Start-ups So war der Demo Day des Circular Valley in Wuppertal

Vorwerk-Chef Thomas Stoffmehl sprach auf dem Demo Day des Circular Valley über Nachhaltigkeit.

Andreas Mucke (l., Circular Valley), Thomas Stoffmehl und Carsten Gerhardt (r.) tauschten sich über Nachhaltigkeit aus.

Andreas Mucke (l., Circular Valley), Thomas Stoffmehl und Carsten Gerhardt (r.) tauschten sich über Nachhaltigkeit aus.

Foto: Andreas Fischer

Am Dienstagnachmittag präsentierten sich die Firmen der sechsten Gruppe der Circular Valley-Start-ups beim Demo-Tag in der Historischen Stadthalle. „Wir haben wieder eine ganz breite Palette an Themen bei den Start-up Pitches“, erklärte Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Circular Valley Stiftung, bei der Begrüßung. Dabei wurden die diesjährigen Start-ups in drei Kategorien unterteilt: Alternative Ausgangsstoffe, Orchestrierung der Wertschöpfungskette und chemisches Recycling.

Bevor sich die verschiedenen Start-ups präsentierten, trat Thomas Stoffmehl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vorwerk, auf die Bühne und sprach über das Thema Nachhaltigkeit, aber auch über seine eigenen Erfahrungen im Bereich Start-ups. „Ich habe 1999 mit Kollegen ein Internet-Start-up gegründet“, berichtete Stoffmehl. „Da habe ich meine ersten unternehmerischen Erfahrungen gemacht. Dabei bin ich auch durch alle Höhen und Tiefen gegangen.“ Zu den Erfahrungen, die er in dieser Zeit gemacht habe, zähle auch die Erkenntnis, „wie wichtig die Impulse von Start-ups sind“. Er forderte die Jungunternehmer auf, „den Mut zu haben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen“. Dem Gastgeber sprach Stoffmehl ein Lob aus: „Das Circular Valley setzt sehr wichtige und große Maßstäbe im Bereich Nachhaltigkeit.“

Dann kam er zum Thema Nachhaltigkeit selbst und welche Rolle das Thema bei Vorwerk spielt. Als ein wichtiges Stichwort nannte er Spaß, den man bei dem Thema und bei den entsprechenden Produkten vermitteln müsse. „Meine persönliche Meinung ist, dass wir das Thema Nachhaltigkeit aus dem Lager ‚Alles ist schlecht und man muss etwas machen‘ herausholen müssen.“

Nachhaltigkeit zum Unternehmenswert machen

Er forderte die Start-ups auf, sich zu überlegen, wie sie sich beim Thema Nachhaltigkeit differenzieren und von anderen Unternehmen unterscheiden können. Dabei müssten sich die Jungunternehmer auch die Frage stellen: „Wie kann ich mit dem Thema Nachhaltigkeit Freude in meine Community bringen?“ Wobei mit Community beispielsweise Verkaufsberater, aber auch Kunden gemeint sein können.

„Nachhaltigkeit ist für uns bei Vorwerk von großer Bedeutung“, betonte Stoffmehl. Er nannte als Beispiel die CO2-Neutralität und den Bereich der erneuerbaren Energien. Bei der Nachhaltigkeit habe Vorwerk große Fortschritte gemacht. Das Thema Nachhaltigkeit sei auch Bestandteil der „Strategie 2025“ bei Vorwerk. „Nachhaltigkeit ist darin als Handlungsfeld festgelegt.“ Man wolle zudem das Thema strategisch weiterentwickeln. „Es geht darum, Nachhaltigkeit von der Ebene des Handlungsfeldes auf die Ebene eines Unternehmenswertes zu heben“, so Stoffmehl. Dazu befinde man sich derzeit im Unternehmen in der Diskussion. „Ob es dazu kommt, kann ich noch nicht sagen“, erklärte Stoffmehl. Das entscheide sich in den nächsten zwölf Monaten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den Stoffmehl bei seinen an die Start-ups gerichteten Worte benannte, war der Mensch. Unternehmen würden oft zu viel nur über die Produkte reden und nicht über die Menschen, die die Produkte verkaufen und kaufen sollen. „Es gibt kein Produkt, ohne dass sich Menschen miteinander verbinden.“ Es seien am Ende die Menschen, die erfolgreich werden. Dabei betonte er auch die Bedeutung des Direktvertriebs. „Wenn der Thermomix bei Saturn oder Media Markt in der Abteilung Küchengeräte unter anderen Geräten stünde, glauben Sie, er wäre dann auch so erfolgreich?“, fragte Stoffmehl in die Runde und gab gleich die Antwort. „Nein, weil die Kunden dann nur nach Preis entscheiden würden.“ Beim persönlichen Kontakt im Rahmen des Direktvertriebs spiele der Preis dagegen eine untergeordnete Rolle. Ein möglichst intensiver Kundenkontakt erhöhe die Erfolgsaussichten eines Produktes. „Ich sage immer: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“

Im Anschluss an Stoffmehls Rede stellten sich dann die zwölf verschiedenen Start-ups vor. So präsentierte Paul Münchenberg das Unternehmen Circular Structures, das sich mit alternativen Ausgangsstoffen beschäftigt. Er berichtete davon, wie er als 18-Jähriger segeln war und mit dem Hersteller von Schiffen ins Gespräch kam, der darüber sprach, welcher Müll bei der Herstellung anfalle. So kam es zu der Idee, alternative Biomaterialien wie Naturfasern statt Glasfibern für die Herstellung nicht nur von Schiffen zu nehmen.

Das Start-up Flower Matter beschäftigt sich mit „Blumenschaum“, in das Gestecke eingesteckt werden und das aus Plastik hergestellt wird. Flower Matter will nun Pflanzenmüll nutzen, um aus diesem kompostierbaren Blumenschaum herzustellen. Die Geschäftsidee von Upcyde soll wiederum auf nachhaltige Art und Weise Farmern zugutekommen, indem sie Abfälle aus der Landwirtschaft, für deren Entsorgung Farmer im Normalfall Geld zahlen müssen, recyceln, so die Kosten für die Farmer senken und neue Produkte wie Papierverpackungen und pflanzenbasiertes Leder erschaffen, die dann wiederum zu einer neuen Einkommensquelle für die Farmer werden können.