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Skulpturenprojekt in Wuppertal: „Der Park bietet eine riesige Interpretationsfläche“

Ausstellung : Skulpturenprojekt: „Der Park bietet eine riesige Interpretationsfläche“

Auf der Hardt sind noch bis 27. September Skulpturen von 13 Künstlern zu sehen.

Für einen Blickfang sorgt die Architektur des großen Landanwesens, die Villa Eller, mit Orangerie und Elisenturm. Eingebettet in eine Parklandschaft sind kleine Wege geebnet, umrahmt von unzähligen Pflanzen – jede ihrer Art ist beschriftet. Gewächshäuser beherbergen unter anderem Kakteen, Zwiebeln- und Knollengewächse. Nischen mit Sitzbänken geben Gelegenheit zum Ausruhen und Entspannen – inmitten dieses Gartens sind Werke von 13 Künstlern zu finden. „Der Park bietet eine riesige Interpretationsfläche“, freut sich Jaana Caspary.

Gemeinsam mit Charlotte Perrin und Jonas Hohnke leitet sie zum zweiten Mal das Skulpturenprojekt im Botanischen Garten auf der Hardt. 2009 von Oswald Gibiec-Oberhoff ins Leben gerufen, gilt es seither als fester Bestandteil der Wuppertaler Kulturszene. Dass dieses zum neunten Mal stattfinden kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Aufgrund der Corona-Krise war die Realisierung zunächst unklar. „Die Plätze waren freigegeben, die Arbeiten auf diesen somit denkbar. Das war eine gute Voraussetzung“, erklärt Hohnke und ergänzt: „Als es dann hieß, dass draußen Projekte möglich seien, haben wir uns beeilt und die Künstler im Einzelnen angefragt – nachdem wir erst absagen mussten.“

Künstler aus den Regionen Wuppertal, Düsseldorf, Rheinland, Münster und Berlin haben sich beteiligt. Ihr Augenmerk ist unterschiedlich gesetzt. „Mich hat es interessiert, wie sich diese mit dem Außenbereich auseinandersetzen. Was passt, was passt nicht“, war Perrin neugierig. Denn ein Thema war nicht vorgegeben. Die Wuppertaler Perrin, Caspary und Hohnke, selbst als freischaffende bildende Künstler tätig, wollten den Kunstschaffenden größtmögliche Freiheit gewähren. „Der Ort ist sozusagen das Thema“, sagt Perrin. Dort entstehen die Ideen – „an dem Ort und für den Ort“, stellt Hohnke heraus. Die besondere Herausforderung sei die richtige Schnittstelle, denn: „Einerseits sollte es sich an die Umgebung einbinden, andererseits auch von dieser abheben.“

Zum Teil gab es bestimmte Installationen bereits, die an den Botanischen Garten als Ausstellungsfläche angepasst worden sind. Andere wiederum wurden speziell dafür entwickelt. An einem Baum etwa mussten bereits zuvor funktionale Stützen gesetzt werden. „Diese Funktion ist weiterhin gegeben durch das Werk, dass diese ersetzt“, erklärt Caspary ein Beispiel. Denn blaue Pfeiler sind an die Stelle der Stützen getreten. Die Gabelung der Äste wird formtechnisch durch das Kunstwerk nachempfunden, das Organische aufgreifend.

Vor der Orangerie sind Ruinen platziert – das Motiv der neuen 50-Euro-Banknote. Sie fügen sich in die Architektur ihres Hintergrundes ein. Bei einem anderen Kunstwerk greift eine blaue Musterung den Schattenwurf eines bestimmten Baumes auf. Die Plätze für die Installationen sind somit bewusst gewählt, auf den Außenbereich zugeschnitten – „anders als im neutralen Raum“, hebt Perrin die Besonderheit hervor.

Wichtig war den Organisatoren neben der künstlerischen Freiheit eine junge Kunstszene miteinzubeziehen – und dieser den Austausch untereinander zu ermöglichen. Denn zuvor waren hauptsächlich Wuppertaler am Werk. „Wir wollten das Konzept erneuern und haben dafür bundesweit Künstler angefragt“, erzählt Hohnke. Ursprünglich sollten auch französische Kunstschaffende dabei sein. Durch die aktuelle Coronakrise konnte dies nicht realisiert werden. Dennoch sind 13 Werke entstanden, die Besucher im Botanischen Garten zu sehen bekommen. Flyer in transparenten Boxen an den Eingängen bieten einen Plan zur Orientierung – um keine der Installationen zu verpassen.

Und was mit diesen nach Ausstellungsende passiert? „Die Arbeiten werden abgebaut und gehen zurück an die Künstler. Einige werden bestimmt noch in anderen Ausstellungen zu sehen sein“, zeigt sich Caspary zuversichtlich.