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Shakespeares Drama feiert Premiere im Wuppertaler Opernhaus

Premiere : Nicolas Charaux: „Romeo und Julia geht auch mit Abstand“

Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ feiert am Samstag unter besonderen Bedingungen Premiere im Opernhaus.

Das Ende ist bekannt. Jeder weiß das, der am Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr seinen Platz im Opernhaus einnimmt. Aber irgendwie scheint die Geschichte von Romeo und Julia nie ihren Reiz zu verlieren. „Das Stück ist einfach gut“, sagt Niclas Charaux. Er ist der Regisseur, der Shakespeares Liebesdrama auf die Wuppertaler Bühne bringt. Die wievielte Inszenierung das ist, weiß vermutlich niemand. Aber Romeo und Julia werden ihre Zuschauer finden. Sie finden ihre Zuschauer immer. „Das Stück ist modern“, sagt Charaux. Für ihn reicht das als Erklärung. Vermutlich gibt es auch keine bessere. Wenn es um Liebe geht, um die Hoffnung, unüberwindliche Hürden zu überwinden, dann sind die Menschen da, bangen mit, flehen mit, leiden mit, lieben mit. Auch wenn das Stück immer wieder in einem Blutbad endet, auch wenn Julia immer wieder den Dolch Romeos nimmt, um ihrem ohne den Geliebten sinnlosen Leben ein Ende zu setzen.

In Wuppertal sind diesmal Julia Meier und Konstantin Rickert in den Titelrollen zu sehen. Stefan Walz gibt den Capulet, Lena Vogt dessen Frau. Alexander Peiler (Mercutio), Luise Kinner (Lorenzo), Martin Petschan (Tybalt) und Kevin Wilke (Paris) komplettieren die Mannschaft auf der Bühne. Das ist immer erwähnenswert und erst recht in Zeiten wie diesen. Das vergleichsweise überschaubare Wuppertaler Ensemble arbeitet derzeit annähernd im Akkord. Eine Premiere folgt der anderen. Die Pandemie hat alles durcheinandergebracht. Das führt das Ensemble an die Grenzen seiner Belastbarkeit. „Wir haben Gäste, sonst ginge das nicht“, sagt Intendant Thomas Braus.

Romeo und Julia auf
Corona-Bedingungen getrimmt

Doch es geht. Es muss auch gehen, weil Wuppertal sein Schauspiel braucht und weil Schauspieler arbeiten können müssen. Für Braus ist das dichte Programm nicht zuletzt eine Aussage zugunsten derer, die freiberuflich auf den Bühnen der Welt unterwegs sind. Zu denen zählt auch Nicolas Charaux. Dass er binnen kürzerer Zeit zweimal in Wuppertal engagiert ist, hat ebenfalls mit dem Virus zu tun. Denn Romeo und Julia waren bereits Ende März dieses Jahres auf ihren freiwilligen Bühnentod vorbereitet worden. Aber dann kam der Lockdown. Alles Arbeit vergebens. Doch Braus wollte das Stück nicht endgültig absagen und nahm Kontakt zu Charaux auf. Frage: Ist es vorstellbar, das Stück auf Corona-Bedingungen zu trimmen? Antwort: Schwer, aber unmöglich ist es nicht.

Also kam Charaux abermals aus Wien nach Wuppertal, übte Szenen zuvor per Videokonferenz neu ein und verlieh seiner umgemodelten Inszenierung in den vergangenen Tagen den letzten Schliff. „Romeo und Julia geht immer“, sagt der Regisseur. „Es geht auch mit Abstand.“ Den müssen die Schauspielerinnen und Schauspieler regelkonform auch auf der Bühne einhalten. Während Charaux aus Frankreich berichtet, dass Akteure dort getestet werden und dann einschränkungsfrei spielen können, ist die Wuppertaler Leidenschaft von Julia und Romeo optisch distanziert. Aber es funktioniert trotzdem, darin sind sich Charaux und Intendant Braus sicher. Was seine Inszenierung von den Corona-Unbilden abgesehen ausmachen wird, will der Regisseur vorab nicht verraten. Aber das Stück wird die Handschrift des Mannes tragen, der 1982 im französischen Lunéville geboren wurde und heute in Wien lebt.

Für die Premiere am Samstag gelten wieder die Regeln, die auch schon zur Premiere der „Marquise von O.“ am vergangenen Wochenende im Theater am Engelsgarten gegolten haben: Maskenpflicht auf dem Weg zum Sitzplatz, keine Feier, und nur die Hälfte der Plätze sind besetzt.