Selbstständigkeit ist für Wuppertaler nicht nur eine Frage des Geldes

Finanzen : Selbstständigkeit ist nicht nur eine Frage des Geldes

Die Commerzbank hat 3000 Firmengründer, darunter 100 aus dem Bergischen, zu ihren Startbedingungen und Motiven befragt.

3000 Interviews hat die Commerzbank im vergangenen Jahr bundesweit mit Unternehmensgründern geführt und sie dabei unter anderem nach ihren Startbedingungen und Erfahrungen befragt. Darunter waren 100 Freiberufler, Handwerker sowie Gewerbetreibende aus dem Bergischen Land, die sich in den vergangenen sechs Jahren selbstständig gemacht haben.

Die Studie, die Peter Uwe Siedowski, Leiter Unternehmerkunden der Niederlassung Wuppertal, und Oliver Bormann, Niederlassungsleiter Private Kunden, präsentierten, weist einige Überraschungen auf, die auf den ersten Blick nicht in das handelsübliche Bild von Unternehmensgründern passen.

Von der pfiffigen Idee und der Tüftelei in der Garage bis zum milliardenschweren Konzern – ein solches Drehbuch für Existenzgründungen schreibt die Realität nur selten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch nicht in Massen Unternehmensgründer, die Haus und Hof riskieren und deren Traum mit einem riesigen Schuldenhaufen endet. Im Bergischen Land sind drei Viertel der Gründer männlich und zwei von fünf Gründern sind jünger als 40 Jahre. Bei der Altersverteilung unterscheidet sich das Bergische Land deutlich vom Bundesschnitt. In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre steigen 34 Prozent der Bergischen in die Unternehmensgründung ein, bundesweit sind sie in der Regel jünger, da liegt der Anteil in dieser Altersklasse bei 25 Prozent.

42 Prozent der Gründer setzen auf Investitionen ins Personal

34 Prozent der Gründer im Bergischen starten mit einer abgeschlossenen Lehre in die Selbstständigkeit, das sind deutlich mehr als im Bundesschnitt (19 Prozent). Befragt nach der Motivation für diesen Schritt wurde der Wunsch, mehr Geld zu verdienen, erst an nachgeordneter Stelle genannt und scheint für die Bergischen eine weniger bedeutende Rolle zu spielen.

„Der eigene Chef sein“ – dies ist das Hauptargument für die Bergischen (58 Prozent), während dies bundesweit 47 Prozent der Befragten an die erste Stelle setzten. „Etwas Eigenes aufbauen“, „die eigene freie Zeit einteilen“ und „eine spezielle Geschäftsidee umsetzen“ werden noch vor dem Ziel eines besseren Einkommens genannt.

Als wichtigste Hürden und Hindernisse werden „Bürokratie“, „Steuerliche Themen“ und „Kundengewinnung“ empfunden. Überraschend gaben nur 14 Prozent der befragten Bergischen Unternehmen an, dass die Finanzierung problematisch gewesen sei. Und daraus lässt sich wohl erklären, dass sich sowohl im Bergischen als auch im Bund 65 Prozent der Unternehmensgründer vor allem auf die Dienste ihres Steuerberaters verlassen, hingegen nur 15 beziehungsweise 13 Prozent auf den Service einer Bank bauen.

„Wir wollen die Bank für Existenzgründer sein“, nennt Peter Uwe Siedowski ein Ziel der Commerzbank. Steuerliche Themen seien zwar von Bedeutung bei einer Unternehmensgründung, aber das Thema sei viel komplexer, um es nur aus diesem Blickwinkel anzugehen. Die Commerzbank könne bei der ausreichenden Finanzierung und bei der Kundengewinnung mit ihren Netzwerken wertvolle Hilfen leisten. Die Motivation sei auf beiden Seiten hoch, das junge Unternehmen zum Erfolg zu bringen. „70 Prozent aller Existenzgründer im Bergischen Land sind drei Jahre nach der Gründung noch am Markt“, so Siedowski.

88 Prozent der Gründer finanzieren im Bergischen Land (Bund: 78 Prozent) den Start in die Selbstständigkeit über Eigenkapital, gut ein Drittel startet mit weniger als 20 000 Euro. Nur zehn Prozent planen mit einem Startkapital von 100 000 bis 500 000 Euro.

Die relativ knappe finanzielle Ausstattung ist aber nicht ohne Risiko. So gab die Hälfte der Befragten an, dass das Startkapital innerhalb der ersten sechs Monate aufgebraucht war. Dass nur jeder fünfte Gründer bei der Erarbeitung seines Geschäftsmodells Finanzexperten heranziehe, wird von der Commerzbank als Manko bewertet. „Jeder Gründer ist uns willkommen, um mit ihm einen Master-Businessplan zu erarbeiten und ihn von den Netzwerken der Commerzbank profitieren zu lassen“, sagt Oliver Bormann.

Der Fachkräftemangel macht inzwischen jedem dritten Firmengründer zu schaffen. Positiv für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Wuppertal, Solingen und Remscheid ist allerdings: 42 Prozent der Gründer setzen Investitionen ins Personal ganz oben auf ihre Prioritätenliste – gefolgt von Marketing/Vertrieb und Produktentwicklung.