Schwebebahn: Jetzt fährt sie wieder

Schwebebahn: Jetzt fährt sie wieder

Ab dem heutigen Montag sind die Züge regulär in Betrieb. Und nicht nur im Wuppertaler Westen und Osten freut man sich.

Wuppertal. Hamza Korkmaz in Vohwinkel und Linda Heemskerk in Oberbarmen trennen einige Kilometer Gerüststahl und 20 Bahnhöfe der Schwebebahn voneinander. Was den Zeitschriftenverkäufer aus dem Wuppertaler Westen und die Blumenhändlerin vom anderen Ende der Stadt miteinander verbindet, ist die Freude darüber, dass die Zeit ohne Schwebebahn nun unweigerlich zu Ende geht: Montagfrüh um 5.12 Uhr soll das Wahrzeichen ihrer Heimatstadt wieder regulär den Betrieb aufnehmen und einen Schluss-Strich unter die seit Mitte Dezember dauernde Zwangspause ziehen.

"Natürlich haben auch wir als Geschäftsleute gemerkt, dass die Schwebebahn nicht fährt - auch wenn es andere schlimmer getroffen hat", erklärt Hamza Korkmaz (30) und deutet durch die Fensterfront des Tabak- und Presseshops im Bahnhof Vohwinkel. "Jetzt freuen sich die Leute im Laden einfach nur darüber, dass die Schwebebahn wieder fährt."

Gerade bei Touristen steht der große Verkaufsständer mit Schwebebahn-Ansichtskarten draußen hoch im Kurs. Hinter vorgehaltener Hand heißt es - das sagt der 30-Jährige nicht ohne Stolz - , dass man beim Postkarten-Umsatz dieser Art stadtweit ungeschlagen ist. "Für die vielen Pendler war die Zeit ohne Schwebebahn an den Bussen ja auch noch mit langer Warterei verbunden."

Linda Heemskerk vom Blumenschgeschäft "Blütenreich" am Berliner Platz zeigt sich im Gespräch mit der WZ nicht minder gut gelaunt: "Bei uns kaufen gerade auch viele ältere Kunden ein", erzählt sie. "Und denen hat ihre Schwebebahn echt gefehlt." Heemskerks Kollegin Alina Bouam horcht bei diesem Stichwort auf. "Soll ich mal ehrlich sein?", fragt sie über die vielen Blumen hinweg. "Ich vermisse die Schwebebahn wie Sau: Wenn man von hier aus mal eben in die Innenstadt will, gibt es doch nichts Besseres. Mit Bussen ist das so schnell unkompliziert nicht zu schaffen."

Weitaus nüchterner geht man unterdessen bei den Stadtwerken den Abschluss der bislang längsten Zwangspause der Schwebebahn an. Dem Betriebsbeginn heute früh gingen am Wochenende umfangreiche Testfahrten und Messungen voraus, um auf Nummer sicher zu gehen. "Alles in Ordnung", hieß es Sonntagnachmittag noch einmal auf WZ-Nachfrage.

Wie berichtet, wird es auch nach den Verstärkungsarbeiten im Gerüst für gut zwei Millionen Euro bei den Tempolimits und Begegnungsverboten auf der Strecke bleiben, bis die Altstrecke komplett saniert ist. Die erste Testfahrt der Betriebsleitung und des WSW-Vorstands ging am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vonstatten - die Anspannung und Kritik der vergangenen Monate hat Spuren hinterlassen, zumal es beim Ersatzverkehr aus Sicht vieler Fahrgäste alles andere als rund lief. Aber auch das ist erst einmal Geschichte.

So wie Linda Heemskerk und Hamza Korkmaz werden heute etliche Wuppertaler Geschäftsleute, Pendler und Schüler tief durchatmen und in die Züge hoch über allen Köpfen steigen. Die Testfahrt der WSW-Leitung quittierten angehende Abiturienten in Oberbarmen mit spontanem Beifall und Hupen - bevor es für sie zu den letzten Prüfungen geht. Natürlich mit der Schwebebahn.