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Seit 80 Jahren Höllerhagen-Fan: Eine Cronenbergerin liebt den Jazz

Seit 80 Jahren Höllerhagen-Fan: Eine Cronenbergerin liebt den Jazz

Charlotte Steckelbach schwärmt seit den 1930er Jahren für Ernst Höllerhagen.

Cronenberg. Wenn ein Jazz-Star die Sterne leuchten lässt, um einem kleinen Mädchen einen Wunsch zu erfüllen, ist das ein Moment, den man nicht vergisst — jedenfalls dann, wenn man selbst die junge Dame ist, die der gestandene Musiker mit seinem Geigenspiel beglückt. Charlotte Steckelbach (Jahrgang 1922) heißt die Cronenbergerin, die sich noch genau an jenen Tag Anfang der 30er Jahre erinnert, als sie elf oder zwölf Jahre alt war: „Meine Tante kannte Ernst Höllerhagen. Die beiden haben miteinander geturtelt, glaube ich.“

Fakt ist: Als die Tante die kleine Charlotte mit ins Haus Juliana nahm, erlebten beide einen ganz besonderen Auftritt. „Ernst Höllerhagen kam zu mir, hat mich in den Arm genommen und gefragt, ob er etwas für mich spielen darf.“ Natürlich durfte er.

Und so glänzen die Augen von Charlotte Steckelbach noch heute, wenn sie die Liedzeile wiedergibt, die sie im Haus Juliana hören und nie wieder vergessen sollte: „Tausend goldene Sterne leuchten für dich“.

Steckelbach ist nicht die einzige, die sich mit viel Herzblut und Bewunderung an die Barmer Jazz-Legende (1912-1956) erinnert. Seitdem die WZ „Die Ernst Höllerhagen Story“ vorgestellt hat, die Ernst Dieter Fränzel und Heiner Bontrup veröffentlicht haben, melden sich immer mehr Leser, die die Biographie der beiden Wuppertaler Autoren regelrecht verschlungen haben.

„Es ist schon interessant, wie das Buch Beachtung findet“, sagt Fränzel, der sich über Rezensionen in renommierten Jazz-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz freut. Apropos Alpen: „Auch von Hazy Osterwald wurden mir Grüße übermittelt.“

Höllerhagen und Osterwald waren nicht nur Kollegen, sondern vor allem auch eng befreundet. Den Zweiten Weltkrieg verfolgte der Barmer vom Schweizerischen Exil aus — an der Seite von Bandleader Hazy Osterwald.

„Ernie liebte die Berge. Deshalb ist er auch in einem Grab mit Blick auf das Jungfraumassiv beigesetzt worden“, erklärt Martha Blockhaus, die mit ihren ganz persönlichen Anekdoten viele Leser bewegt hat: Nachdem die Stiefschwester des musikalischen Multitalents in der WZ aus dem Nähkästchen geplaudert hat, meldeten sich etliche Zeitzeugen bei Fränzel und Bontrup, darunter auch Charlotte Steckelbach.

„Ich habe den Artikel gelesen und daraufhin das Buch bestellt“, sagt die Cronenbergerin. „Beim Lesen habe ich dann gedacht: Mensch, das war eine schöne Zeit.“ Wer sie nicht selbst erlebt hat, kann sie zumindest rückblickend entdecken: „Die Ernst Höllerhagen Story“ ist im Wuppertaler Nordpark Verlag erschienen (184 Seiten, 15 Euro) und der beste Beweis dafür, dass Ernst Höllerhagen unvergessen ist. In den Herzen seiner Fans lebt er weiter.