Schöne und schaurige Geschichten aus Wuppertal

Schöne und schaurige Geschichten aus Wuppertal

Michael Malicke hat ein Buch über die dunklen Seiten der Stadt verfasst.

Wuppertal lebt von den Gegensätzen — das weiß Michael Malicke (Jahrgang 1956), der seit vielen Jahren als Journalist in der Stadt tätig ist, ganz genau. Hell und dunkel — das ist so ein Gegensatz. Und während sich die meisten Bücher über Wuppertal mit den überwiegend hellen Seiten und Sehenswürdigkeiten im Tal der Wupper und auf den Höhen beschäftigen, richtet Malicke in seinem Buch „Dunkle Geschichten aus Wuppertal“ den Blick bewusst auch auf die Schattenseiten, wobei er aber auch denen gute Seiten abgewinnen kann, wie die Unterzeile „schön & schaurig“ andeutet.

So erinnert er zum Beispiel an die Zeiten, als Öllampen die Stadt beleuchteten und sich erst langsam die Gaslaternen durchsetzten. Daran schließt sich die Frage an, warum der Ölberg so lange im Dunkeln blieb. Wer möchte, der kann Michael Malicke im Anschluss bei einem Kneipenbummel über den besagten Ölberg folgen, der einst über eine geradezu legendäre Kneipendichte verfügte — und das allein schon bis zum halben Berg.

In einem geschichtlichen Rückblick erinnert der langjährige Pressesprecher der Wuppertaler Stadtwerke an die Bombennächte und die Nachkriegszeit, die Hunger und Wohnungsnot mit sich brachten. Doch wo es dunkel ist, da gibt es auch Lichtblicke. So verrät Malicke, dass der erste Lastwagen eines Konvois, der 1949 West-Berlin erreichte, in Wuppertal losgefahren war. An Bord waren aber keine Lebensmittel, sondern Krawatten der Elberfelder Firma Berg.

Das Beispiel zeigt, dass die skurrilen Geschichten nicht fehlen. In diese Abteilung fällt auch die Erinnerung an den Fußgängertunnel, der bis zum Umbau des Döppersbergs die Elberfelder Fußgängerzone mit dem Hauptbahnhof verband.

Auf 80 Seiten hat Michael Malicke zahlreiche Ereignisse der Wuppertaler Stadtgeschichte der Dunkelheit des Vergessens entrissen. Er liefert kurzweiligen, gut verdaulichen Lesestoff, der sich auch sehr gut als Geschenk für Wuppertal-Freunde eignet. Erschienen ist das Buch im Wartberg-Verlag. Es ist für 11,90 Euro im Buchhandel erhältlich. ab

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