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So gelingt die Integration in den Job

So gelingt die Integration in den Job

Veranstaltung in IHK beschäftigte sich mit der Frage, welche Chancen und Herausforderungen der Einsatz von Flüchtlingen den Unternehmen bietet.

Der Begriff und die dahinterstehende Idee der „Willkommenskultur“ haben in Deutschland in den vergangenen gut zwei Jahren einen rasanten Sinkflug erlebt. Unabhängig von der politischen Diskussion um Ankerzentren, Zurückweisungen von Asylsuchenden oder Obergrenzen für Flüchtlinge gibt es aber wenig Zweifel daran, dass Flüchtlinge und auch Zuwanderer eine wichtige Lücke in der deutschen Wirtschaft füllen können: die der Beschäftigten, der Helfer, Facharbeiter und Spezialisten. Dass und wie Mitarbeiter mit Fluchterfahrungen, die in der Regel einen anderen kulturellen und religiösen Hintergrund mitbringen, in die heimischen Unternehmen gefunden und integriert werden können, damit befasste sich am Mittwoch eine Veranstaltung in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wuppertal-Solingen-Remscheid.

Das gut zweistündige Treffen beleuchtete die aktuellen Entwicklungen zur Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Bergischen IHK und dem bundesweiten Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Nach Angaben von Katja Heck, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, könnte die Bewerbung eines typischen Flüchtlings als „männlich, jung, sucht Tätigkeit als Helfer“ überschrieben werden. Mehr als drei Viertel der Flüchtlinge, die einen Job suchten, müssten im Bereich der Hilfstätigkeiten vermittelt werden, bei 14 Prozent könne man von Fachkräften sprechen, sechs Prozent könnten als Spezialisten gelten. Zum größten Teil müssten die Arbeitssuchenden in Qualifizierungsmaßnahmen gesteckt werden, das bedeute vor allem das Erlernen der Sprache.

Dass Flüchtlinge eine Chance für eine Stadtgesellschaft sein können, machte der Vorstand Arbeitsmarkt und Kommunikation beim Jobcenter Wuppertal, Andreas Kletzander, deutlich. Dank des Zuzugs der Flüchtlinge habe sich die demografische Entwicklung in Wuppertal gedreht. Aus einer zuvor schrumpfenden sei eine wachsende Stadt geworden, in der im vergangenen Jahr mehr als 360 000 Menschen lebten. „Das Thema ‚Zuwanderung’ prägt die Stadt. Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, betonte er. Der Jobcenter habe durch den Flüchtlingszuzug in den vergangenen vier Jahren rund 8000 zusätzliche Kunden erhalten. Die Vermittlung von Flüchtlingen in reguläre Jobs nähere sich langsam, aber sicher der Quote bei deutschen Kunden an.

Inwieweit bei der Auswahl von Mitarbeitern mit Flüchtlingshintergrund allerdings noch Vorurteile regieren können, darauf wies Constantin Bräunig vom Netzwerk „Unternehmen intergieren Flüchtlinge“ hin. Er plädierte für Verständnis dafür, wenn ein Flüchtling den Erwartungen eines deutschen Arbeitgebers zunächst nicht gerecht wird - etwa weil es ihm vermeintlich an Motivation mangelt. Statt den Flüchtlingen abzulehnen, sollten die potenziellen Arbeitgeber lieber versuchen, die Gründe für bestimmte Antworten zu ergründen. Dazu sei es nötig, konkrete Fragen an den Bewerber zu stellen, sagte Bräunig. Zudem sollte sich der Arbeitgeber um einen Perspektivwechsel bemühen und sich einmal in die Rolle des Flüchtlings und dessen Erwartungshaltung versetzen.

In einer Diskussion mit Firmenvertretern, die bereits Flüchtlinge beschäftigen, wurde unter anderem darauf hingewiesen, wie wichtig die Kommunikation miteinander ist. „Wir haben festgestellt, dass man mehr sprechen muss“, sagte Anita Porsch, Geschäftsführerin bei Periplast Werkzeugbau und Kunststoffverarbeitung in Wuppertal. Aufgrund der kulturellen Unterschiede könnten ansonsten immer wieder Missverständnisse entstehen, die den Arbeitsalltag belasteten. Barbara Eufinger von der BIA Kunststoff- und Galvanotechnik in Solingen verwies darauf, dass das Zusammenarbeiten im Betrieb der entscheidende Praxistest sei, ob jemand ins Unternehmen passe. Der Einsatz etwa in Praktika zeige der Firma, wie es mit der Haltung und Motivation der neuen Mitarbeiter aussehe. Zwar verstehe sich ihr Unternehmen als „sozial engagiert“, bei der Arbeit werde von allen Mitarbeitern - egal welcher Herkunft und Nationalität - aber die gleiche Motivation und Haltung erwartet, betonte Eufinger.

Auf Initiative der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid wurde Oktober 2015 das „Bergische Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt“ gegründet, Mittlerweile hat die Initiative ihren Fokus auf alle Zuwanderer erweitert. Ziel ist die Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern in den Ausbildung- und Arbeitsmarkt.