertal oft gesehene Gäste. Sie haben ein besonderes Augenmerk auf Max Beckmann und seine nichts beschönigenden Werke zu Armut, Hunger und Kriegsfolgen geworfen. „Dass so etwas den Nazis nicht passte und sie derartige Bilder als ,Entartete Kunst‘ diffamiert haben, sagt genug über deren Kunstverständnis“, erklärten sie.

Gerade dieser Zyklus Beckmanns ist für den regelmäßigen Museumsbesucher Jochen Zoerner-Erb schon aus früheren Ausstellungen „vertraut und bekannt“. Der in Wuppertal namhafte Kunstliebhaber ist mit Burkhard Bücher zum WZ-Museumstag gekommen und zeigt sich erfreut über die günstige Gelegenheit: „Ich hatte leider keine Gelegenheit zur Eröffnung zu kommen und hole das heute nach.“

So ging es vielen: Am Ende des Tages waren es 300 WZ-Leserinnen und Leser, die die Werke der beiden Virtuosen Pablo Picasso und Max Beckmann betrachteten.

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