Schwarzbachtrasse wird mit Draisinenfahrt verabschiedet

Schwarzbachtrasse wird mit Draisinenfahrt verabschiedet

Am Sonntag können Wuppertaler noch ein letztes Mal die Schienen testen. Bereits einen Tag später rückt das Bauunternehmen an.

Die Wuppertalbewegung schreibt erneut Trassengeschichte. Nachdem die Schwarzbachtrasse von rund 300 Bäumen und Gestrüpp befreit wurde, nutzt der Verein am Sonntag die einzigartige Möglichkeit und lädt die Wuppertaler ein letztes Mal zu einer Fahrt über die ehemalige Zugstrecke ein. „Das ist wirklich die allerletzte Chance, einen Tag später werden die Schienen abgebaut“, berichtet Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung.

Der Anbieter Wuppertrail stellt für das Event fünf Draisinen zur Verfügung. Die 80 Kilo schweren Fahrzeuge transportiert die Wuppertalbewegung mithilfe des Sponsors Leonhards zum Startpunkt an der Grundstraße in Langerfeld. Dort, hinter dem Sportplatz in der Nähe des S-Bahnhofs, starten am Sonntag, 8. April, zwischen 11 und 15 Uhr zu jeder vollen Stunde die Draisinen in Richtung Schwarzbachviadukt. Die Fahrtstrecke beträgt hin und zurück 3,5 Kilometer.

Der Clou: Die Wuppertalbewegung zelebriert die Verabschiedung von der Schienen-Trasse für die Wuppertaler kostenlos. Eine Reservierung ist allerdings nicht möglich. Eine Viertelstunde vor Abfahrt zu jeder vollen Stunde — um 15 Uhr ist letzte Abfahrt — verteilt die Wuppertalbewegung Tickets für den Trip zum Viadukt. „Wir machen das deshalb, weil wir keine Ahnung haben, wie groß der Andrang ist. Nicht, dass zu jeder vollen Stunde die Leute wild auf die Draisinen springen“, erklärt Gerhardt. Wer auf jeden Fall in die Pedale treten möchte, sollte frühzeitig vor Ort sein. Es gilt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Alternativ bietet die Wuppertalbewegung die Begehung der Trasse an. Die ist an normalen Tagen nicht gestattet, weil der Schienenbereich noch als Baustelle gilt.

Am 9. April beginnt dann die Transformation der Strecke in einen Fahrradweg. Das Entfernen der Schienen kostet die Wuppertalbewegung laut Carsten Gerhardt nichts — am Ende bleibt wahrscheinlich durch Erlös des Materialverkaufs noch ein Plus. „Da gab es ganz unterschiedliche Angebote. Bei einigen Anbietern hätten wir draufzahlen müssen“, erklärt Gerhardt.

Das rund 3,6 Millionen Euro teure Schwarzbachtrassenprojekt wird zu 90 Prozent vom Bund gefördert. Seit ein paar Tagen gehört der Wuppertalbewegung das Grundstück, über das die 1850 Meter lange Trasse verläuft, das die Stadt zuvor der Bahn für rund 221 000 Euro abgekauft hatte.

Hinter dem Deal steckt ein Erbpachtvertrag. „Das Grundstück gehört uns für fünf Jahre, danach geht es wieder in den Besitz der Stadt über und hat dann eben einen Fahrradweg“, sagt Gerhardt. Das Konstrukt wurde so gewählt, damit der Verein unabhängig von der Stadt bauen kann.

Bislang liege man voll im Zeitplan, so Gerhardt. Nach dem rund zweiwöchigen Abbau folgen im Juni die Arbeiten am Viadukt. „Das wird der aufwendigste Teil“, sagt Gerhardt. Dort muss unter anderem die Abdichtung aufgefrischt werden. Zudem müssen im Bereich des Wichlinghauser Tunnels noch rund 200 weitere Bäume gefällt werden.

Zwischendurch will die Wuppertalbewegung noch Müll vom Trassenrand entfernen. „Da liegen ganze Couchgarnituren, Abfallsäcke und Schutt herum“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Im Herbst kommt dann Asphalt auf die Trasse — und dann könnte das Projekt abgeschlossen sein. „Eine offizielle Eröffnung wird es erst 2019 geben“, sagt Carsten Gerhardt. „Ab Herbst wird der Radweg aber in weiten Teilen schon nutzbar sein“, verrät er.

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