Wuppertal: Sharing Economy: Das Teilen liegt im Trend

Wuppertal : Sharing Economy: Das Teilen liegt im Trend

Sharing Economy ist eine neue Form des Wirtschaftslebens. Dafür haben sich viele Initiativen gegründet.

Wuppertal. In dem Laden „Mathilde“ an der Friedrich-Ebert-Straße gibt es einen Lederrucksack für 179 Euro oder eine braun-gemusterte Bluse für 109. Designerware. Aber gebraucht. Second Hand möchte Birgit Baumeister das nicht nennen. „Das kann auch negativ besetzt sein“, sagt die Inhaberin der „Mathilde“. Die Ware sei aber kaum getragen — und die gebe es im Schnitt für die Hälfte des Originalpreises.

Für die Kundinnen des Ladens verspricht das: Schnäppchenjagd. Aber darüber hinaus steckt dahinter noch mehr. Die Mathilde gibt es seit insgesamt 15 Jahren, die anderen drei Second-Hand-Läden im Luisenviertel teilweise noch länger. Das Prinzip, nach dem sie arbeiten, liegt gerade im Trend — überall, auch in Wuppertal.

Es geht um Nachhaltigkeit, die Weiternutzung von bereits Produziertem. Um teilen, was man hat. Man nennt das Sharing Economy, die Wirtschaft des Teilens. Und geteilt wird alles, was geht — Kleidung, Essen, Autos, Arbeitsplätze und Bohrmaschinen. Eigentlich gehe es dabei um nicht-kommerzielle Aktionen, sagt Karoline Augenstein, das Teilen ohne Geld. Sie ist Mitglied bei Transzent, dem Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit der Bergischen Universität und des Wuppertal Instituts. Aber auch Second-Hand-Läden könne man noch dazuzählen.

Denn auch die Aushängeschilder der Sharing Economy, digitale Anbieter wie Uber und Air BnB, über die Mitfahrten in privaten Fahrzeugen oder Übernachtungen in Privatwohnungen angeboten werden, sind kommerziell. „Was hat das das noch mit Teilen zu tun?“, fragt Augenstein. Auch bei Second-Hand-Läden könne man durchaus kritisch sein, sagt sie. Andererseits komme es eben auch darauf an, was mit dem dort gesparten Geld passiere. „Wenn man davon die dritte Flugreise in dem Jahr bucht, nimmt das den Effekt der Nachhaltigkeit.“

Aber trotzdem gehe es nicht ganz ohne solche Anbieter. Denn der Trend zum Teilen ist bedingt durch das Aufkommen digitaler Plattformen. Augenstein erklärt: „Teilen funktioniert dort, wo Menschen sich kennen. Wo es aber größer wird, wird es schwer.“ Die Plattformen, auf denen man teilen kann, vernetzten einerseits und stifteten Vertrauen durch öffentliche Bewertungen, sagt sie. „Außerdem suchen Menschen auch in der digitalen Welt nach Nähe und Gemeinschaft.“

Für Augenstein ist der Trend zum Teilen allein wegen des digitalen Hintergrunds auch keine Rückkehr zum Teilen von früher, zur Dorfgemeinschaft. Es gehe eher um ein anderes Wirtschaftsverständnis, eine Kapitalismus-Alternative. Es gehe darum, weniger zu nutzen und zu produzieren und auch um Austausch und Gemeinschaft. Im Kleinen fängt das im Luisenviertel an.

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