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Schule Berghauser Straße: Von preußischem Drill und ersten Liebesbriefen

Erinnerung : Von „preußischem Drill“ und ersten Liebesbriefen

Die langjährige Bezirksbürgermeisterin Ingeborg Alker erinnert sich an ihre Zeit an der Berghauser Schule.

Ingeborg Alker steht vor der alten Berghauser Schule. „In diesem Raum hatte ich meine Aufnahmeprüfung“, sagt sie und zeigt auf die Fenster eines Klassenzimmers. Dort begann ihre Gymnasialzeit mit einem Test, der heute an den weiterführenden Schulen nicht mehr nötig ist. Üblich war, dass die meisten Schulkinder die gesamten zehn Klassen regulär auf der Volksschule absolvierten. Am „Neusprachlichen Gymnasium“ auf Berghausen zu lernen, war also ein Privileg, meint die ehemalige Cronenberger Bezirksbürgermeisterin: „Wer konnte sich denn schon Schulgeld leisten?“.

Das war in den frühen 1950er-Jahren nicht die einzige Sorge, die die Bildung betraf. Viele Lehrkräfte, die eigentlich längst hätten pensioniert sein müssen, wurden in der Nachkriegszeit aufgrund akuten Mangels wieder in den Dienst geholt. Doch auch wenn manche also „noch den preußischen Drill“ haben walten lassen, erinnert sich Alker doch gern an ihre Lehrer und entsinnt sich einiger Anekdoten.

Der hochgewachsene Englischlehrer etwa wurde „Big Ben“ genannt, und die Klassenlehrerin zog oft gutmütig den Karren aus dem Dreck, wenn die Jugendlichen unangenehm auffielen: „Wir hatten viele Jungs in der Klasse, die schon eine Ehrenrunde gedreht hatten. Da ergab sich das von selbst“, erinnert Alker sich schmunzelnd.

Ingeborg Alker erinnert sich gerne an ihre Schulzeit. Foto: Fries, Stefan (fri)/Fries, Stefan (fr)

Dass sie überhaupt mit Jungen gemeinsam lernte, ermöglichte die ersten Liebesbriefe für begehrte Klassenkameraden, sagt Alker lachend, war damals aber noch nicht selbstverständlich. Doch daran, dass auch der Turnunterricht mit Mädchen und Jungen zusammen stattfinden könnte, dachte man zu ihrer Zeit „natürlich nicht“. In einheitlichen grünen Hosen und weißen Hemden ging es also geschlechtergetrennt zur Sportstunde, die häufig auf dem Schulhof stattfand. Denn der verfügte über eine eigene Sprunggrube. Es war nicht die einzige Besonderheit des Gymnasiums, auch mit der Aula war man auf Berghausen gut ausgestattet und unterschied sich so von anderen Schulen der Umgebung.

Diskussion um die Nutzung des Gebäudes ist entbrannt

Auch nach außen präsentieren durften sich die Schüler, als der Cronenberger Heimatverein zu seinen Umzügen lud. „Da gingen dann zum Beispiel auch die Schützenvereine mit, und wir hatten als Klasse unseren eigenen Schauwagen“, erzählt Ingeborg Alker. Lebhaft waren die Jahre 1951-55, in denen sie die Schule besuchte, also in jedem Fall. Das trifft auch auf die Sommerfeste zu, die etwa im Zoo oder im Gelpetal stiegen. „Wir Mädchen machten dann Volkstanz, alle im Kleid“, hat sie behalten.

Mit der Eröffnung des Schulzentrums auf dem Küllenhahn wurde das Gymnasium nicht mehr gebraucht und zur Hauptschule umfunktioniert. Zu Beginn der Geschichte des Hauses waren in den Räumlichkeiten noch Realschulklassen untergebracht, später, im Krieg, diente es als Lazarett. Die Mauern in Cronenbergs Süden haben also schon viel erlebt, nun stehen sie leer und sehen sich einer eifrigen Diskussion ausgesetzt.

Als langjährige Lokalpolitikerin hat auch Ingeborg Alker Vorstellungen zur zukünftigen Nutzung des Gebäudes, das aktuell einer Asbestreinigung unterzogen wird: „Ich würde mir wünschen, es würde wieder Schule“.

Diesem Plan hat Oberbürgermeister Andreas Mucke jedoch im vergangenen Jahr eine Absage erteilt; dafür sei die Zahl der Schulkinder auf den Südhöhen zu gering. Auch für die Stadtteilbibliothek oder die Bergische Musikschule, die dort lange lehrte, seien die 4000 Quadratmeter schlicht zu groß.