So kam das Bergische Land zu seinem Namen

Vortragsreihe Unital : Aufstieg und Fall der Grafen von Berg

Unital: Prof. Jochen Johrendt berichtet über die Namensgeber des Bergischen Landes.

Die Grafen von Berg erwiesen sich bei der 51. Auflage der Vortragsreihe Unital – Veranstalter sind die Freunde und Alumini der Universität und die WZ – mit Referent Prof. Jochen Johrendt in der Elberfelder Citykirche als Publikumsrenner. Zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, bevor alle Zuhörer Platz gefunden hatten, und der Lehrstuhlinhaber für Mittelalterliche Geschichte an der Bergischen Universität Licht ins Dunkle des Adelsgeschlechts bringen konnte, dem das Bergische Land seinen Namen zu verdanken hat.

Wer Sagen und Legenden über Burgen, Ritter und adlige Damen erwartet hatte, dem hielt Prof. Johrendt entgegen, dass es nur wenige Dokumente und Quellen gibt, die Herkunft und Aufstieg der Berger belegen. Viele Schriften aus dem Hochmittelalter, darunter Familienchroniken, die in Klostern über die Stifter und Herrscher verfasst wurden, seien den Wirren der Zeit zum Opfer gefallen. So war Adolf I. von Berg nicht der erste in einer schon längeren Ahnengalerie, aber der erste, der 1079 in Urkunden mit Siegeln des Kölner Erzbischofs erwähnt worden ist.

„Die Schriften sind alle in lateinischer Sprache verfasst, was ein Beleg dafür ist, dass Lateinkenntnisse Voraussetzung für ein Studium der Geschichte sind“, sagte Prof. Johrendt mit Augenzwinkern. Die recht trockene Faktenlage würzte er mit einer angemessenen Portion Humor. So erwähnte er, dass der besagte Adolfus de Monte auch unter dem Namen Adolfus de Huuili auftrat, was wohl eher auf die Herkunft am Hügel statt am Berg hinweisen würde.

Anhand des Stammbaumes der Berger erläuterte Pro. Johrendt wie die Familie an Bedeutung und Macht gewann. „Sie hatten die gute Sitte, auf Kreuzzügen zu sterben.“ Wodurch das Erbe ohne Erbteilung weitergegeben werden konnte. Heiraten mit den Erbtöchtern wohlhabender Adelsfamilien taten ein Übriges. Zudem verschaffte die geografische Lage als Brücke oder Keil zwischen Rheinland und Westfalen den Grafen Vorteile, die sie politisch nutzten – zum Beispiel bei der Wahl des Kölner Erzbischofs. Dies taten sie so erfolgreich, dass sie mehrfach selbst den Erzbischof stellten und sich dabei der Unterstützung von Lothar III. und Friedrich Barbarossa erfreuen durften. Der letzte Berger, Erzbischof Engelbert von Köln († 1225), nahm allerdings ein böses Ende. Dokumente weisen daraufhin, dass er despotisch auftrat und sich mit einer Reform der Rechtsprechung viele Feinde unter den Vögten schuf. Die Gegner entwickelten offensichtlich einen derartigen Hass, dass sie Engelbert von Köln mit 50 Messerstichen töteten. Das Erbe der Grafen von Berg fiel an das Haus Limburg.

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