Schulzeit So viel zahlen Schüler in Wuppertal für ihre Abifeiern

Die WZ hat sich in Wuppertaler Schulen umgehört.

Die Abiturienten Antonia Fritsche und Jonathan Fuest organisieren den Abiball des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums.

Die Abiturienten Antonia Fritsche und Jonathan Fuest organisieren den Abiball des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums.

Foto: Andreas Fischer

Die letzten Klausuren sind geschrieben, die mündliche Prüfung ist absolviert. Das Ende der Schulzeit steht für die Abiturienten Antonia Fritsche und Jonathan Fuest vom Carl-Fuhlrott-Gymnasium, Alea Schöler und Eva Tackenberg von der Gesamtschule Langerfeld sowie Paula Rosenkaymer und Alexander Rebello von der St.-Anna-Schule bevor. Doch ehe sie ihr Studium anfangen oder nach Bali oder Skandinavien reisen, erwartet die jungen Erwachsenen noch ein letzter gemeinsamer Höhepunkt: der Abiball.

Die Feier in der Stadthalle
kostet knapp 39 000 Euro

Abiball für 30 000 Euro in der Stadthalle, über 5000 Euro für die Party im U-Club, 4000 Euro für die Dekoration. Der Abiball des CFG bringt hohe Kosten mit sich. Wie sie das finanzieren? „Wir haben einen Weihnachtsmarkt veranstaltet. Dann hatten wir noch ein Stufenkonzert, das hat am meisten Geld eingespielt“, erzählt Jonathan. Seine Mitschülerin Antonia ergänzt: „Der Eintritt im Club beträgt acht Euro. Wir planen mit 600 Leuten. Beim Abiball kostet der Eintritt 24 Euro.“ Im Ticketpreis für den Abiball ist lediglich der Eintritt enthalten. Wer vor Ort etwas essen oder trinken möchte, bezahlt extra.

30 Schülerinnen und Schüler kümmern sich um die Organisation des Abends. „Natürlich hat das manche Sachen erschwert“, sagt Jonathan rückblickend. „Wir haben deshalb Gruppen, die sich um einzelne Bereiche kümmern.“ Nahezu das Gegenteil war bei der St.-Anna-Schule der Fall: Paula und Alexander organisieren den Abiball mit der Hilfe von drei Mitschülern. „Am Anfang hatten wir verschiedene Komitees, da wurden dann Whatsapp-Gruppen erstellt. Alex und ich haben da reingeschrieben, aber von den anderen kam immer seltener Feedback“, erinnert sich Paula. Aber: „Meistens ist es mit so wenigen auch einfacher.“

Auch die Abiturienten der St.-Anna-Schule feiern in der Stadthalle. Kostenpunkt: 39 000 Euro. Darin enthalten: Saal, Sektempfang, Technik, Security, Essen, Aufbau und die Aftershow-Party im Keller. „Die Karten werden etwas über 40 Euro kosten. Da ist alles mit drin außer Getränke“, erzählt Alexander. Während die Schulleitung des CFG die Stadthalle immer schon Jahre im Voraus für die Feier bucht, mussten sich die Schülerinnen und Schüler von St. Anna selber darum kümmern. „Wir dachten eigentlich, wir wären relativ früh dran im November 2022, aber da waren schon alle guten Termine weg. Wir haben nur noch einen Donnerstag bekommen, und das war sogar der letzte Termin, der überhaupt noch frei war“, berichtet Paula.

Da die beiden zum Zeitpunkt der Buchung der Location noch nicht volljährig waren, musste ein Erwachsener für sie den Vertrag unterschreiben. „Es war schwierig, jemanden zu finden, der das machen wollte“, erinnert sich Paula, „sollten wir das Geld aus irgendeinem Grund nicht zusammenbekommen, dann sitzt die Person auf den Kosten. Zum Glück haben wir es geschafft, dass sich zehn Eltern gemeinsam dafür bereit erklärt haben.“

Neben den Ticketverkäufen für den Abiball finanzieren sie den Abend größtenteils durch Sponsoren. Bei der Akquise haben laut Alexander ein paar Eltern und vor allem eine Mutter fleißig mitgeholfen. Außerdem haben sie im vergangenen Jahr Waffeln und Kekse auf dem Weihnachtsmarkt Lüntenbeck sowie an zwei Wochenenden am Obi am Steinbeck verkauft. Dabei wurden sie von vielen Mitschülern unterstützt. „Da haben wir jeweils über 1000 Euro eingenommen. Das war schon ziemlich stark“, lobt Alexander sich und seine Mitschüler. Paula und er hatten vor der Organisation des Balls nicht viel miteinander zu tun. In der Oberstufe besuchten sie zusammen den Mathe-Leistungskurs. „Der Stoff hat uns bei der Planung nicht geholfen, aber die Zeit, um Dinge zu besprechen schon“, erzählt Paula lachend.

Insgesamt bewerten sie die Organisation vor allem neben den Prüfungen als stressig. Auf die Frage, ob sie die Planung trotzdem wieder übernehmen oder es lieber abgeben würden, antwortet Paula: „Ich würde es wieder machen. Meine Eltern meinten zwischendurch: ‚Paula warum machst du das eigentlich?‘ Aber irgendwie will man es dann ja auch schön haben und so weiß man, dass es gut wird. Durch die Kommunikation mit Erwachsenen und das Vertragliche habe ich auch viel für die Zukunft gelernt.“

Bis zu 900 Euro für
das perfekte Kleid

Dass man den Abend auch deutlich kostengünstiger gestalten kann, zeigt die Gesamtschule Langerfeld. Sie feiern im Forum der Schule, müssen dafür lediglich eine Kaution bezahlen. Um das Catering und die Dekoration kümmern sich Freunde der Stufe, sodass sie einen Freundschaftspreis aushandeln konnten. „Die Eintrittskarten kosten 15 Euro. Das ist dann ein Rundum-Paket mit Essen, Eintritt und Getränken“, erzählt Alea. Sie und Eva haben den Abend auch größtenteils alleine organisiert. „Wir versuchen immer, die Schnäppchen rauszuholen, und können gut mit dem Geld umgehen“, weiß Eva. Das Motto ihrer Feier lautet „Old Money“. Die Dekoration soll in Weiß, Silber und Grün gehalten werden.

Ein wichtiger Punkt, egal an welcher Schule, ist natürlich auch das perfekte Outfit für die große Feier. „Wir Mädchen haben eine Whatsapp-Gruppe gemacht, wo jeder sein Kleid rein schickt, damit niemand eins doppelt hat“, berichtet Antonia. „Es haben wirklich schon viele ihr Kleid, meistens lagen die Kosten immer so bei um die 400 Euro. Manche sind auch Ausreißer, da kostet das Kleid dann 900 Euro.“ Sie selbst will ihr Kleid wahrscheinlich schneidern lassen. Genau wie die meisten anderen Mädchen aus ihrer Stufe bekommt sie das Kleid von ihren Eltern zum Abi geschenkt. Paula sieht es etwas gelassener: „Es ist ja nur ein Abiball. Es ist nicht das Hochzeitskleid. Die meisten bei uns geben 200 bis 300 Euro aus.“ Eva schließt sich da an: „Mein Kleid war nicht besonders teuer. Ich lege darauf aber auch nicht so viel wert. Ich habe mich für etwas entschieden, was ich selber bezahlen konnte, was mir gut passt und für den einen Abend schön ist.“

Bei Alexander und Jonathan gehen die Meinungen auseinander. „Der Anzug kostet teilweise sogar mehr als ein Kleid. Die Preise bei uns Jungs starten bei 400 Euro und das geht dann auch bis 800 Euro hoch. Viele haben schon einen“, erzählt Jonathan. Alexander ist entspannter: „Das geht jetzt erst langsam bei uns Jungs los. Ich denke, ich werde nicht so viel für den Anzug ausgeben. Ich werde den danach wahrscheinlich erst mal nicht mehr tragen, deshalb muss man da nicht 1000 Euro ausgeben.“ Egal ob im Kleid oder Anzug für 50 oder 800 Euro: Alle freuen sich auf den letzten Abend im Kreise ihrer Mitschüler und das Ende der Schulzeit.

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