1. NRW
  2. Wuppertal

So kommen die Wuppertaler Auto-Zulieferer durch den Strukturwandel

Mobilität : Automotive: Kluger Wandel führt zu Wachstum

Den Blick ins Jahr 2040 wagt eine Studie zur Zukunft der Automobilindustrie in NRW und speziell im Bergischen Städtedreieck: Demnach wird der Anteil der batterie-elektrischen Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahrzehnten auf 66 Prozent steigen, der von Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb auf 25 Prozent absinken.

Der Rest verteile sich auf hybride und brennstoffzellenelektrische Fahrzeuge, so die Studie. Überraschend fällt die positive Einschätzung zu den Zukunftschancen der hiesigen Automobilindustrie aus. Sollten die Potenziale in den Bereichen E-Mobilität, automatisiertes Fahren und Vernetzung genutzt werden, sieht die Studie die Automobilwirtschaft in NRW trotz einer nur noch moderaten Steigerung bei den Neuzulassungen auf Wachstumskurs, was die Umsätze angeht.

Das Cluster „automotiveland.nrw“, dem sich zahlreiche Unternehmen aus dem Bergischen Städtedreieck angeschlossen haben, hat die Studie mitinitiiert und war daran gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen des Instituts der Deutschen Wirtschaft IW Consult und dem Fraunhofer Institut beteiligt.

„Die Studie zeigt, dass sich NRW durchaus in einer guten Startposition befindet. Die Unternehmen in NRW sind heute schon stärker als der weltweite Durchschnitt auf die wachstumsstarken Bereiche der Automobilwirtschaft konzentriert“, so David Bickenbach, der für die Clusterinitiative an der Studie mitgewirkt hat.

2019 wurden weltweit 87,4 Millionen Neuzulassungen verzeichnet, die Pandemie sorgte 2020 für einen Rückgang auf 74,3 Millionen PKW und „leichte Nutzfahrzeuge“. Mit 96 Millionen Neuzulassungen soll der Anstieg bis 2040 weit geringer ausfallen, als es frühere Zukunftsszenarien vorhersagten.

Sinkender Absatz, sinkender Umsatz? Davon geht die Studie nicht aus. Für 2020 wird das Marktvolumen der Automobilwirtschaft in NRW mit 46,88 Milliarden Euro angegeben. Mit steigender Tendenz von 62,62 Milliarden (2025), über 69,69 (2030) und 75,05 (2035) auf 80,32 Milliarden Euro im Jahr 2040.

„Dies tritt unter der Voraussetzung ein, dass NRW sein Potenzial im Bereich der Forschung und Innovation ausschöpft. In Nordrhein-Westfalen weisen rund 100 Forschungseinrichtungen und Institute einen engen Bezug zur Automobilwirtschaft auf“, so Stephan A. Vogelskamp, in Personalunion Geschäftsführer der Bergischen Gesellschaft und des Auto-Clusters automotiveland.nrw.

Produktion von E-Antrieben
über dem Landesschnitt

Nur 10,1 Prozent der Unternehmen produzieren in der Bergischen Region für den klassischen Verbrenner-Motor, für Gesamt-NRW ist dagegen ein Anteil von 21,7 Prozent ermittelt worden. Dafür liegt die Produktion für Antriebe mit Elektrokomponenten im Bergischen Städtedreieck bereits heute deutlich höher als im Landesdurchschnitt. Ebenso spielt das Städtedreieck in den Bereichen Automatisierung und Vernetzung eine überdurchschnittliche Rolle, was unter anderem auf die Aktivitäten von bergischen Technologieführern wie dem Unternehmen Aptiv mit Sitz in Wuppertal zurückzuführen ist.

Die rund 250 Unternehmen im Bergischen Land, die unmittelbar an der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie hängen, sind in der Mehrzahl auf die Herstellung von Karosserieteilen und Zubehör spezialisiert. Etwa 30 Prozent der 800 Automotive-Zulieferer in NRW haben ihren Firmensitz in der Bergischen Region. „Wir sind in der glücklichen Position, nicht in dem Ausmaß abhängig von dem klassischen Verbrenner-Antrieb zu sein“, sagt Stephan A. Vogelskamp.

Das Potenzial liege bei den innovationsfreudigen flexiblen Unternehmen, die es gelernt hätten, sich dem Wandel anzupassen. Dazu trage ein hoher Grad an Technologieoffenheit bei, so Vogelskamp - auch was die Wahl der Antriebsform angeht. „Wenn das Wasserstoff-Thema in der Zukunft eine größere Rolle spielt, sollte flexibel darauf reagiert werden.“

Vor einem zentralen Problem steht allerdings auch die Bergische Region: Die Produktion von Elektroantrieben erfordert weit weniger Arbeitskräfte. Zudem verlagern die Autokonzerne die Produktion zunehmend ins Ausland oder fordern dies von ihren Zulieferern. „Hier braucht es einen partnerschaftlichen Prozess der Unternehmen und ihrer Betriebsräte, der IG Metall, der IHK, der Politik und Initiativen wie automotiveland.nrw, um auf die Beschäftigungsfrage eine sozial-adäquate Antwort zu finden“, so Vogelskamp. Plänen der Hersteller zur Verlagerung von Produktion ins Ausland müsse mit Innovationen und Wissensvorsprung begegnet werden. Den Aufbau eines Interdisziplinären Zentrums Mobility and Energy (IZME) an der Bergischen Universität nennt Vogelskamp als nur ein Beispiel.

Zudem müsse für das bereits angelaufene Projekt Bergisch.smart.mobility - der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Data Analytics in der Mobilität - ein Nachfolgeprojekt aufgelegt werden.