Klassik Sinfonieorchester Wuppertal: Das Cello im Porträt

Vierter „Ohrenöffner“ des Sinfonieorchesters widmet sich wieder einem Instrument.

Auch Cellistin Anne Yumino Weber vom Sinfonieorchester wirkte mit.

Auch Cellistin Anne Yumino Weber vom Sinfonieorchester wirkte mit.

Foto: Andreas Fischer

„Tenoraler Streichgesang – das Cello im Porträt“, mit diesem ungewöhnlichen Titel hatte Moderator Björn Woll zum vierten „Ohrenöffner“ in die Citykirche Elberfeld geladen. Die Zuhörer strömten am Samstagvormittag zahlreich, füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Man kennt die berühmten „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“, hier traten bei freiem Eintritt(!) „6 Cellisten des Sinfonieorchesters Wuppertal“ auf : Anne Yumino, Joel Wöpke, Michael Hablitzel, Karin Nijssen-Neumeister, Hyeonwoo Park und Jin Jao Jhon (die Siebte, Vera Milicevic, war erkrankt.).

Dem Musikmachen war nur ein Teil ihres Auftritts gewidmet. Björn Woll hatte sich zur Aufgabe gemacht, das Instrument Violoncello, seine historische und klangliche Entwicklung, dem interessierten Publikum nahezubringen. Zunächst wurde Basis-Information geliefert: Die Decke eines Violoncellos besteht in der Regel aus Fichten-, selten aus Tannenholz, der Boden und die Zargen (die Seitenteile des Cello) aus Ahorn. Die Hölzer werden lange gelagert (20 bis 30, aber auch bis zu 300 Jahren), ehe sie zu einem Instrument verarbeitet werden. Stradivari, Testore, Amati sind berühmte Geigenbauwerkstätten, die sowohl Violinen als auch Violoncelli gebaut haben.

Tonlage erinnert an eine menschliche Tenorstimme

Die ersten Instrumente dieser Art tauchten etwa um 1620/30 in Italien auf. Heute sind die sehr alten, aber auch die neueren Instrumente in der ganzen Welt in den Orchestern, aber auch Solo zu hören. Der Klang eines Cellos ist variabel, was am speziellen Bogen (aus Pferdehaaren, meist aus der Mongolei), an der Schwingungsfähigkeit des Holzes und an der Spieltechnik jedes einzelnen Musikers liegen kann. Vibrato oder glatt gestrichene Saiten (heute werden sie aus Stahl hergestellt, früher aus Darm) bringen unterschiedliche Farbigkeit zustande, „Boticelli“ (das Spiel am Steg), Pizzicato (die Saiten mit dem Finger gezupft), Spiccato (der Bogen springt auf den Saiten): Spezielle Spielweisen, mit denen Cellist oder Cellistin das Instrument zum Klingen bringt. Der gesangliche Bogenstrich erinnert von der Tonlage an eine menschliche Tenorstimme. Das Klima des Wetters und Raumbeschaffenheit (feucht/trocken, warm/kalt) können den Klang beeinflussen.

Interessant wurde der Vortrag, als mit Hilfe von Klangbeispielen vorgeführt wurde, wie die Komponisten in den verschiedenen Epochen den Celloklang eingesetzt haben. Hier traten die sechs Musiker aktiv in Erscheinung. Bach, der Meister der Barockzeit, hat das Cello (damals auch noch den Vorgänger, die Gambe) sowohl als Continuo-Begleitinstrument als auch erstmals als Solo-Instrument eingesetzt, was mit einem Stück aus einem Brandenburgischen Konzert und dann mit einem Satz aus der berühmten 1. Solosuite für Violoncello belegt wurde.

Jede Epoche hat dem Instrument neue Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen. So hat der Klassiker Beethoven in seiner 9. Sinfonie eine sprechende Rezitativstimme eingeführt, Bruckner beginnt seine spätromantische 7. Sinfonie mit einer Cellopassage, die gesanglich, melodiös und der menschlichen Stimme angenähert erklingt. Das Cello bekommt eine dominante Stellung innerhalb des Orchesters, erfährt in Mahlers 2. Sinfonie durch schroffes bis wildes Spiel eine vorher nicht gekannte Klangerweiterung. Debussy wagt sich in „La mer“ an ein Cello-Streichquartett, lotet die Intonationsbreite von Sopran- bis Bassstimmen aus, was Puccini in seiner Oper Tosca fortführt.

Es war ein Erlebnis, all diese Klangbeispiele von der Cellogruppe des Orchesters live vorgeführt zu bekommen. Großartige Klänge, großartige Musiker. Kompliment an Björn Woll, der lebendig, informativ und sehr unterhaltsam durch das Programm geführt hat. Es gab kräftigen Applaus.

» Das nächste „Ohrenöffner“-Konzert findet am 1. Juni um 12 Uhr in der Citykirche statt. „Lieblingsstücke“ verspricht viel schöne Musik.

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