1. NRW
  2. Wuppertal

Schön und selbstbewusst: Wie Schminken Wuppertaler Krebskranken hilft

Bethesda Krankenhaus : Schön und selbstbewusst: Schminken soll Krebspatientinnen stärken

Wie wickele ich das Kopftuch? Wie schminke ich eine Augenbraue nach? Fünf Teilnehmerinnen haben im Bethesda Krankenhaus an einem Kosmetikseminar für Krebskranke teilgenommen.

Auf dem Tisch stehen schon die Vergrößerungsspiegel bereit. Wattestäbchen und Abschminkpads liegen direkt daneben. Neben jedem Platz liegt außerdem eine Tasche, die prall gefüllt ist mit vielen schönen Dingen. Da ist das Thermalspray zum Befeuchten der Haut, ein Tonic, die Lidschatten-Palette mit unzähligen Farben oder das leichte, flüssige Make-Up.

Die Kosmetikerinnen Nina Knies und Kirsten Hofes haben schon alles für die fünf Teilnehmerinnen vorbereitet, die gleich in das Brustzentrum Wuppertal in das Agaplesion Bethesda Krankenhaus kommen werden. „Look good, feel better“, so heißt das kostenfreie Seminar für Krebspatientinnen, das von der gemeinnützigen Gesellschaft „DKMS Life“ angeboten wird.

Das Motto, das zu mehr Lebensmut ermuntern soll und so neue Lebensqualität aufzubauen hilft, heißt „Hilfe zur Selbsthilfe: sich wohler fühlen durch gutes Aussehen“. Ein weiterer Programmpunkt ist eine Tücher- und Kopfschmuckberatung. Unterstützt werden Knies und Hofes dabei noch von Anita Hartmann und Christel Schmerenbeck vom „Treffpunkt MaMut für Frauen nach Brustkrebs“.

Kampf um
das Überleben

In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen, die schon einmal eine Krebsdiagnose bekommen haben. Das berichtet das Robert-Koch-Institut. Die Diagnose, die jährlich rund 230 000 Frauen erhalten, verändert mit einem Schlag das ganze Leben. Denn die Krankheit bedeutet nicht nur den Kampf um das eigene Überleben, sondern auch, mit einem sich verändernden Körper klar zukommen - und ihn schön zu finden. Da ist der Haarausfall, da ist der Verlust der Wimpern, da sind die trockenen, juckenden Stellen: Viele Betroffene verlieren ihr Selbstbewusstsein, fühlen sich von der Krankheit schwer gezeichnet.

Mittlerweile sind die fünf Teilnehmerinnen eingetroffen. Begrüßt werden sie zuerst von Brustpflegeschwester Rumualda Wos: „Wir wollen Ihnen zeigen, wie schön Sie sind.“ Sie hat die Erfahrung gemacht, dass auch behandelnde Ärzte im alltäglichen Klinikstress vergessen, ihren Patientinnen zu vermitteln, was „für die Seele gut ist“. Dann dürfen alle ihre Taschen auspacken. „Das ist ja wie an Weihnachten“, freut sich eine Besucherin.

Los geht es mit der richtigen Tuchbinde-Technik, die von Nina Knies erklärt wird. Wie packe ich das Schlauchtuch und ziehe es richtig über den Kopf? Gar nicht so einfach. Elke Güldner hat sich hierfür schon unzählige Youtube-Videos angeschaut, ihr Resümee: „Danach hatte ich lahme Arme.“ Heute gelingt es ihr schnell. Das neue Tuch sitzt perfekt. Schnell sind alle im Gespräch, sind miteinander verbunden.

Die Haut ist angegriffen
und viel empfindlicher

Doch wie ist das eigentlich mit Perücke? Für Güldner keine Alternative. „Ich habe meine weggeschmissen, ich möchte mich nicht damit sehen.“ Eine andere Besucherin hat Probleme mit ihrer. „Ich habe auch mal einen Bad-Hair-Day trotz Perücke. Meine rutscht sehr schnell.“ Anita Hartmann und Christel Schmerenbeck wissen um die Problematik und raten, noch mal zum Fachgeschäft zu gehen. „Die darf nicht rutschen. Sie müssen das Gefühl haben, wirklich alles damit machen zu können.“

Weil die Haut durch die Medikamente oft angegriffen und empfindlich ist, empfiehlt Kirsten Hofes für die Reinigung nur sehr milde Pflegeprodukte. Nach dem Öffnen der Poren mit einem befeuchteten Tuch geht es an die Gesichtsreinigung. Wichtig bei dem Seminar: Die Patientinnen machen aktiv mit - von der Reinigung bis hin zum Schminken. Natürlich mit Unterstützung und Tipps der Expertinnen. Es geht nicht um das perfekte Make-Up mit perfekt nachgezeichneten Augenbrauen und exakt gesetztem Rouge, sondern um ein natürliches und frisches Aussehen. Es geht um ein Stück wiedergewonnene Normalität. Nina Knies und Kirsten Hofes ermutigen die Teilnehmerinnen, liebevoll zu sich zu sein und positiv in den Spiegel zu blicken, auch wenn das Spiegelbild gerade anders aussieht.

Nach zwei Stunden sind alle Teilnehmerinnen fertig geschminkt und zurecht gemacht. Wird man sich zukünftig schminken und die Tipps der Expertinnen beherzigen? Na sicher.