Sie machen Kinder zu Kuh-Experten

Sie machen Kinder zu Kuh-Experten

In den Osterferien beschäftigen sich Schüler auf verschiedene Weisen mit den Tieren — sei es musikalisch oder mit Rätseln.

Wichlinghausen. Ob aus Kreisen der Wissenschaft, der Wirtschaft oder der Politik — Wuppertal hat schon so manchen Kongress erlebt. Am Wochenende 24., 25. März kommt ein ganz spezieller dazu: der erste Kinder, Kälbchen und Kuh Kongress. Veranstalter ist der Verein „Wir - Kind und Tier“ und die Kongressteilnehmer werden zwischen acht und zwölf Jahre alt sein. Sie tagen zwischen 10 und 16 Uhr in den Heyday Studios an der Kreuzstraße 20. Kälbchen kommen nicht nach Wichlinghausen, die werden bei einer Exkursion zum Demeterhof Schepers in Velbert besucht. Kinder, die mitmachen wollen, können sich immer noch anmelden. Das ist kostenfrei.

„Wir wollen den Kindern zeigen, wie Kühe in Deutschland leben“, sagt Mone Dopp, Vorsitzende des Vereins. „Welche Bedürfnisse sie haben, wie sie gehalten werden.“ Zum Warmwerden startet der Kongress mit einem Kuh-Quiz. Dabei geht es etwa darum, wie viele Mägen eine Kuh hat. Oder wie viele Kaubewegungen sie so am Tag macht. Oder ab wann sie als ausgewachsen gilt. Da werden die meisten raten müssen — aber auch so einiges über Kühe erfahren. Sie können Fragen stellen und auf dem Schepers-Hof mit den Betreibern Interviews führen.

Weiter kommt die Projektkiste „Kuh und Du“ der Welttierschutzgesellschaft zum Einsatz. Zum Ausklang soll ein Kuhsong geprobt werden. Und wenn man schon in der Nachbarschaft eines Tonstudios tagt, wird der Kuhsong auch gleich aufgenommen. Dopp: „Da kommt dann der Musiker Leon Mucke mit seinen Instrumenten dazu. Mit der Aufnahme wollen wir beim Schülerwettbewerb ,Echt Kuh-l’ mitmachen. Der läuft beim Bundesprogramm Ökologischer Landbau.“

Meike Bohrer vom Verein „Wir — Kind und Tier“: „Manche Kinder haben bei Bauernhof noch die romantische Bilderbuchversion im Kopf, die es schon lange nicht mehr gibt. Und dann gibt es schreckliche Bilder von den Auswüchsen der Massentierhaltung.“ Beides sei bei der Vermittlung von Kuhwissen für Kinder nicht angemessen. „Wir wollen Neugier wecken, einen kritischen Blick vermitteln. Was wir nicht wollen: missionieren, mit dem pädagogischen Zeigefinger kommen oder irgendwem irgendwas aufstülpen.“ Zumal Tierwohl nur bedingt von der Betriebsgröße abhängig sei.

Man wolle Kinder in die Lage bringen, sich ein eigenes Bild zu machen. Schließlich seien sie es, die später einmal mitentscheiden würden, wie es mit der Welt weitergehen soll.

Der Verein „Wir — Kind und Tier“ wurde im vergangenen Jahr in Isselburg gegründet. Ihm gehören acht Frauen aus verschiedenen NRW-Städten an, die sich von Tierschutzprojekten her kennen oder auch durch ihre berufliche Arbeit. Etliche kommen aus sozialen oder pädagogischen Berufen. Dopp und Bohrer etwa sind Erzieherinnen. „Uns verbindet die Liebe zu Kindern und Tieren“, sagt Dopp. Im Verein soll das Engagement gebündelt werden.

Zu den bisherigen Projekten gehört es, in Kooperation mit Kindergärten und Schulen in Wesel, Voerde und Isselburg über die Situation der Insekten im Allgemeinen und der Bienen im Besonderen zu informieren und dabei Insektenhotels zu bauen. Der Verein ist gemeinnützig und sammelt Spenden zur Finanzierung solcher Projekte. Mit Spenden soll auch im Sommer ein Bullenkalb von einem Mastbetrieb gekauft werden und einen Platz auf einem Hof für gerettete Kühe bekommen. Natürlich sei das nur symbolisch, wenn auch für dieses eine Kalb zentral. Aber es soll mit Kindern abgeholt werden und ist dann vielleicht der Anlass für den zweiten Kinder, Kälbchen und Kuh Kongress.

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