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Stadtgeschichte: Skinhead-Prozess sorgte für Schlagzeilen

Stadtgeschichte : Skinhead-Prozess sorgte für Schlagzeilen

Der Fall eines durch Nazis getöteten Metzgers erregte 1992 international Aufsehen.

Es war der 13. November 1992, als ein 53 jahre alter Elberfelder in der Nähe der niederländischen Stadt Venlo tot aufgefunden wurde. Dabei war er tags zuvor noch in Wuppertal gesehen worden. Er war einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, waren sich die niederländischen Ermittler sicher. Mehrere Rippen waren gebrochen. Der Fall sollte über Wuppertal hinaus für Schlagzeilen sorgen.

Spektakuläre

Kriminalfälle

Was war passiert? Es war der 12. November, als sich das spätere Opfer, ein arbeitsloser Metzger und zwei Skinheads (18 und 24 Jahre alt) in einer Kneipe in Barmen am Tresen kennenlernten. Sie diskutierten über Politik — nicht einvernehmlich, aber erst einmal friedlich— und tranken. Später habe der Metzger einen der Männer als Nazischwein beschimpft. Daraufhin sei der vom Barhocker geholt und mit Springerstiefeln getreten worden. „Ein Tritt, drei gebrochene Rippen“, hatte damals der Staatsanwalt die Folgen der Misshandlungen einzeln aufgezählt.

Am Boden liegend wurde der Metzger mit Schnaps übergossen und angezündet. Er erlitt Verbrennungen zweiten Grades. Anschließend wurde er in den Wagen des Wirts geladen und nach Holland gefahren. Er erstickte unterwegs, weil einer der Täter ihm auf der Brust saß. Die Täter wollten mit der Beseitigung des Mannes die Spuren der Tat verwischen. Allerdings sorgte gerade der Wagen dafür, dass sie bereits am am 21. November verhaftet werden konnten. Der Wagen hatte nämlich drei verschiedene Reifen, deren Profile eindeutige Hinweise auf das Fahrzeug lieferten.

Der scheinbar einfache Kneipenstreit unter Volltrunkenen - der Metzger hatte einen Alkoholspiegel von 2,89 Promille im Blut - bekam zusätzlich Zündstoff und internationale Aufmerksamkeit, weil der Verdacht einer antisemitisch motivierten Gewalttat im Raum stand.

Denn laut einer Agenturmeldung war das Opfer Jude. Auch wenn sich die Behauptung später als falsch herausstellte, blieb ein bitterer Beigeschmack. Denn: Der Wirt hatte den Skinheads angeblich im Spaß gesagt, der Metzger sei Jude. Der habe sich selbst auch als Halbjude bezeichnet, hieß es damals. Der Oberstaatsanwalt wertete aber die Tatsache, dass der Übergriff erst Stunden später stattgefunden hatte, als Zeichen dafür, dass kein antisemtisches Gewaltverbrechen vorlag.

Dennoch: International machte Wuppertal damals negative Schlagzeilen. In Griechenland wurde von „Bestialitäten à la Hitler“ geschrieben. Das israelische Fernsehen berichtete gar von „Jagd auf Juden in Deutschland.“

Das Gericht sah es wohl ähnlich. In seiner Urteilsbegründung hieß es, die Täter seien voll von „rechtsradikaler Aggression“ gewesen und hätten nach erkennbar „rechtsradikalem Muster“ gehandelt. Die Skinheads wurden zu 14 und acht Jahren Haft verurteilt. Der Wirt bekam zehn Jahren Haft.