1. NRW
  2. Wuppertal

So sah Friedrich Engels’ Leben in Wuppertal aus

Ausstellung am Rolingswerth eröffnet : So sah Engels’ Leben in Wuppertal aus

Wer Friedrich Engels sucht, findet ihn jetzt auch in der Sparkasse am Rolingswerth. Die dortige Foyer Galerie geht der Herkunft des Jubilars nach.

Wer Friedrich Engels sucht, findet ihn jetzt auch in der Sparkasse am Rolingswerth. Die dortige Foyer Galerie geht der Herkunft des Jubilars nach. Info-Tafeln stellen die Geschichte der Familie Engels dar. Daneben hängen Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert, die den raschen Wandel vom Bauerndorf zum Zentrum der Textilindustrie zeigen. Barmen sei damals geradezu explodiert, sagte Verleger Thomas Helbig, der am vergangenen Dienstag in die Ausstellung einführte.

Die sozialen Folgen der Bevölkerungsexplosion waren Hungerlöhne und Armut. Sie prägten die Zeit, in der Engels aufwuchs und politisches Bewusstsein entwickelte. Den Teenager Friedrich macht Kinder- und Jugendbuchautor Dirk Walbrecker zum Helden von „Auf Bruch“, und dieser Roman ist der zweite Schwerpunkt der Sparkassen-Schau. Der Titel spielt zum einen auf Engels‘ persönliche Sinnsuche und zum anderen auf sein Barmer Elternhaus an, das „Auf Bruch“ in der Brucher Rotte stand.

Wie die Ausstellung versammelt das Buch Bilder, Karikaturen und Ausschnitte aus historischen Texten. Damit die Materialcollage nicht den Lesefluss stört, lässt der Autor von Anfang an den Schüler Engels erzählen. Von der Begeisterung für Musik, Literatur und Fremdsprachen. Von den Veränderungen seiner Umwelt, die er beobachtet – etwa der Verschmutzung der Wupper durch Industrieabwässer. Und von dem Schock, als der Vater ihn ein Jahr vor dem Abitur vom Gymnasium nimmt, damit er nicht studieren kann, sondern wie vorgesehen Kaufmann wird.

Walbrecker sieht deutliche Parallelen zwischen dem, was im Buch den 14- bis 16-jährigen beschäftigt, und den Erfahrungen heutiger Jugendlicher. Diese stellten sich nach wie vor Fragen wie „Wer bin ich? Aus welcher Familie komme ich? Welchen Weg soll ich einschlagen?“. Und so wie damals die Industrialisierung die Verhältnisse umkrempelte, stünde die Gesellschaft wieder vor einem großen Wandel. „In diesem Umschwung leben wir gerade durch die Digitalisierung“, so der Autor.

Ursprünglich wollte Walbrecker über Elefant Tuffi schreiben

Mit dem Erscheinen von „Auf Bruch“ in der Edition Köndgen schließt sich ein Kreis. Walbrecker berichtete bei der Ausstellungseröffnung, er habe seine „erste haptische Erfahrung mit Büchern“ in der Buchhandlung Köndgen gemacht. Köndgen-Chef Thomas Helbig sei auch „wesentlich mitschuldig, dass es dieses Buch gibt“. Denn ursprünglich wollte Walbrecker über den Elefanten Tuffi schreiben. Doch der Verleger brachte einen Roman zum Engels-Jahr ins Spiel. Derzeit arbeitet Walbrecker übrigens an einem Buch über Beethoven, den anderen weltberühmten Jubilar.

Zur Kooperation mit der Edition Köndgen passt, dass Walbrecker selbst wieder im Tal wohnt. Die ersten 20 Jahre seines Lebens verbrachte er hier und ging dann zum Studieren nach München. Seit einigen Jahren pendelt er zwischen Bayern, wo seine Frau und Kinder leben, und Wuppertal. Sein Atelier hat er – wie sollte es anders sein – an der Friedrich-Engels-Allee.

Die Ausstellung ist bis 4. September zu sehen. Es gelten die Öffnungszeiten der Sparkasse am Rolingswerth 2.