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So stark ziehen die Strompreise in Wuppertal an

Erhöhung ab Januar : So stark ziehen die Strompreise in Wuppertal an

Alle Kunden der Wuppertaler Stadtwerke sind betroffen - stärker als bei anderen Anbietern. Die höheren Einnahmen kommen dem ÖPNV zugute.

Ab dem 1. Januar wird der Strom für die Kunden der Wuppertaler Stadtwerke teurer. Die Stadtwerke begründen das mit dem Anstieg der EEG-Umlage, der regulierten Netzentgelte und höheren Beschaffungskosten. Die EEG-Umlage ist eine staatlich festgelegte Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien. Sie wurde im Oktober um 5,5 Prozent angehoben. Der Strom verteuert sich in der Grundversorgung (WSW Standard oder Classic) je nach Verbrauch um acht bis neun Prozent. Auch in den anderen Tarifen steigen die Preise.

Der Durchschnittshaushalt nutzt 3000 Kilowattstunden im Jahr

Laut Statistikanbieter Statista nutzt ein Vier-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus 3000 Kilowattstunden im Jahr - ohne elektrische Warmwasserbereitung. Ein solcher Durchschnitts-Haushalt im Grundversorgungstarif mit 3000 Kilowattstunden jährlichem Stromverbrauch zahlt ab Januar 7,33 Euro mehr im Monat für Strom, rechnen die Stadtwerke vor. Das läuft auf Kosten von 88,49 Euro im Monat hinaus oder 1061,90 Euro im Jahr.

In den anderen Tarifen zahlen Familien künftig zwischen 1013,70 und 1021,91 - vorher waren es 925,75 beziehungsweise 933,95 Euro.

Die Energiemarktexpertin Christin Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW sieht die Stadtwerke damit weit oben bei den Preiserhöhungen im Vergleich zu anderen Anbietern. Auch was die Strompreise an sich angeht, seien die Wuppertaler Stadtwerke weit oben. Mit Hilfe eines Vergleichsportals rechnet sie vor, dass man gegenüber dem teuersten Tarif der Stadtwerke bis zu 200 Euro sparen kann, wenn man wechselt – und selbst noch viel spart, wenn man den günstigsten WSW-Tarif nimmt.

Angesichts der Erhöhung der EEG-Umlage um 5,5 Prozent und einer nicht allzu hohen Steigerung der Netzentgelte findet Wallraf die Erhöhung des Strompreises in dem Maße nicht gerechtfertigt. Die Stadtwerke machten entweder mehr Gewinn als andere Anbieter oder kauften Strom zu schlechteren Bedingungen, so ihre Vermutung. WSW-Sprecher Holger Stephan entgegnet dem, dass die Stadtwerke die Preise drei Jahre nicht erhöht hätten, trotz steigender Kosten. Jetzt erhöhe man auf einmal, „ehrlicherweise“, statt mit mehrstufigen kleinen Erhöhungen den Kunden zu täuschen. Er sagt zudem, die Stadtwerke kauften den Strom eben langfristig zu festen Konditionen.

Wallraf moniert auch die Konditionen der Verträge - etwa dass in dem Talmarkt-Tarif die Folgelaufzeit nach dem ersten Jahr mit zwölf Monaten verbraucherunfreundlich sei. „Wer vergisst, zu kündigen, muss ein weiteres Jahr den Strom beziehen“.

Schnell wechseln kann man generell im Grundtarif – bei entsprechenden Kosten. Es ist vorgeschrieben, dass Verbraucher in Grundtarifen eine zweiwöchige Kündigungsfrist haben. Grundtarife beziehen vor allem die, die sich nicht darum kümmern, einen neuen Tarif zu suchen und vielfach auch Menschen, die wegen Schufa-Einträgen nicht so einfach in ein Vertragsverhältnis gelangen. In Deutschland nutzten rund 27 Prozent der Haushalte den Grundversorgungstarif. „Vor ein paar Jahren waren es noch 33“, sagt Wallraf. Die Zahl sinke langsam.

Generell sind Stadtwerke noch die stärksten Anbieter. 69 Prozent der Nutzer seien noch bei ihren lokalen Anbietern, weiß Wallraf. Bei den Stadtwerken war zuletzt die Rede von mehr als 70 Prozent.

Dass die Stadtwerke die Gewinne aus Strom und auch Gas gut gebrauchen können, ist angesichts der Lage im ÖPNV aber klar. Denn mit den Gewinnen werden die Defizite bei Bussen und Schwebebahnen ausgeglichen. Was der eine oder andere als Grund sehen mag, bei den Stadtwerken zu bleiben. Genau wie den Service vor Ort. Den bieten Fremdanbieter nicht.

Wallraf weist darauf hin, dass Kunden bei Preiserhöhungen aber ein Sonderkündigungsrecht haben.