Scofield bringt treibende Sounds in den Skulpturenpark

Scofield bringt treibende Sounds in den Skulpturenpark

Der Gitarrenmeister überzeugte Wuppertaler und weit angereiste Gäste bei dem Open-Air-Gig mit seiner Überjam-Band.

Wuppertal. Der Meister hatte sich angekündigt. Und sie kamen in Scharen. Bereits über eine Stunde vorher gab es Parkplatzprobleme. Auf der Hirschstraße hoch zum Skulpturenpark Waldfrieden bewegten sich die Menschen gleich einer lückenhaften Menschenkette gemächlich die Serpentinen herauf. Gerade eben wurde noch dem Sound auf der Open-Air-Bühne der letzte Fein-schliff verpasst. Schnell einen Platz in den vordersten Reihen ergattern. Neben und hinter den Stühlen machte man es sich auf mitgebrachten Decken gemütlich. Viele Jazzmusiker waren auch darunter. Kinder tollten über der großen Wiese. Es war eine entspannte Zusammenkunft.

Nachdem Maik Ollhoff, künstlerischer Leiter der Reihe „Klangart“, ehrfürchtig seinen Respekt vor der lebenden Legende gezollt hatte, war er da mit seiner Überjam-Band: John Scofield. Über ihn zu viele Sätze zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen, gilt er doch neben Pat Metheny und Bill Frisell zu den weltweit maßgebenden lebenden Jazzgitarristen. Davon konnte man sich an diesem Abend selbst ein Bild machen. Andauernd betonte er, wie toll er das Ambiente des Skulpturenparks findet und meinte deshalb sogar zum Schluss: „We hope to come back very soon“ (Wir hoffen, sehr bald wieder zurückzukommen).

Dementsprechend sprühte der Virtuose an seinem sechssaitigen Instrument mit Stromanschluss nur so vor Spielfreude. Rasend schnelle melodiöse Läufe hintereinander, heavy verzerrte Töne, eine gute Portion Blues zwischendurch: So kennt man ihn. Doch schien er nun sogar noch eine dicke Portion an Kreativität mehr durch seinen Gitarrenverstärker zu schicken, wenn er etwa bei „Dub Dub“ mit einer großen inneren Ruhe ganz allein ungemein kontemplativ in epischer Breite musikalische Linien gestaltete und damit zauberte — sie zu neuen Horizonten jenseits von Tonalitäten führte.

Gleich zu Beginn, nach dem frenetischen Begrüßungsapplaus seitens seiner unzähligen Fans, war klar, wo die Reise hingeht. Mit „Snake Dance“ und „Boogie Stupid“ aus seinem Album „Überjam Deux“ wurden treibende und groovende Sounds angeschlagen. Scofield und seine drei kongenialen Kollegen lebten ihren Jazz-Rock-Fusion-Mix voll aus. Da war zum einen „the incredible“ (der fantastische) Dennis Chambers — ein jahrzehntelanger Weggefährte Scofields — am Schlagzeug, der aus seinen Trommlen und Becken großartige funky-rocky Beats herausholte. Zum anderen sorgte Andy Hess am E-Bass für satte, fantasievoll-groovende Bass-fundamente.

Last but not least lag es an Avi Bortnick, seine Rhythmusgitarre hochvirtuos einzusetzen. Seine sich wiesel-flink wiederholenden Akkord-rhythmen suchten ihresgleichen. Wenn er außerdem mustergültig bei „I brake 4 Monster Booty“ aus dem ersten Überjam-Album zum Funk fetzige Rap-Samples aus seinem Computer an die Lautsprecher weiterleitete, war auch bei dieser Band die Zeit nicht stehen geblieben. Ab hier war es vorbei mit der Geduld mancher Tanzbeine, die nun auf der Wiese aktiv wurden. „Blue Matter“, das Titelstück der gleichnamigen Scheibe aus dem Jahr 1986, schloss sich swingy-slappy-funky an.

Viel zu schnell war dann die Schlussnummer „Endless Summer“ nach ungefähr zwei Stunden dran. Hier lieferten die vier Vollblutmusiker noch einmal ihre ganze gewaltige Power ab. Jubelrufe und nicht enden wollende Standing Ovations waren die logische Folge. Also ließ sich das Quartett nicht zweimal bitten. Ohne die Zugabe „Curtis Knew“ wäre die Enttäuschung groß gewesen. Aber so zogen anschließend alle glücklich von dannen. Etliche hatten einen langen Rückweg, das konnte man an den Autokennzeichen ablesen.

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