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Schüler im Rathaus: Schüler ziehen in den Ratssaal ein

Schüler im Rathaus : Schüler ziehen in den Ratssaal ein

Eine Klasse der „Else“ war zu Besuch beim OB, nachdem sie eine Ratssitzung besprochen hatte.

Das Treffen hat eine Vorgeschichte. Im Juli letzten Jahres gab es für die damalige Jahrgangsstufe 13 der Else Lasker-Schüler Gesamtschule eine ungewöhnliche Aufgabe. Im Rahmen ihres Unterrichtes sollten sie sich eine Wuppertaler Stadtratssitzung im Rats-TV ansehen. Im Vordergrund standen nicht so sehr die inhaltlichen Aspekte. Vielmehr sollte auf die mimischen, nonverbalen und sprachlich-rhetorischen Instrumente geachtet werden, die zur Untermauerung der Aussagen genutzt wurden.

Silvio Geßner, Lehrer für Sozialwissenschaft und Deutsch, wählte diesen praktischen Einblick, um Politik greifbar und erlebbar zu machen. Das Feedback der Schüler ließ nicht lange auf sich warten. Kritisch wurde das Verhalten der Stadtpolitiker bewertet und auch vor Oberbürgermeister Andreas Mucke nicht Halt gemacht. „Ein Oberbürgermeister der Nichtkommunikation, der mal hier schwätzt und mal da schwätzt“ war das wenig schmeichelhafte Urteil. In einem Gastbeitrag der WZ berichtete Geßler im Anschluss von der Aktion und ihren Ergebnissen.

Die Schüler waren gut vorbereitet, interessiert und kritisch

Oberbürgermeister Mucke lud nun zu einem Besuch ins Barmer Rathaus. Da die Schüler der damaligen Jahrgangsstufe 13 die Schule inzwischen verlassen haben, konnte der Kurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 11 am gestrigen Freitag am Treffen teilnehmen. Zusammen mit Beratungslehrer Geßner kamen rund 20 Schüler in den Ratssaal, im Gepäck eine Menge Fragen.

Doch zunächst gab es Erklärungen von Oberbürgermeister Mucke zum Sitzungssaal, und der Zusammensetzung der 66 Stadtabgeordneten, zu Dezernenten und Partnerstädten. Dann waren die Jugendlichen dran. Gleich die erste Frage zielte nicht nur auf seine Tätigkeit sondern auch auf menschliche Aspekte, und Mucke dachte darüber nach. „Wie viel Prozent Idealismus und wie viel Prozent Ego steckt in Ihrer Arbeit?“ Beides gehört für ihn dazu, doch möchte er das Wort „Ego“ durch „Selbstvertrauen“ ersetzen. „Das war eine tolle Frage“, so sein Statement nach der Veranstaltung. Überhaupt erlebte er die Schüler gut vorbereitet und engagiert.

Die Schüler haken nach. „Wie vereinbart man bei einer 80-Stunden-Woche das Privatleben mit dem Beruf, was sagen Ihre Kinder dazu?“ Mucke erklärte die Absprachen mit seinen Söhnen, auch die Nachteile, die dadurch entstehen können. Auf die Frage nach Vorbereitung und Rhetorik erklärte er, dass er in der Regel frei rede, außer bei Grundsatzreden. Und die schreibt er selbst. „Ob ich das gut mache, müsst ihr entscheiden.“

Was er im Job ändern würde? Der Wunsch nach mehr Zeit zwischendurch kam als Antwort und auch, dass nicht nur immer die negativen Dinge publiziert werden. „Es machen so viele Menschen so viel Gutes hier“.

Primark war ein Thema und Mucke gab zu, dass er mit der Ansiedlung nicht glücklich ist. „Das Gebäude ist toll, aber der Anbieter...“ Gleichzeitig ein Appell an alle „Wir müssen ja nicht die Billigketten unterstützen.“ Als wichtiges Problem sieht er die Verbesserung der finanziellen Situation der Stadt. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Die Beseitigung der Kinderarmut liegt ihm am Herzen und dass viele Bürger sich engagieren.

Auf Nachfrage erzählte er von seinem Werdegang und dem Anlass, sich politisch zu betätigen. In Zeiten des Wettrüstens und der Friedensbewegung trat er als 16-Jähriger in die SPD ein. „Jeder sollte sich engagieren, ob politisch oder in einer anderen Organisation. Wichtig ist, mitzumischen. Lasst euch nicht bestimmen“, lautete sein Appell an die Schüler. Realistisch habe er seinen Job schon im Vorfeld eingeschätzt, erklärt er, war er doch lange Jahre im Stadtrat. Ja, und Spaß habe er immer noch daran, denn er möchte sich mit Leidenschaft für seine Stadt einsetzen.