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Seit 50 Jahren arbeiten die Wuppertaler Christen zusammen

Ökumene : Seit 50 Jahren arbeiten die Wuppertaler Christen zusammen

In den Nachkriegsjahren waren die Vorbehalte zwischen den Religionen oft stark. Ältere Wuppertaler erzählen, wie ihnen die Eltern verboten, mit Kindern der jeweils anderen Religion zu spielen. Um mehr Verständnis füreinander zu wecken, wurde 1970 die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Gemeinden (ACKuG) in Wuppertal gegründet.

Deren 50-jähriges Bestehen wurde am Pfingstmontag mit einem Festgottesdienst im Autokino auf dem Carnaper Platz gefeiert. Der geplante festliche Empfang musste wegen der Kontaktbeschränkungen verschoben werden und soll nun am 11. Juni 2021 in der Citykirche stattfinden.

1970 herrschte Aufbruchsstimmung

„1970 herrschte ein ökumenisches Aufbruchklima“, erzählt Gerson Monhof, Vorsitzender der ACKuG. Vielen Christen sei damals bewusst geworden, dass sie „in Zeugnis und Dienst versagt“ hatten. Der Wunsch nach Zusammenarbeit sei groß gewesen. Bereits 1948 hat sich der Weltrat/Ökumenische Rat der Kirchen gegründet, nach und nach sind dann entsprechende Arbeitsgemeinschaften auf regionaler und lokaler Ebene entstanden. Einen Schub brachte das Zweite Vatikanische Konzil der Katholischen Kirche mit deren Öffnung.

Für Wuppertal sei der nicht überall übliche Zusatz „und Gemeinden“ wichtig gewesen wegen der vielen kleinen Glaubensgemeinschaften. Aufgenommen werden können alle christlichen Kirchen und Gemeinden, die das Nizänische Glaubensbekenntnis akzeptieren. 16 Glaubensgemeinschaften sind derzeit Mitglied im ACKuG mit verschiedenen Ausprägungen von Katholiken, Orthodoxen und Evangelischen. Manche Gemeinschaften hingegen haben auch kein Interesse an diesem Austausch.

Über die Aufnahme neuer Anwärter entscheiden alle Glaubensgemeinschaften getrennt in ihren Leitungsgremien. So wurde vor rund zwei Jahren die Neuapostolische Kirche in Wuppertal im ACKuG begrüßt. „Als junge Mitgliedskirche im ACKuG lernen wir die Vielfalt christlichen Lebens in unserer Stadt kennen. Regelmäßiger Gedankenaustausch und wechselseitige Besuche in den verschiedenen Gemeinden fördern das Verständnis füreinander und bauen Brücken über historisch entstandene Unterschiede hinweg“, lobt Dirk Gielke, ACKuG-Beauftragter der Neuapostolischen Kirche Wuppertal. Ernst Kirchhof von der Freien evangelischen Gemeinde sagt: „Als Freie evangelische Gemeinden wissen wir uns mit den Glaubenden aller christlichen Kirchen verbunden. Wir sind der Überzeugung, dass das uns Verbindende viel größer ist als das, was uns trennt. Die ACKuG bietet uns einen Rahmen, in dem wir dieses Verbindende entdecken und vertiefen können.“

Alle zwei Monate treffen sich die Vertreter und diskutieren gemeinsam über theologische Themen, stellen sich ihre jeweilige Auffassung dazu vor. Dabei sind sie abwechselnd zu Gast in den unterschiedlichen Kirchen. „Wir wollen wissen, wie die anderen denken – da kommt man schon ins Grübeln über die ein oder andere Frage“, erzählt Gerson Monhof, evangelischer Pfarrer im Ruhestand. „Wir sind unterschiedlich geprägt und müssen das Erbe, das wir in uns tragen, traditionell weiterleben – aber auch toleranter werden und anerkennen, dass jeder gewählte Glauben einen Wert darstellt.“

Regelmäßig hat die ACKuG in den vergangenen Jahren auch größere öffentliche Veranstaltungen organisiert. So feierte die Gemeinschaft 2017 das Reformationsjubiläum mit einem großen Christusfest auf dem Laurentiusplatz in Elberfeld. Dabei präsentierten sich die verschiedenen christlichen Gemeinschaften vor rund 1000 Gästen an Ständen. Vergangenes Jahr gab es bei den Wuppertaler Grenzgesprächen einen Abend über verfolgte Christen. Für viel Diskussion sorgte auch ein Vortrag über die Kirche der Zukunft.